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Hallo, Fräulein vom Amt?

Eckernförde Hallo, Fräulein vom Amt?

Rike und Lara sind 13 Jahre alt, und wenn sie sich verabreden, machen sie das natürlich wie alle ihre Altersgenossen per WhatsApp. Doch wie haben es ihre Eltern und Großeltern gemacht? Das Angebot WhatsApp-Nachrichten vor 100 Jahren des Museums Eckernförde im Rahmen der Aktion Ferienspaß machte Lara neugierig.

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Angelina Schube-Focke zeigt Rike und Lara (von links), wie man vor nicht allzu langer Zeit Nachrichten tippte.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Per WhatsApp schickte sie Rike den Text als Foto aus dem Programmheft. Am Donnerstagmorgen ließen sie sich im Museum von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Angeline Schube-Focke in die Geschichte der Nachrichtenübermittlung führen.

Vor 100 Jahren: Deutschland befindet sich im ersten Jahr des ersten Weltkriegs. Feldpostkarten werden verschickt. Manchmal sind sie viele Wochen unterwegs. Wenn es schnell gehen soll, werden Telegramme gewählt. Das klingt für Lara und Rike ziemlich altertümlich, dabei ist die Geschichte der Nachrichtenübermittlung schon alt: 1866 wurde das erste Transatlantik-Kabel verlegt, das erste funktionierende Telefonnetz läuft ab 1881. Fotografie gibt es in Vorstufen sogar schon 1839 und die deutsche Schreibschrift verwendet man seit dem 16. Jahrhundert.

„Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Entwicklung mit Smartphones gar nicht so erstaunlich“, sagt Schube-Focke. Ihr Anliegen ist es, mehr Jugendliche für das Museum zu begeistern. „Das funktioniert aber nur, wenn wir zeigen, dass wir auch in der Gegenwart angekommen sind.“

Für Lara und Rike ist vieles neu. Klar, Postkarten kennen sie noch, aber die Vorstellung – erst Karte kaufen, schreiben, Porto besorgen und verschicken, dann dauert es noch ein bis zwei Tage, bis die Karte den Empfänger erreicht – scheint ihnen schon absurd. Per WhatsApp ist das alles in Sekunden erledigt. Sie betrachten interessiert Telefone mit Kurbel und gedachtem Fräulein vom Amt am anderen Ende der Strippe, mit umständlicher Wählscheibe („und das bei den langen Handynummern heute“) und probieren eine alte Schreibmaschine aus den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts aus. „Kaum vorstellbar, wie lange es damals dauerte, eine Nachricht oder ein Foto zu verschicken“, sagt Lara.

Und dann noch die Schrift: Bis 1941 wurde die deutsche Schreibschrift verwendet, zuletzt in vereinfachter Form Sütterlin. „Doch Hitler wollte Europa einnehmen, wo die lateinische Schrift bereits verwendet wurde“, erklärt Schube-Focke. Ab dem 1. September 1941 sei dann die alte Schrift verboten worden – wer sie verwendete, sei verhaftet worden. Was für eine Vorstellung, Rike und Lara sind empört und versuchen sich an den alten Buchstaben. „Vielleicht nutzen wir das als Geheimsprache“, sagt Rike. „Unsere Lehrer können das bestimmt nicht lesen.“

Eine Gelegenheit, in die Geschichte der Nachrichten-Übertragung einzutauchen, ist am 23. August um 10 Uhr im Museum.

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Ein Artikel von
Kai Pörksen

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