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Ehrenamtliche helfen als Deutschlehrer

Flüchtlinge in Altenholz Ehrenamtliche helfen als Deutschlehrer

Sie sind vor Verfolgung geflohen und fühlen sich in Deutschland sicher. Jetzt aber droht die Sprachbarriere, die nächsten Schritte zu blockieren. Die Awo und der Freundeskreis Asyl bauen ehrenamtlich die entscheidende Sprachbrücke in Altenholz – lange bevor Flüchtlinge als anerkannte Asylbewerber an Kursen „Deutsch für Ausländer“ teilnehmen dürfen.

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Die Kurse der freiwilligen Helfer aus dem Freundeskreis Asyl in Altenholz sind ein Segen für die Teilnehmer. Manfred Strecker unterrichtet seit drei Wochen Jurist Mohamed Othman, Student Ali Mustafa und Automechaniker Ahmad Yassyen aus Syrien (von links). Die vier sehen sich als Team, in dem auch der Spaß Raum hat.

Quelle: Cornelia Müller

Altenholz. 20 Lehrer und 40 Schüler sind die Traumbesetzung in Sprachkursen. In Altenholz ist sie möglich. „Wir sind überwältigt, wie viele engagierte Bürger sich für unser Projekt melden“, sagt Hildegard Schaper vom Freundeskreis. Sie ist auch Vorsitzende der Awo. Seit 20 Jahre bringt der Ortsverein eine Honorarkraft für Sprachkurse in den Freundeskreis mit seinen 50 Helfern ein. „Das reicht längst nicht mehr. Da sind wie selbstverständlich Ehrenamtliche eingesprungen. Täglich werden es mehr.“

So lernen zum Beispiel Jurist Mohamed Othman (30), Automechaniker Ahmad Yassyen (32) und Student Ali Mustafa (21) zweimal pro Woche zusammen mit Manfred Strecker vier Stunden Deutsch in Wort und Schrift. „Das ist sehr, sehr schön“, sagen die drei Syrer. Ihr strahlendes Lächeln verrät mehr, als ihre deutschen Worte ausdrücken: Dankbarkeit für persönliche Ansprache und Optimismus, dass sie so den Sprung in eine kulturell so andere Welt meistern werden.

Seit vier Monaten sind die Syrer in Deutschland. Seit drei Wochen sind sie im Kursus. Traumatische Erlebnisse wollen sie hier nicht erzählen. „Der Blick nach vorn zählt“, bestätigt Strecker. Eigentlich ist er Cello-Lehrer. „Aber es ist das Wichtigste, dass die Menschen schnellstens die Sprache sprechen und lesen“, sagt er. „Deshalb mache ich das gern.“ Heute berichten sie ihm, was sie am Vortag dank der praktischen Übungen allein regeln konnten. Eine Geldbörse mit Papieren und 300 Euro hatten sie auf der Straße gefunden. Sie fragten sich zum Fundbüro durch, gaben sie ab und erklärten dem Mitarbeiter, dass sie keinen Finderlohn möchten.

Deutschkurse

In Altenholz leben zurzeit 120 Flüchtlinge. Für 100 ist die Gemeinde zuständig. Für 20 inzwischen anerkannte Asylbewerber ist das Jobcenter Ansprechpartner. Erst hier werden sonst Deutschkurse vermittelt. In Altenholz bereitet vorab der Freundeskreis Asyl Flüchtlinge in Kooperation mit der Gemeinde auf den Alltag vor. Über 50 Bürger helfen darin mit. „Ehrenamtliche Sprachkurse sind die Basis, damit die Menschen die auch behördliche Schritte verstehen“, bestätigt Amtsleiter Manfred Luckau aus dem Rathaus. Um Unterrichtsmaterial zu kaufen, braucht der Freundeskreis Sponsoren. Gerade hat die Sparkassenstiftung 2000 Euro gespendet.

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Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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