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Mädchen bei Erster Hilfe allein gelassen

Gettorf Mädchen bei Erster Hilfe allein gelassen

Was Zivilcourage betrifft, machen Jasmin Neve (16) und Mara Wilhelm (15) so manchem Erwachsenen etwas vor. Während sich die beiden Mädchen in Gettorf um einen schwerverletzten Schulkameraden kümmerten, schauten andere weg. „Das ist beschämend“, sagt Jasmins Mutter Kathrin Neve.

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An dieser Stelle vor dem Supermarkt passierte das Unglück. Jasmin Neve (16; re.) und ihre Freundin Mara Wilhelm (15) leisteten Erste Hilfe.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf. Ein Herbstabend in Gettorf. Wie so oft, treffen sich die Isarnwohld-Schülerinenn Jasmin und Mara mit ihren Freunden zum Klönen auf dem Penny-Parkplatz im Ortszentrum. Zu diesem Kreis gehört auch ein Achtklässler. Der 13-Jährige Gettorfer ist mit seinem Mountainbike gekommen. Er dreht eine Runde auf dem Supermarkt-Parkplatz und setzt dann übermütig zu einem Sprung über einen Bordstein an.

Die Sache geht gründlich daneben. Der Junge, der an diesem Abend keinen Helm trägt, stürzt und kippt vornüber auf den Asphalt. Später in der Uni-Klinik Kiel werden bei ihm schwere Gesichtsverletzungen diagnostiziert.

Jasmin, die als Mitglied der Jugendfeuerwehr Revensdorf über Erste-Hilfe-Kenntnisse verfügt, und Mara machen instinktiv alles richtig. Sie rufen den Notarztwagen, reden beruhigend auf den weinenden und zitternden Verletzten ein, bringen ihn in die stabile Seitenlage, holen aus dem Markt eine Rettungsdecke, damit der Junge nicht auskühlt, binden den stark blutenden rechten Arm ab und versorgen, so gut es geht, die anderen Wunden. Was die beiden Mädchen fassungslos macht: Mehrere Penny-Kunden seien, so schildern sie, achtlos an der Unglücksstelle vorbeigegangen. Hilfsangebote? Fehlanzeige!

Lediglich eine Frau, die mit einer Wolldecke ausgeholfen habe, und ein Mann seien stehen geblieben. Eine große Hilfe, so berichten Jasmin und Mara, seien beide jedoch nicht gewesen.

Auch auf den Penny-Markt sind die zwei Freundinnen nicht gut zu sprechen. „Auf Nachfrage habe ich von einer Mitarbeiterin eine Mullbinde und später eine Rettungsdecke bekommen“, sagt Jasmin. „Warum hat man mir nicht gleich einen Verbandskasten gegeben? Warum hat man uns keine weitere Hilfe angeboten oder gefragt, wie wir mit der Sache zurechtkommen?“ Ein wenig moralische Unterstützung, so sagt die Schülerin, hätte schon geholfen. „Wir haben uns so allein gelassen gefühlt.“

Als der Notarzt eintrifft, werden Jasmin und Mara für ihr Verhalten ausdrücklich gelobt. Jasmin: „Uns wurde gesagt, dass die ganze Sache ohne unsere Hilfe für unseren Mitschüler vermutlich viel schlimmer ausgegangen wäre.“

Der Junge, der am Donnerstag noch im Krankenhaus lag, und seine Eltern haben sich längst bei den Mädchen bedankt. „Ihr könnt wirklich stolz auf euch sein“, sind sich Jasmins Mutter und ihre Großmutter Marlis Junker einig.

Noch gut kann sich Kathrin Neve an den Unglücksabend erinnern, als ihre Tochter nach dem Vorfall auf dem Penny-Parkplatz mit ihrem Roller nach Hause kam. „Sie zitterte vor Aufregung und stand unter Schock.“

„Uns tut die Sache sehr leid und wir wünschen dem verletzten Jungen alles Gute“, erklärte Verkaufsleiterin Annette Leuchter aus der Penny-Zentrale in Norderstedt auf Nachfrage. Sie habe mit der betroffenen Mitarbeiterin aus dem Gettorfer Penny-Markt gesprochen, und diese habe ihr glaubhaft versichert, dass es für sie nicht erkennbar gewesen sei, dass der Junge so schwer verletzt war.

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Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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