23 ° / 11 ° Gewitter

Navigation:
Opel-Ohms vor dem Aus

Gettorf Opel-Ohms vor dem Aus

Der Opel-Standort in Gettorf steht vor dem Aus. In der Belegschaft im Autohaus Ohms herrscht Fassungslosigkeit. „Wenn kein Wunder geschieht, wird der Betrieb zum Jahresende geschlossen“, bedauert Geschäftsführer Wolfgang Radke. Was aus den 47 Beschäftigten wird, steht in den Sternen.

Voriger Artikel
Gefahr für Ross und Radler
Nächster Artikel
Neue Hütte für die Pfadfinder

Das Gettorfer Autohaus steht vor der Übernahme: Seit Ende 2001 befindet sich der Stammsitz von Opel Ohms im Gewerbegebiet Eichkoppel. Die Immobilie möchte nun Jaguar Kuntz kaufen.

Quelle: Jan Torben Budde

Gettorf. Die Zeichen stehen auf Verkauf des Autohauses im Gewerbegebiet Eichkoppel, das sich seit fast sechs Jahren in einem Insolvenzverfahren befindet. Das Gettorfer Jaguar House Kuntz machte das Rennen gegen den Opel-Händler Lensch & Bleck mit Standorten in Neumünster, Hamburg und Bad Bramstedt.

 Die Bombe platzte nach einer Gläubigerversammlung am vergangenen Freitag. Laut Insolvenzverwalter Matthias Lorenzen aus Kiel lagen zwei Angebote für das Autohaus Ohms vor, das seit Anfang 2010 unter seiner Insolvenzverwaltung arbeitet. „Ja, wir haben Interesse an der Immobilie“, bestätigte Juniorchef und Geschäftsführer Philipp Kuntz auf Nachfrage. Ein Vertrag sei aber noch nicht unterschrieben. Der Händler für Jaguar und Land Rover schmiedet Zukunftspläne, liebäugelt mit einer Verlagerung des Autohauses an die Eichkoppel. „Wir haben eine gewisse Betriebsgröße erreicht und wollen die Zukunft unserer Mitarbeiter sichern“, so Kuntz. Über den Verkaufspreis herrscht Stillschweigen. „Es ist ein nicht öffentliches Verfahren“, so Lorenzen. In der Höhe sollen sich die Angebote angeblich nicht unterscheiden. Ausschlaggebend waren dem Vernehmen nach die Stimmen zweier Gläubigerbanken.

 Unterdessen schwankt die Stimmung bei Ohms nach einer Betriebsversammlung zwischen Enttäuschung und Entsetzen. Der drohende Arbeitsplatzverlust liege nicht nur den Mitarbeitern schwer im Magen, so Radke. „Außerdem haben wir tausende Kunden, die uns die Treue halten.“ Ohms sei ein Markenname im Dänischen Wohld. „Wir haben den Betrieb auf Kurs gehalten.“ Als einen Baustein nennt der Osdorfer eine Vertriebsvereinbarung und Zusammenarbeit mit dem Autohaus Lensch & Bleck, worüber der Gettorfer Betrieb seit vier Jahren seine Fahrzeuge beziehe. Die Geschäftspartnerschaft kam nach der Insolvenz-Misere zustande. Im Zuge der Finanzkrise war Ohms 2009 in eine Kreditklemme geraten (wir berichteten). Tatsächlich hat der Gettorfer Betrieb laut Insolvenzverwalter zuletzt eine schwarze Null geschrieben. Radke bezeichnet es nun als tragisch, das Opel-Händler Lensch & Beck in der Gläubigerversammlung das Nachsehen hatte.

 Warum? „Wir wollten die Mitarbeiter und die Immobilie übernehmen und den Betrieb weiterführen“, erklärt Arne Joswig, Inhaber und Geschäftsführer bei Lensch & Bleck. Er sieht durchaus Potenzial in dem Standort. „Wir hätten noch Mitarbeiter eingestellt“, so Joswig. Er spricht gar von zusätzlich 30 Arbeitsplätzen. Eventuell gibt es noch Hoffnung für die Ohms-Belegschaft, wenn das Opel-Haus an der Eichkoppel schließt. Joswig: „Wir werden versuchen, Mitarbeiter in unser System zu übernehmen.“ In der Zwischenzeit versuche sein Unternehmen, einen passenden Standort für eine neue Filiale im Kieler Raum zu finden – und zwar auf der Westseite.

 Eine gute Nachricht gibt es für die Kunden: Bis zur Schließung von Opel Ohms werde die Versorgung unter anderem mit Ersatzteilen und Serviceleistungen gewährleistet, versichern Joswig und Radke. Wenn zum Jahresende in dem Gettorfer Autohaus die Lichter ausgehen, könnten sich die Kunden weiter an Lensch & Bleck wenden.

 Worte des Bedauerns findet auch Gettorfs Bürgermeister Jürgen Baasch (SPD). Sein Mitgefühl gilt der Belegschaft. „Gerade für ältere Mitarbeiter ist es schwierig, einen neuen Arbeitsplatz zu finden“, so Baasch. Als Tragödie für die Mitarbeiter und ihre Familien bezeichnet Kreistagsabgeordneter Tim Albrecht (CDU) das Ohms-Aus – gerade mit Blick auf die beiden Kaufangebote, die angeblich gleichwertig waren. „Ein Verlust für die Region – und für mich nicht nachvollziehbar“, so der Osdorfer.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3