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Die Nanny aus der Mongolei

Wilkes Au-pair hat Familienanschluss Die Nanny aus der Mongolei

Klassische Weihnachten sind für Uugantsetseg Natsagdorj aus der Republik Mongolei ganz neu. Die 23-Jährige ist seit dem 4. November als Au-pair in Deutschland. Sie und ihre Gastfamilie, die Wilkes aus Gettorf, verstehen sich prima. Beste Voraussetzungen für ein schönes Weihnachtsfest.

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Fröhlich vor dem Tannenbaum: Uugantsetseg Natsagdorj (23) aus der Mongolei mit ihrer Gastfamilie Susann (36), Thorsten (37), Hannah (4) und Theresa (2) Wilke.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf.  „Mein Bauchgefühl sagte mit sofort: Die ist es“, erinnert sich Susann Wilke (36) an den Tag im Spätsommer, als sie die Bewerbung von Uugantsetseg in den Händen hielt. Die selbstständige PR-Redakteurin wurde von ihrem Bauchgefühl nicht getäuscht. „Unser Au-pair ist völlig unkompliziert und hat sich sofort integriert.“ Die anfänglichen Bedenken, einen fremden Menschen für einen längeren Zeitraum ganz nah an sich heranzulassen, seien schnell verflogen. Uugantsetseg sei keine Angestellte, sondern ein Familienmitglied, unterstreicht Ehemann Thorsten (37), der in Kiel das Büro von Sozialministerin Kristin Alheit leitet.

 Die Republik Mongolei, nicht zu verwechseln mit dem in China gelegenen autonomen Gebiet Innere Mongolei, wurde bis vor 25 Jahren von einem sozialistischen Einparteiensystem geführt. 1990/91 begann die Demokratisierung, verbunden mit einer Wendung zur Marktwirtschaft. Mit Russland im Norden und China im Süden hat die Mongolei lediglich zwei Nachbarn. Die Landesfläche ist viereinhalb Mal so groß wie Deutschland, wird aber nur von drei Millionen Menschen bewohnt. 40 Prozent der Landesbevölkerung, wie auch die Familie von Uugantsetseg, lebt in der Hauptstadt Ulaanbaatar. „Das Gefälle zwischen Stadt und Land ist sehr krass“, weiß Susann Wilke, „es gibt in der Mongolei noch viele Nomaden.“

 Die Eltern von Uugantsetseg sind Ingenieure, zur Familie gehören außerdem eine 18-jährige Schwester und ein sechsjähriger Bruder. Via Facebook und Internet-Telefonie hält die Mongolin fleißig Kontakt zu ihren Angehörigen und Freunden. Heimweh? „Nein, eigentlich nicht“, sagt sie. Nur als sie sich am Montag mit den Wilkes auf 3Sat eine Dokumentation über die Mongolei anschaute, sei ein bisschen Wehmut aufgekommen.

 „Es ist spannend, einem fremden Menschen unser Land und unsere Kultur näherzubringen“, findet Thorsten Wilke, der sich in seiner Freizeit kommunalpolitisch engagiert und Vorsitzender der Gettorfer FDP ist. Spannend ist es auch für Uugantsetseg. Besonders fasziniert ist sie von der Ostsee, denn in ihrer Heimat gibt es kein Meer. „Als wir neulich mit ihr in Eckernförde waren, hat sie ohne Ende fotografiert“, sagt Susann Wilke. Damit Uugantsetseg auch das landschaftliche Gegenteil von Schleswig-Holstein kennenlernt, geht es im Sommerurlaub nicht, wie sonst, nach Usedom, sondern nach Garmisch. „Die Alpen und Neuschwanstein – auch das muss Uugantsetseg gesehen haben“, so Thorsten Wilke.

 Vermittelt wurde die Au-pair-Stelle vom Verein für internationale Jugendarbeit, der zur Diakonie gehört. „Über diesen Verein war ich als Au-pair vor 16 Jahren in England und habe nur gute Erfahrungen gemacht“, erinnert sich Susann Wilke. Jetzt genieße sie es, dass sie selbst ein Au-pair im Haus hat, denn „mein Mann und ich können abends mal wieder zusammen ausgehen“. Hanna (4) und Theresa (7) haben Uugantsetseg, die sie kurz Uchni nennen, längst in ihr Herz geschlossen, und umgekehrt ist es nicht anders.

 Jetzt freut sich die junge Mongolin auf ihr erstes Weihnachtsfest in Deutschland. „Bei uns zu Hause wird im Februar in ähnlicher Form das buddhistische Neujahrsfest gefeiert“, erzählt sie. „Dann kommt die ganze Familie zusammen, und es gibt Geschenke.“

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