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Der geweitete Blick auf Eckernförde

Fotografie-Ausstellung Der geweitete Blick auf Eckernförde

Die Stadt mit eigener Perspektive und doch mit Augen des Außenstehenden erschließen? Rolf Reiner Maria Borchards Sonderausstellung „Eckernförde – ein Stadtporträt“ im Museum Eckernförde erlaubt verblüffende Erkenntnisse auf scheinbar bekanntem Terrain.

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Rolf Reiner Maria Borchard zeigt im Museum Eckernförde ein ungewöhnlich intensives Eckernförde-Porträt, das sich an Architektur und Struktur orientiert. Das Triptychon der Treppen und Plattformen mit Geländern am Borbyer Ufer offenbart Feierlichkeit.

Quelle: Cornelia D. Mueller

Eckernförde. Die 53 überwiegend großformatigen Fotografien glänzen bei Verzicht auf Bearbeitungstricks mit Perfektion. Der Architekt und Fotograf hat sie bei Streifzügen durch Eckernförde nach allen Regeln der klassischen Gestaltungskunst erarbeitet. Nichts hat der 76-Jährige dem Zufall überlassen: harte oder weiche Lichtstimmung, dominante Schattenwürfe, die Linienführung, die die Sonne zu bestimmter Stunde einem Bordstein verleiht. Selbst die Windrichtung, die eine Flagge zum Fingerzeig auf architektonisch Besonderes wandelt, ist kalkuliert.

Der Verzicht auf Menschen im Bild schafft Ruhe und Intensität zugleich

Der frühere Rektor der Muthesius Kunsthochschule Kiel und Professor für Gestaltung und Fotografie hat Eckernförde für die erschlossen, das sich auf intensive, ruhige Bilder einlassen mögen. Wer hat am Borbyer Ufer bemerkt, dass Geländer filigrane Bühnenvorhangfalten werfen, die Boote und Wasser in Szene setzen? Wem ist aufgefallen, dass die Häuserzeile mit Giebeln, Gittern, Türmchen den Rathausmarkt krönt und die Brunnensäule das kraftvolle Zepter ist? „Ich habe die Perspektive des Fußgängers gewählt“, betont Borchard. „Der Betrachter soll neu hineinsehen in die Wirklichkeit.“ Die Standorte sind fein austariert: Glasscheiben vervollständigen spiegelnd ein Hafenpanorama. Stahlträger eines Balkons teilen es in perfekte Einzelbilder. Der Blick auf ein Fenster dringt nicht hinein, sondern geht in die Weite der Reflexion. Diese Kompositionen kommen ohne Menschen im Bild aus. Das macht die Sprache strukturgebender Elemente eindeutig.

Man möchte sich gleich selbst auf Streifzug mit geweitetem Blick begeben

Die Fülle der für den gleichnamigen Bildband entstandenen Fotografien hat Borchard für die Schau stark kondensiert. Die Wege vom Museum hinein in die Altstadt, hinauf nach Borby, hinüber zur Stadthalle mit Strand möchte man gleich nachgehen – bei geweitetem Blick. Die Sonderausstellung "Eckernförde – ein Stadtporträt" ist vom 1. Oktober bis 26. November im Museum Eckernförde, Rathausmarkt 8, zu sehen.

Vernissage: Sonntag 1. Oktober, 11.30 Uhr, Öffnungszeiten: www.museum-eckernfoerde.de

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Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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