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Film über den Eimersee

Renaturierung Film über den Eimersee

5,90 D-Mark, mehr brauchte es nicht, um eine beispielhafte Renaturierung in Gang zu bringen. Genau so viel kostete ein Eimer, den der Eckernförder Naturschutzbeauftragte Michael Packschies kaufte, um einen Bachlauf zu verstopfen und so ein Feuchtgebiet zu schaffen. Jetzt wurde ein Film darüber gedreht.

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Michael Packschies, Tim Butenschön, Sven Bohde und Daniel Wehrend erarbeiteten gemeinsam den Film Eimersee (von links).

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde.  Nach 25 Jahren stellte der Kieler Filmemacher Sven Bohde nun einen 16-minütigen Film vor, der die Entstehung des Sees dokumentiert. Am Sonntag wurde er der Öffentlichkeit präsentiert. Viele kennen die Geschichte bereits, doch sie sorgt immer wieder für Heiterkeit, weil die Mittel zur Umsetzung der Renaturierungsidee so entwaffnend einfach waren – und amüsant zugleich. Es ging um landwirtschaftliche Flächen direkt an der Stadtgrenze. Damals, so erzählt Packschies, ging es den Stadtwerken, Betreiber der Wasserwerke, darum, für bessere Qualität des kostbaren Nasses zu sorgen. Die Flächen wurden stillgelegt, doch eine Verrohrung führte das Wasser unterirdisch ab in die Ostsee.

 „Das fanden wir nicht sinnvoll“, erklärte der Naturschutzbeauftragte der Stadt. Mit verschiedenen Mitteln, zum Beispiel mit Grassoden, versuchte man, das Wasser aufstauen zu lassen. Mit geringem Erfolg, denn bei steigendem Wasserdruck wurden diese weggetrieben, das Wasser konnte nicht gestaut werden. Da kam die ungewöhnliche Idee: Einen Eimer in das Rohr eines Schachts zu drücken – aus dickem Plastik, von guter Qualität, die ewig hält. Seine konische Form sorgte zudem dafür, dass der Eimer bei steigendem Druck in das Rohr gepresst wird. „Die Idee funktionierte, der See staute auf und ist schon lange Biotop für Flora und Fauna“, so Packschies. Bittersüße Nachtschatten, Wasserminze, Zottiges Weidenröschen, Igelkolben, Erdkröten und Grasfrösche, Libellen und Schmetterlinge, Wildbienen und Sumpfschnecken haben den eineinhalb Hektar großen See und das ebenso große Feuchtgebiet mittlerweile längst als idealen Lebensraum für sich entdeckt.

 Die Qualität des renaturierten Gebietes überzeugte nicht nur ortskundige Bürger. 1994/95 wurde Eckernförde nicht zuletzt auch aufgrund dieses Vorhabens Bundeshauptstadt für Natur- und Umweltschutz und danach viermal Umweltfreundliche Gemeinde. Dadurch wurde auch das Ausland aufmerksam. Packschies reiste nach Japan und in die USA, Delegationen von dort kamen, um sich in Eckernförde ein Bild von der Sache zu machen.

 Der Film soll Packschies künftig bei seinen Reisen helfen, die Renaturierung leichter zu erklären.

 Bisher führte er gerne ein Rohr und einen Stopfen mit, um die Sache mit dem Eimersee zu erklären. Doch bei der Einreise in die USA stieß er nach dem Terroranschlag am 11. September 2001 an Grenzen. „Die Einreisebeamten musterten mich mehr als skeptisch, als sie mein Material sahen“, erinnert er sich.

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