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Fantastische Schätze aus der Gruft

Gräber aus Dänischenhagen Fantastische Schätze aus der Gruft

Unter dem Staub von Jahrhunderten verbirgt sich ein Schatz: 30 historische Särge aus dem Altbülker Begräbnis an der Dänischenhagener Kirche werden zurzeit wissenschaftlich untersucht. Die Forscher sprechen von einem Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung.

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Konzentriert arbeiten die Wissenschaftler in einer Lagerhalle an den ungewöhnlich gut erhaltenen Särgen aus Dänischenhagen.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Dänischenhagen. Im Herbst wurden die Särge vorübergehend aus der Gruft an der Kirche in Dänischenhagen entfernt. Denn dort hatte sich der Hausschwamm in Decke und Mauerwerk ausgebreitet. Während der Sanierung stehen die Ziersärge in einer Lagerhalle an einem geheim gehaltenen Ort. Dort werden sie vier Wochen lang gesäubert und wissenschaftlich erfasst. Andreas Ströbl von der Forschungsstelle Gruft spricht von einem „ganz fantastischen Schatz“, von einem „Kulturdenkmal besonderer Güte“. Selten hätten die Wissenschaftler so gut erhaltene Särge gesehen, die weder unter dem Schwamm noch unter Plünderern gelitten hätten: „Ein Kaleidoskop der Sargformen des Hochbarock.“ Regina Ströbl ergänzt, das Altbülker Begräbnis biete alles, „was selten ist“. Und so manches, das die Forscher erstmals sehen.

 Die Gruft-Wissenschaftler untersuchten nach eigenen Angaben schon Grablegen von Ostfriesland bis Görlitz, von Rügen bis Karlsruhe. Und sie sind mit spürbarer Begeisterung bei der Arbeit, obwohl die Temperatur in der Lagerhalle Lagen-Look und dicke Schuhsohlen erfordert. Das sei doch luxuriös, sagt Regina Ströbl lachend: Oft genug arbeiten Archäologen bei jedem Wetter draußen.

Bei den Särgen aus Dänischenhagen begegnete den beiden Forschern erstmals ein Kreuz auf dem Sargdeckel, das an den vier Enden mit Bildern der vier Evangelisten geschmückt ist. An einem anderen Sarg schwebt das Jesus-Monogramm „IHS“ plastisch hervorgehoben im Beschlag – auch das habe man so noch nie gesehen. Auf einem weiteren Sarg bilden Tausende Rundkopfnägel die Inschriften. Das kenne man zwar aus anderen Grüften des 17. und 18. Jahrhunderts. Doch bei dem Altbülker Exemplar sei die „aufwendige ornamentale Gestaltung“ das Besondere, erklärt Regina Ströbl: „Stellen Sie sich die wunderschönen Zirkelkreise mal in Silber auf dunklem Leder vor – ein starker Effekt.“

 Sie schwärmt vom „Design“, von der großen Handwerkskunst, die sich an den Dänischenhagener Särgen zeige: „Man mag zum Adel stehen, wie man will – aber das ist toll!“ Engel mit vergoldeten Flügeln, mit roten Lippen und Blütenkranz, farbige Fantasiewesen: Die aufwendige Gestaltung der Ziersärge kostete natürlich Zeit. Deshalb wurden die Toten zunächst nur in einfachen Innensärgen aus Nadelholz bestattet.

 „Die Grüfte sind Auferstehungsorte und Familiendenkmale“, erklärt Andreas Ströbl. Über die neuzeitliche Bestattungskultur sei nur wenig bekannt. Durch die Inschriften bekomme man aber Einblick in das Leben der Toten: „Es gibt furchtbar anrührende Texte auf Särgen.“

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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