21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Flüchtling das Leben gerettet

Seebataillon Flüchtling das Leben gerettet

Für seinen selbstlosen Einsatz bei Rettungsaktionen im Mittelmeer erhielt Raphael P. am Mittwoch das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold für herausragende Einzeltaten.

Voriger Artikel
Gute Buchungen trotz wenig Sonne
Nächster Artikel
Widerstand gegen größere Deponie

Arne Björn Krüger, Kommandeur des Seebataillons, zeichnet Raphael P. (links) mit dem Bundeswehrkreuz in Gold aus.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Eigentlich sind an diesem 29. Mai die Rettungseinsätze schon abgeschlossen, als erneut Alarm gegeben wird. Oberbootsmann Raphael P. rückt mit seinem Bordeinsatzteam des Seebataillons Eckernförde erneut aus, um ein überfülltes Flüchtlingsboot zu bergen, das im Mittelmeer zwischen Libyen und Italien dümpelt. Als das Boot kentert, gelingt es dem Soldaten, einen scheinbar schon leblosen Flüchtling zu bergen und zu reanimieren.

Ständig ist die Bordeinsatzkompanie des Seebataillons in diesen Monaten im Mittelmeer präsent, um von Marineschiffen aus in Not geratene Boots-Flüchtlinge zu bergen. Auch in diesem Fall war Gefahr in Verzug: P. berichtet von einem 20 mal vier Meter großen Schlauchboot, das mit 97 Leuten besetzt war. Als das Boot in der allgemeinen Panik kenterte, „hat jeder um sein Leben gekämpft“. Die Bordeinsatz-Soldaten, die bei hohen Temperaturen und in schweißtreibender Schutzkleidung schon sechs Rettungseinsätze hinter sich hatten, begannen unverzüglich mit der Bergung. Eine Person war dabei im toten Winkel aus dem Blickfeld geraten und trieb scheinbar leblos im Wasser.

Gemeinsam mit einem Kameraden zog Raphael P., der Teamführer des Boardingteams der Fregatte „Hessen“ war, den Verunglückten aus dem Wasser und begann sofort mit einer Herzdruckmassage. Anschließend wurde der junge Afrikaner zur weiteren Behandlung auf die Fregatte gebracht – und überlebte. „Sie haben ohne Rücksicht auf ihre eigene Unversehrtheit ein Menschenleben gerettet“, lobte Seebataillons-Kommandeur Arne Björn Krüger bei der Ordensverleihung anlässlich einer Bataillonsmusterung in der Preußerkaserne. Die Teams der Bordeinsatzkompanie, die als Erste mit den Flüchtlingsbooten Kontakt aufnehmen, würdigte er als „Speerspitze der Rettung“. Auch aktuell sind Soldaten des Eckernförder Seebataillons im Mittelmeer im Einsatz: auf dem Tender „Werra“ und der Fregatte „Schleswig-Holstein“.

Dem Seebataillon, das neben den Bordeinsatzkräften aus Minentauchern, der Küsteneinsatzkompanie und Feldnachrichtenkräften besteht, umfasst eine Sollstärke von 800 Soldaten. Das klingt viel – dennoch plagen die Einheit massive Nachwuchssorgen. Bei den Minentauchern sei die Lage so bedrohlich, dass – wenn sich der Trend fortsetze – er mittelfristig um den Erhalt dieser einzigartigen Fähigkeit für die Bundeswehr fürchte, sagte Kommandeur Krüger. Nur 30 von 95 Plätzen sind derzeit besetzt. Einen Aderlass verzeichnet auch die Küsteneinsatzkompanie, die nur zu gut der Hälfte besetzt ist. Der Bedarf sei größer als der Zulauf, sagte Krüger. Auch in der Bordeinsatzkompanie sind nur fünf von zwölf Einsatzteams besetzt.

Abstriche in der Ausbildung will das Seebataillon hingegen nicht machen. Eine Herabsetzung der Anforderungen wäre eine Gefahr für die Soldaten. „Dieses Risiko gehe ich nicht ein“, betonte Krüger. Man werde sich stattdessen vermehrt um Nachwuchswerbung kümmern müssen. Und die beste Werbung seien die guten Leistungen. So erhielt das Seebataillon kürzlich beim internationalen Großmanöver Northern Coast eine besondere Anerkennung von einem hohen Nato-Vertreter. Aber auch für die Flüchtlingseinsätze bei der Rettungs-Operation EUNAVFOR-MED im Mittelmeer werden Einsatzbereitschaft und Engagement der Eckernförder Einsatzkräfte vom Führungspersonal der Marineschiffe hoch gelobt.

Ein Schwerpunkt für das kommende Jahr wird die internationale Kooperation sein. Krüger plant eine enge Zusammenarbeit des Seebataillons mit dem niederländischen Korps Mariniers, einer der ältesten und elitärsten Marineinfantrie-Einheiten der Welt. Zunächst wird eine enge Kooperation angestrebt. Dabei kann das Seebataillon laut Krüger von den amphibischen Fähigkeiten der Niederländer profitieren und diese wiederum von den Tauchermöglichkeiten und anderen Spezialisierungen der Deutschen. Mittelfristig könnte daraus ein Verschmelzen beider Einheiten entstehen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3