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Flüchtlingsbeirat gehen die Helfer aus

Gettorf/Schinkel Flüchtlingsbeirat gehen die Helfer aus

Der Gettorfer Flüchtlingsbeirat sucht dringend weitere ehrenamtliche Unterstützer. Auch kleine Hilfen wie Fahrdienste sind gefragt. „Man muss nicht gleich eine Patenschaft übernehmen“, versichert Sabine Axmann-Bruckmüller.

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Werben für eine Mitarbeit im Flüchtlingsbeirat: Astrid Jürgensen und Sabine Axmann-Bruckmüller (hinten, v.li.) sowie Kerstin Jünke, Martina Kuballa und Ulla Pingel (vorn, v.li.) mit den Flüchtlingen Saleh (li.) und Abdu aus dem Irak.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Schinkel/Gettorf. Die Schinkeler Bürgermeisterin ist Mitbegründerin des Flüchtlingsbeirats und unterstützt die Amtsverwaltung in Gettorf als Koordinatorin für Flüchtlingsangelegenheiten. In den „allerbesten Zeiten“, so sagt sie, hätten bis zu 120 Frauen und Männer aus der Region im Flüchtlingsbeirat mitgearbeitet. Mittlerweile sei der harte Kern auf 30 bis 40 Leute geschrumpft – trotz rückläufiger Asylbewerber-Zuweisungen zu wenig, um sich ausreichend um alle vor Krieg und Gewalt geflüchteten Menschen in Gettorf und Umgebung zu kümmern und ihnen die Integration zu erleichtern. „Die Arbeit hört ja nicht auf, wenn die Asylbewerber ihre Anerkennung haben“, stellt Flüchtlingsbeiratsmitglied Ulla Pingel klar, „eigentlich geht die Arbeit dann erst richtig los.“

Woran mag es liegen, dass etliche Helfer dem Beirat den Rücken gekehrt haben? „Das hat ganz unterschiedliche Gründe“, sagt Sabine Axmann-Bruckmüller, „der eine oder andere hat sich vielleicht auch verausgabt.“ Kerstin Jünke, Martina Kuballa und Ulla Pingel, die alle bereits seit längerer Zeit im Flüchtlingsbeirat mitarbeiten, berichten darüber hinaus von Frust, der sich bei vielen Helfern breit gemacht habe. Schuld daran ist nach Auskunft von Ulla Pingel der „wiehernde Amtsschimmel“. Kerstin Jünke verweist als Beispiel auf die zwei Iraker Abdu (20) und Saleh (22), die sofort als Teilzeitkräfte in einem Gettorfer Discountmarkt anfangen könnten. Die Betreuerin der jungen Iraker hatte auf eine schnelle Zustimmung aus Rendsburg gehofft, doch jetzt sei die ganze Sache beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg gelandet. Kerstin Jünke: „Auf die Entscheidung müssen wir eine Woche warten. Wer weiß, ob das Angebot des Arbeitgebers dann noch gilt.“ Dabei sei es doch so wichtig, dass die Flüchtlinge Arbeit hätten, denn das sei die beste Integration, ergänzt Martina Kuballa. Und Kerstin Jünke seufzt: „Wir werden vom Helfer zum Bittsteller.“

Vor einer Woche wurden Abdu, der eine Banklehre machen möchte, und Sadeh, der von einem Jurastudium träumt, mit vier weiteren jungen Irakern von der Unterkunft Schinkelerhütten nach Ruckforde verlegt – „ohne Begründung“, wie Ulla Pingel kritisiert. Der Fleiß, mit dem die Iraker Deutsch gelernt hätten, und ihre Integrationswille seien nicht belohnt worden. In der Unterkunft Ruckforde ist die Nahverkehrsanbindung ihren Worten zufolge noch problematischer als in Schinkelerhütten, und wegen des schwachen Netzes sei das Telefonieren dort fast unmöglich.

Wie geht’s weiter mit dem Flüchtlingsbeirat? Sprecherin Astrid Jürgensen setzt auf Gespräche. Es müsse sich schnell etwas ändern, denn „durch Missstimmung wird viel kaputt gemacht“. Kerstin Jünke, Martina Kuballa und Ulla Pingel haben jedoch viel zu viel Freude an ihrer ehrenamtlichen Arbeit, als dass sie hinschmeißen würden. „Man gewinnt viele neue Freunde hinzu, und die werde ich auch nicht hängen lassen“, sagt Ulla Pingel.

Kontakt: Sabine Axmann-Bruckmüller, Tel. 04346/939356, sabine.axmann-bruckmueller@fiete.net; Astrid Jürgensen, a.juergensen1@gmx.de. 

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Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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