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Tüttendorfer Zweitakt-Teufel

Tüttendorf Tüttendorfer Zweitakt-Teufel

In der DDR gehörten sie zum Straßenbild wie der Trabbi und der Wartburg – die Simson-Zweiräder, die im VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ vom Band liefen. Die Fabrik im thüringischen Suhl ist ebenso wie die DDR längst Vergangenheit. Doch einige der äußerst robusten Kleinkrafträder, die dort hergestellt wurden, knattern noch heute fröhlich durch die Gegend – auch im Dänischen Wohld.

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DDR-Zweitakter-Nostalgie in Tüttendorf: Kai Schürholz (36; links) fährt einen Simson-Schwalbe-Roller KR51/1, Dirk Weßel (36) ist auf einer Simson S51 Enduro unterwegs.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Tüttendorf. Vespa- oder Simson-Schwalbe-Roller? Als Kai Schürholz 2009 vor dieser Frage stand, entschied er sich schließlich für die DDR-Variante. „Irgendwie fand ich die Schwalbe kultiger.“ Außerdem haben die Simson-Zweiräder einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Obwohl 60 km/h schnell, dürfen sie mit Versicherungskennzeichen gefahren werden. Normalerweise sind mit solchen Kennzeichen maximal 45 km/h erlaubt. Doch im Einigungsvertrag wurde für die Simsons eine Ausnahme gemacht. Das bedeutet, dass man die Zweiräder steuerfrei fahren darf und man weder zur Zulassungsstelle noch zum Tüv muss. „Mein Roller kann stinken wie Sau, völlig egal“, sagt Schürholz augenzwinkernd.

Der freiwillige Feuerwehrmann und Erfinder des legendären Tüttendorfer Seifenkistenrennens fand seine Simson Schwalbe in Neuboltenhagen. „Das ist tiefstes Vorpommern“, erzählt der Familienvater. Er und sein Roller kamen im selben Jahr auf die Welt: 1978. Auch Schürholz’ gleichaltriger Freund Dirk Weßel ist vom Simson-Virus infiziert. Der DDR-Hobel, den der selbstständige Malermeister für 1500 Euro in der Nähe von Düsseldorf erwarb, ist eine Enduro S51 aus dem Jahr 1985. Das kupferbraune Kleinkraftrad und Schürholz’ gelboranger Schwalbe-Roller haben den gleichen Motor, einen Zweitakter mit 50 Kubikzentimeter Hubraum und 3,6 PS, der mit einem Gemisch im Verhältnis 1:50 bei Laune gehalten werden will und rund drei Liter auf 100 Kilometer schluckt.

Der Schwalbe-Fan nutzt seinen Roller nicht nur in der Freizeit, sondern fährt mit ihm auch zur Arbeit. In Büdelsdorf betreibt Schürholz ein Versicherungsbüro. Dort dient das DDR-Zweirad auch als Werbeobjekt. „Wenn die dunkle Jahreszeit anbricht, darf die Schwalbe neben meinem Schreibtisch überwintern“, berichtet der 36-Jährige.

Bald müssen er und sein Kumpel wohl wieder auf Simson-Shoppingtour gehen. Schürholz träumt von einer Simson Duo, einem Gefährt, das in der DDR auch als Krankenfahrstuhl genutzt wurde. „Da hab’ ich dann Platz genug, um meinen zwei Jahre alten Sohn Paul Bruno mitzunehmen“, so der Tüttendorfer. Und Dirk Weßel hätte gern eine zweite Simson Enduro – „nicht für mich, sondern für meine Frau“. Nicole Weßel fährt ebenfalls voll auf die Nostalgie-Zweiräder ab. Mit viel Liebe kreierte die 30-jährige Hobby-Airbrusherin für ihren Mann und dessen Freund ein Logo: Zweitakt-Teufel.

Und wohin fährt das teuflische Duo am liebsten mit seinen Simsons? „Zur Strandgrille am Campingplatz Lindhöft“, erklärt Kai Schürholz. „Weil’s dort die besten Cheeseburger weit und breit gibt“, fügt Dirk Weßel hinzu.

Mit originellen Gefährten kennen sich die beiden Tüttendorfer übrigens bestens aus – wobei es nicht immer Zweiräder sein müssen. So bauten sie einen mobilen Vatertags-Tresen mit Solarstromversorgung („Unser Beitrag zur Energiewende“), Kronkorkenauffangbehälter und eingebautem Holzkohlegrill. Aber das ist eine andere Geschichte.

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