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Falsches Gefühl der Sicherheit

Flüchtlinge Damp/Goosefeld Falsches Gefühl der Sicherheit

Das Wort Empörung beschreibt nicht genügend, was Anke Pischke-Sarp aus Goosefeld zurzeit empfindet. Denn sie hat einer bis Montag in Damp untergebrachten Familie aus dem Kosovo ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt. Von den Behörden fühlt sie sich verraten.

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Anke Pischke-Sarp ist zutiefst beschämt.

Quelle: Birgit Johann

Damp/Goosefeld. Sie ist mehr als aufgebracht. „Ich bin außerdem betreten”, sagt sie. Die deutsche Bürokratie strafte es Lügen. Einer der letzten Deutschland-Eindrücke der Camiljis wird der unangekündigte Abtransport im Polizeiauto nach Neumünster sein.

Anke Pischke-Sarp hatte seit etwa einem Jahr Kontakt zu der sechsköpfige Familie Camilji. Er entstand über ihren ehrenamtlichen Deutschunterricht in Damp. Die Goosefelderin besuchte die sechs Menschen aus dem Kosovo regelmäßig einmal pro Woche und unternahm außerdem Behördengänge sowie Arztbesuche mit ihnen. Die Camiljis sind im September 2014 in ein Haus im Damper Ortsteil Vogelsang-Grünholz eingezogen und haben nach Auskunft der Ausländerbehörde Rendsburg-Eckernförde dann am 15. Oktober einen Asylantrag gestellt. Da der Kosovo nicht als Flüchtlingsland gilt, hat die Familie schon Anfang März den Ablehnungsbescheid vom Kreis erhalten, konnte aber noch nicht zurück in ihr Heimatland, da sie über keine Pässe verfügte. Ohne Papiere verweigert der Kosovo die Einreise. Deshalb wurde ein Verfahren zur Beschaffung von Passersatzpapieren beim Landesamt eingeleitet. Laut Kreisausländerbehörde gingen darüber acht Monate ins Land. Am 24. November sollten die Camiljis endgültig zurück in ihre Heimat.

Für den ältesten Sohn Tefik, mittlerweile 19 und volljährig, konnte allerdings auch das Landesamt in Sachen Papieren nichts bewirken. Er hat bis heute noch keinen Passersatz und soll nun allein hierbleiben. Seine Familie ist angehalten, schnellstmöglich Schulzeugnisse oder andere Urkunden nach Deutschland zu schicken. Erst dann könne man etwas machen, hieß es von der Kreisausländerbehörde. Diese Vorstellung gefiel zwar weder Tefik noch seinen Eltern, aber man fügte sich.

Eigentlich war also alles klar. Anke Pischke-Sarp selbst wollte die fünf Camiljis nach Neumünster fahren. Nur habe man leider vergeblich auf das letzte offizielle Schreiben des Kreises mit dem Termin für die Abreise gewartet, erzählt die Goosefelderin. Immer und immer wieder habe sie bei der Ausländerbehörde angerufen, und eine Mitarbeiterin habe sie stets vertröstet. Auch hinsichtlich eines Polizeieinsatzes, vor dem besonders die Mutter Damilje Camilji sich fürchtete. Und weil sich Pischke-Sarp dies auch selbst nicht vorstellen konnte, hat sie der Frau aus dem Kosovo mehrfach versichert: „Ihr braucht wirklich keine Angst zu haben, dass euch die Polizei holt.”

Aber genau dies ist passiert. Da keine schriftliche Mitteilung vom Kreis bezüglich des genauen Rückreisetermins kam, hat Anke Pischke-Sarp der Familie angeboten, dass man am Montag, 23. November, einen Tag vor der offiziellen Abschiebung, morgens gemeinsam die Kreisausländerbehörde aufsuche. Als sie dann am Montag um 8 Uhr bei den Camiljis klingelte, öffnete Tefik und teilte ihr mit, dass um sechs Uhr die Polizei gekommen sei. Sie habe seine Eltern, seine achtjährige Schwester sowie seine elf- und 16 Jahre alten Brüder mitgenommen. Seine Mutter habe geweint.

Anke Pischke-Sarp hat sich nicht mehr von ihnen verabschieden können. Sie fühlt sich von den Behörden verraten: „Das Getue um die ehrenamtliche Hilfe bei der Begrüßung und Integration der Flüchtlinge können die sich sparen.”

Beim Kreis spricht man von einem Balanceakt zwischen Betroffenheit und juristischer Notwendigkeit. „Wichtig wäre die Umsetzung der Forderung, Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern nicht mehr in der Fläche zu verteilen”, erklärte Pressesprecher Martin Schmedtje.

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