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Sozialer Wohnungsbau wurde verschlafen

Flüchtlingsbeirat Sozialer Wohnungsbau wurde verschlafen

Familie Rajeh ist froh, dem Krieg in Syrien entkommen zu sein. Seit sieben Monaten lebt das Ehepaar Naser (52) und Shaza (40) mit den Kindern Dana (23), Aldo (21) und Hanin (14) in Gettorf. Sogar ihre Aufenthaltserlaubnis liegt vor. Doch die fünfköpfige Familie findet keine passende Bleibe.

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Christian-Albrecht Schnarke von Flüchtlingsbeirat Dänischer Wohld (von rechts) gibt nicht auf, obwohl sich die Suche nach einer Wohnung für das syrische Ehepaar Shaza und Naser sowie ihre Kinder Hanin, Dana und Aldo als schwierig erweist.

Quelle: Jan Torben Budde

Gettorf. Christian-Albrecht Schnarke vom Flüchtlingsbeirat Dänischer Wohld lässt nicht locker. Der 70-Jährige studiert Immobilienportale, telefoniert sich die Finger wund. Er ist Pate der Familie Rajeh, unterstützt bei der Wohnungssuche. „Sobald ich sage, es handelt sich um eine fünfköpfige Familie aus Syrien, werde ich abgewiesen“, bedauert der Altwittenbeker. Angesichts des überhitzten Wohnungsmarkts verwiesen die Vermieter oft auf lange Bewerberlisten. Einige sagten ohne Umschweife, dass ihnen „Leute mit Arbeitsvertrag oder Rentner“ lieber seien. Geld von einer Behörde wollten sie nicht. Eine zermürbend Tätigkeit. „Es geht aber um ihre Existenz“, so Schnarke.

Noch sind die fünf Syrer in einer Gettorfer Wohnung untergebracht, die das Amt Dänischer Wohld für Asylbewerber zur Verfügung stellt. „Die Verwaltung ist zuständig für Menschen, die sich im Asylverfahren befinden“, erklärt Amtsdirektor Matthias Meins. Sie stellt Unterkünfte bereit. Wer aber eine Aufenthaltserlaubnis habe, müsse sich innerhalb von drei Monaten eine neue Bleibe suchen. Meins: „Nach der Anerkennung sind wir nicht mehr zuständig.“ Allerdings lande niemand auf der Straße, weil die Verwaltung Obdachlosigkeit vermeiden müsse.

Familie Rajeh möchte gern im Kieler Raum bleiben, weil die Kinder an der Uni studieren wollen. Alle besuchen Sprachkurse. Doch Landeshauptstadt und Umgebung sind wegen der Infrastruktur bei Flüchtlingen beliebt. Schnarke: „In Kiel direkt findet man nichts.“ Während die Familie laut Vater Naser, der in Damaskus einen Managerposten hatte, in einem Haus mit Pool wohnte, reicht ihnen hier eine Vier-Zimmer-Wohnung. 1670 Euro stünden ihnen im Monat zur Verfügung. Nach der Anerkennung erhalten sie das Geld für Unterkunft und Lebensunterhalt nicht mehr vom Sozialamt, sondern vom Jobcenter Rendsburg-Eckernförde. Das sieht laut Schnarke jedoch für einen Fünf-Personen-Haushalt Mietobergrenzen (Bruttokaltmiete) von 614 Euro (Dänischer Wohld) und 638 Euro (Eckernförde) vor. Das ist manchen Vermietern zu wenig. „Der soziale Wohnungsbau wurde hier verschlafen“, sagt Schnarke, „zu der Problematik hört man in der großen Politik keine Lösungsansätze.“

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