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Augen fürs All

Altenholz Augen fürs All

Weitblick in die Unendlichkeit mit Optik aus Altenholz: Korth Kristalle lässt in seinen Hallen im Gewerbegebiet Kristalle wachsen. Aus denen fertigen Mitarbeiter hochauflösende, strahlendurchlässige Linsen für Hightech auf der Erde und Forschungsmissionen im All.

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Die Firma Korth Kristalle in Altenholz liefert optische Bausteine und Kristalllinsen in alle Welt – auch für den Weitblick ins All und Forschung auf dem Mars. Feinoptiker-Azubi Timo Schütt aus Kiel zeigt eine Linse, die für die europäische Weltraumbehörde und ihr Projekt in Chile gefertigt wurde.

Quelle: Cornelia D. Mueller

Altenholz. Seit 1. April leiten die Geschwister Anke Evers (37) und Hauke Korth (36) das Familienunternehmen in dritter Generation. Ihr Vater Jörg Ulrich Korth übergab der Betriebswirtin und dem Feinoptikermeister eine mittelständische Firma von Weltrang.

 Schauplatz Atacama-Wüste im Norden Chiles: Auf dem 2600 Meter Cerro Paranal dreht sich nachts lautlos das gigantische Spiegelteleskop der Europäischen Südsternwarte (ESO), das Very Large Teleskope. Hightech-Linsen bündeln reflektierte Strahlung aus unvorstellbaren Tiefen des Weltraums. Messeinheiten werten sie aus. „In solchen hochsensiblen Augen für den Weltraum sind auch Linsen von uns verbaut“, sagt Hauke Korth. So knapp lässt sich ein spannender Geschäftszweig des Unternehmens mit 25 Mitarbeitern auf den Punkt bringen: Korth Kristalle fertigt unter anderem für Universitäten und Forschungseinrichtungen bis hin zur Europäischen Weltraumbehörde ESA optische Bauteile, millionenmal präziser als das menschliche Auge.

 Hauke Korth: „Dafür züchten wir nach zwei Verfahren Rohkristalle, zum Beispiel Fluorid- und Chloridkristalle. Daraus schneiden und schleifen wir Linsen von vier bis 200 Millimeter Durchmesser.“ „Und das ist keine Massenproduktion“, ergänzt Anke Evers. „Wenn es um komplexe Forschungsprojekte geht, bekommen wir oft ganze Doktorarbeiten. Unsere Mineralogen arbeiten die Papiere durch und prüfen, ob wir die geforderte Optik herstellen können. Dann beginnt die individuelle Fertigung. Allerdings gibt es Produktgruppen, für die wir Kristalllinsen in größerer Stückzahl zuliefern wie für Infrarotkameras oder spezielle Laserscanner.“

 Der Mineralkristall nach Maß bringt der 1949 in Kiel-Wik von dem Physiker Dr. Karl Korth gegründeten Firma heute Kunden aus aller Welt ein. Nicht viele züchten selbst lupenreine Kristalle mit bis zu 200 Millimeter Durchmesser und können auf ein so breites Fertigungsspektrum zurückgreifen. Dabei sind zunächst Handarbeit und Mechanik gefragt. Bei bis zu 1800 Grad Hitze werden Mineralien in speziellen Öfen geschmolzen und schrittweise abgekühlt. Die fertigen Kristalle lassen sich in Teile spalten, die der Kristallstruktur entsprechen. Nach erster Bearbeitung wird die Form – konvex, konkav und kombiniert – auf hundertstel Millimeter exakt an feinoptischen Maschinen von Mitarbeitern geschliffen und poliert. Die Endpolitur bekommen die ganz kleinen Linsen von einer besonders geschulten Mitarbeiterin. Sie kann den Druck der Form des winzigen Werkstücks von Hand anpassen.

 Handwerkliche Präzision mit Bezug zu Forschungen, die sogar den Blick ins All verändern, fasziniert auch Timo Schütt. Der 18-Jährige aus Kiel ist seit Herbst 2014 Auszubildender im Beruf Feinoptiker. „Nie hätte ich gedacht, was man hier alles erfährt und berührt“, sagt er. Gern macht er sich da an das langwierige Schleifen einer großen Linse. Vielleicht bekommt auch er bald mal einen Kristall in die Hand, der wie einer der Vorgänger Teil einer Europäischen Marssonde wird.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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