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Wohld-Kommunen sind gefragt

Hospiz in Gettorf? Wohld-Kommunen sind gefragt

Der Bedarf an Hospizplätzen steigt – auch im Dänischen Wohld. Die Gemeindevertretung Gettorf fasste deshalb im vergangenen Jahr einen Grundsatzbeschluss für den Bau eines stationären Hospizes. Jetzt sollen dieser Willensbekundung Taten folgen.

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Schwerkranken Menschen ein würdiges Sterben ermöglichen: Deutschlandweit steigt der Bedarf an Hospizplätzen. Auch für den Dänischen Wohld wird solch eine Einrichtung gewünscht. Als Standort ist Gettorf vorgesehen.

Quelle: Waltraud Grubitzsch/DPA

Gettorf. Auf Vorschlag der SPD sprach sich der Sozialausschuss am Montagabend einstimmig dafür aus, im Haushalt 2017 eine anteilige und einmalige Investitionssumme von bis zu 153000 Euro bereitzustellen.

Das Amt Dänischer Wohld wird gebeten, in den anderen sieben amtsangehörigen Gemeinden korrespondierende Beschlüsse herbeizuführen. Realisiert werden kann das Projekt nur, wenn sich die gesamte kommunale Familie im Wohld – also auch das Amt Dänischenhagen und die Gemeinde Altenholz – einbringt.

Geplant ist ein Hospiz mit rund zehn Betten, das auf Vorschlag des Hospizvereins Dänischer Wohld zentral in Gettorf gebaut werden soll. Die Investitionskosten liegen geschätzt bei zwei Millionen Euro. Wie Sozialausschussvorsitzender Gerhard Witte (SPD) erläuterte, sieht das Finanzierungskonzept drei Säulen vor: 750000 Euro EU-Fördermittel, 500000 Euro Spenden (Förderverein) und 750000 Euro als Beitrag der Kommunen, umgelegt auf die Einwohnerzahl. Für das Amt Dänischer Wohld läge der Anteil bei knapp 350000 Euro, für das Amt Dänischenhagen bei 192000 Euro und für die Gemeinde Altenholz bei rund 210000 Euro. Die Vorsitzende des Hospizvereins, Dr. Friederike Boissevain, sicherte ihr Bemühen zu, den Anteil an Fördergeldern und Spenden noch zu steigern, um die Belastung für die Kommunen so gering wie möglich zu halten. Der Boden für ein stationäres Hospiz sei gut bereitet, die Idee werde von immer mehr Menschen getragen, und es gebe eine zunehmende Spendenbereitschaft, sagte sie.

Um für das kommende Jahr EU-Fördergelder generieren zu können, muss ein entsprechender Antrag bis Ende 2016/Anfang 2017 gestellt sein. Bis dahin muss dann auch die Grundstücksfrage geklärt werden. Im SPD-Papier wird als Standort das alte Bolzplatz-Gelände am Sander Weg vorgeschlagen. „Mit diesem Standort können wir uns überhaupt nicht anfreunden“, sagte Grünen-Fraktionssprecherin Bodil Maria Busch. Dieses Gelände sei als Ausgleich für die durch das Sportzentrum verursachten Eingriffe in die Natur vorgesehen, sagte sie. Buschs Fraktionskollegin Maike Roggenkamp nannte noch einen weiteren Grund, der aus Sicht der Grünen gegen dieses Sandort spricht. „Wenn nebenan bei Ligaspieln laut ,Tooor!’ gerufen wird, ist dies kein geeigneter Ort, um in Ruhe zu sterben.“ Bürgermeister Jürgen Baasch (SPD) teilte diese Argumentation nicht. Die Grünen konnten jedoch durchsetzen, dass die Standortfrage für das Hospiz gesondert im Bauausschuss behandelt wird.

Über die einstimmige Beschlussempfehlung aus dem Sozialausschuss berät am 4. Mai die Gemeindevertretung. FDP-Vertreter Thorsten Wilke sagte am Montag, dass zunächst noch mehrere offene Fragen geklärt werden müssten, um eine Entscheidung treffen zu können. „Wer wird das Hospiz betreiben? Was passiert, wenn die Förderzuschüsse und Spenden nicht im geplanten Umfang fließen und die anderen Gemeinden nicht mitziehen?“

Friederike Boissevain, die im November 2012 zu den Initiatoren des Hospizvereins gehörte, verwies darauf, das es in Deutschland viel zu wenig Hospizplätze gebe, und Betroffene oft Wartezeiten hinnehmen müssten. Die bestehenden Hospize in Kiel und Rendsburg könnten den Bedarf im Dänischen Wohld nicht abdecken. Die Nachfrage steige. „Über 60 Prozent der Menschen sterben in einem Krankenhaus, doch nur fünf Prozent möchten das“, sagte Boissevain.

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Ein Artikel von
Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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