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Signale aus Kenia

Funkamateur Signale aus Kenia

„Wo andere Urlaub machen, da funken wir.“ Wer das sagt, muss eine besondere Leidenschaft entwickelt haben. Reiner Schloßer, langjähriges Mitglied im Eckernförder Ortsverein des Deutschen Amateur Radio Clubs, ist so ein Verrückter.

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Funken rund um die Uhr: Im abgedunkelten Raum empfängt Funkamateur Reiner Schloßer in Kenia Rufzeichen aus aller Welt.

Quelle: privat

Eckernförde. Der Barkelsbyer geht auf sogenannte DXpeditionen, um aus entfernten Winkeln dieser Welt Rufzeichen zu senden und Antworten zu empfangen. Jetzt baute der 76-Jährige gemeinsam mit vier Funkerfreunden seine Antennen in Kenia auf. Eine Mission mit Hindernissen.

Der Flug von Berlin nach Mombasa ist für Schloßer und seine Kollegen noch die leichteste Übung. Angekommen im Ferienhaus „Villa Karibu“, haben die Fünf keine Augen für weißen Strand und schöne Landschaft. Doch der Aufbau der Funkgeräte wird draußen von einem Funkenfeuerwerk jäh unterbrochen. Stürmische Böen kappen einen Strommast, es gibt Kurzschluss. Die Funkamateure sitzen 6600 Kilometer fern der Heimat und haben keinen Saft. „Da haben wir erstmal ausgeschlafen“, so Schloßer. Die Erfahrung macht ihn gelassen. Schon sechsmal nahm er an DXpeditionen teil, unter anderem auf Tonga und in Myanmar.

 Als der Energieversorger Kenia Power am nächsten Morgen erfolglos wieder abzieht, weiß man zu improvisieren. Ein Stromgenerator wird beschafft und ein Angestellter liefert jeden Tag per Rad zwanzig Liter Benzin im Kanister. Der Generator im Ferienhausgebiet, Antennendrähte, Licht, das die ganze Nacht brennt – das weckt allerdings auch Verdacht. „Einmal kontrolliert uns die Polizei“, erzählt Schloßer. Doch wichtiger für die Funker: Endlich können sie loslegen. Als zum ersten Mal das Rufzeichen „5Z4HW“ in den Äther gepustet wird, bricht der Antworten-Sturm los. Trotz widriger Umstände stellen die fünf Männer an zwei Funkstationen insgesamt 16000 Funkverbindungen her. Zwei Wochen lang wird gefunkt, rund um die Uhr im Schichtbetrieb, bei tagsüber 32 Grad Hitze.

 Da Kenia laut Schloßer zurzeit keine aktiven Funkamateure hat, ist das Gebiet bei Funkern in aller Welt begehrt, um QSL-Karten – Bestätigungskarten gelungener Funkkontakte – zu erhalten. Vor allem Amerikaner dringen zur deutschen DXpedition durch. Aber auch viele Japaner und deutsche Stationen werden empfangen. Stolz ist Schloßer, dass es drei Mitglieder aus dem Eckernförder Ortsverband schaffen, durch das Funkgewitter hindurchzudringen. Als Überraschung gelingen zwei Kontakte zu einer russischen Antarktisstation. Mit dem guten alten Tastfunk hat die Bewältigung solcher Massenanfragen allerdings nichts mehr zu tun. Das Horchen und Antworten auf Anrufe übernimmt in diesem Fall der Computer. „Die Morsetaste hab’ ich aber immer noch dabei“, sagt Schloßer. „Für persönliche Grüße.“

 Jeder DXpedition folgt eine Aufarbeitung. Denn nach erfolgreichen Kontakten erwarten die Funker eine handfeste Bestätigung. Die QSL-Karten werden über den Deutschen Amateur Radio Club an die entsprechenden nationalen Verbände geschickt oder durch Direktpost beantwortet. Immerhin rund 8000 Stück werden von der Kenia-Aktion gedruckt. Ein passionierter Sammler solcher QSL-Bestätigungen aus aller Welt ist auch Schloßer. Derzeit gibt es 340 Gebiete auf der Erde mit einem Amateurfunk-Status. „Mir fehlen noch drei“, sagt der Barkelsbyer. Dazu gehört die Insel Bouvet im Südatlantik, das französische Antarktis-Territorium Crozet und der US-Stützpunkt Johnston-Island im Pazifik. So wird auch der 76-Jährige weiterhin sein Rufzeichen „DL7KL“ über Kurzwelle in die Atmosphäre rund um den Globus schicken.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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