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Ängste abbauen im Café International

Flüchtlinge in Altenholz Ängste abbauen im Café International

Angst vor Flüchtlingen – davon war zuletzt auch in Altenholz oft die Rede. Schließlich sind Ängste menschlich, früher trug die Angst vor Fremden zum Überleben bei. Das Café International im Eivind-Berggrav-Zentrum bietet einmal im Monat die Chance, Flüchtlingen zu begegnen. Und so Ängste abzubauen.

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Ayham (28, li.) und Rami Matar (22) sind Brüder. Sie stammen aus dem syrischen Aleppo.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Altenholz. Schüchtern, aber herzlich lächeln sie sich am Tisch an – die Schülerinnen der Kieler IGF Friedrichsort und die Flüchtlingsfamilie mit dem Baby. Hannah Klein und Lena Braumann, beide 15, sind erstmals gekommen. Flüchtlinge stehen im Fokus eines Projekts in der Schule, erklärt Hannah. Im Café möchten die Neuntklässlerinnen dafür Kontakte knüpfen: „Wir wollen aber auch ehrenamtlich helfen.“

 Wuselig ist es im Raum, an die hundert Menschen sind wohl da. Überall wird geredet. Deutsch, Englisch, Arabisch, manchmal mit Händen und Füßen, wenn die Sprachkenntnisse nicht reichen. Helfen, das wollten auch Susanne und Harry Behnke. „Wir hatten vom Café gehört, das war unser erster Schritt“, erklärt die Altenholzerin. Beim Besuch im Oktober lernten sie einen 18-jährigen Syrer kennen, der vor dem Militärdienst geflohen war. Nun sind sie seine offiziellen Begleiter. Der 18-Jährige – sein Name soll nicht genannt werden – spielt auch Fußball im integrativen TSV-Team, für das sich Harry Behnke engagiert. Das Café sei eine tolle Sache, findet seine Frau – überhaupt herrsche in Altenholz reges Engagement. Sie hat wohl registriert, dass sich die Stimmung seit den Vorfällen in der Silvesternacht etwas geändert hat: „Und es ist ja auch nicht alles gut.“ Sie persönlich, erklärt Susanne Behnke, hält die „Hilfe zur Selbsthilfe“ aber für ein Stück Bürgerpflicht. Das Café gefällt auch ihrem Schützling. „Ich muss Deutsch lernen“, sagt der wissbegierige junge Mann, der als Christ auch durch Kirchenbesuche Kontakte knüpft.

 Etwas abseits des Trubels sitzen Wiebke Freudenberg und der Syrer Ragheb Al Saed. Sie lernten sich über den Wünsche-Tannenbaum der Kirche kennen, erzählt die Altenholzerin. Freudenberg findet es wichtig, dass Deutsche und Zuwanderer sich kennenlernen, „das baut Ängste ab“.

 Die Flüchtlinge kommen zum Beispiel aus Syrien oder Eritrea, Armenien, Albanien oder Afghanistan, erzählt Pastor Okke Breckling-Jensen. Manche wirken schüchtern, andere forsch, manche vom Erlebten gezeichnet. Bei vielen hat man das Gefühl, dass sie es genießen, zwei unbeschwerte Stunden in nicht alltäglicher Gesellschaft zu verbringen.

 Ingrid Heller half schon vor etwa 30 Jahren Flüchtlingen, als das Café noch Internationale Teestube hieß. Vor etwa eineinhalb Jahren belebte der Freundeskreis Asyl das Café wieder; die Kirche stellt den Raum zur Verfügung. Ehrenamtliche bereiten die Kaffetafeln vor. Jede Hilfe ist willkommen – und sei es einfach mal ein gespendeter Kuchen.

 „Dieser Riesenschwung ist schon eine Aufgabe“, sagt Ingrid Heller. Im Café können sich auch die Betreuer austauschen, hier werden Ideen entwickelt. Wie die vom arabischen Kochprojekt. Denn Ingrid Heller wurde kürzlich köstlich bekocht von Ayham Matar. „Ich liebe Kochen“, sagt der Syrer – sein Wissen möchte er gerne weitergeben.

 Zum Schluss zeigen Flüchtlinge arabische Tänze. Die beiden Schülerinnen schauen zufrieden zu. Sie haben einige Familien kennengelernt, sich gut unterhalten. Die Begegnung habe bei ihr auch Ängste abgebaut, erzählt Hannah: „Wir kommen wieder.“

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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