19 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Jandke: Leidenschaftlich und liberal

Gettorf Jandke: Leidenschaftlich und liberal

Als Reinhard Jandke im März 1990 in die Gemeindevertretung von Gettorf gewählt wird, liegt die Wahlbeteiligung bei 69,4 Prozent. Von solchen Werten können die Parteien heute nur träumen. Und auch sonst ist damals vieles anders. Nun verlässt der 61-Jährige nach 26 Jahren die Gemeindevertretung.

Voriger Artikel
Weltladen-Konzept ist aufgegangen
Nächster Artikel
Schwedeneck klagt gegen Kiel

Nach 26 Jahren ist Schluss: Hans-Reinhard Jandke (61; li.) legt sein Mandat als Gemeindevertreter nieder. Am Mittwoch wird sein Nachfolger Thorsten Wilke (38) verpflichtet.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf. Heute sei es genau umgekehrt, sagt Jandke. „In den Ausschüssen wird alles vorbereitet, politische Debatten finden kaum noch statt.“ Ja, es sei ein bisschen langweilig geworden. Es fehle an Streitkultur. Dennoch: Ganz leicht falle ihm der bereits zu Beginn der Wahlperiode angekündigte Rückzug aus der Gemeindevertretung nicht, gesteht das dienstälteste Mitglied dieses Gremiums. Ab nächsten Mittwoch hält Thorsten Wilke (38) die liberale Fahne im Ortsparlament hoch.

Dass Reinhard Jandke am 7. November 1989 Mitglied der FDP wird, hat er der Überzeugungsarbeit von Uwe Sievertsen und Adolf Witte zu verdanken. „Ich wollte etwas für die Gemeinschaft tun, und das liberale Gedankengut der FDP lag mir politisch schon immer am nächsten“, erinnert er sich. Der damals 35 Jahre junge Architekt wird sogleich zum Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl 1990 nominiert und bekommt auch das Vertrauen der Wähler. Im Bauausschuss („mein Lieblingsausschuss“) sitzt er zusammen mit einem anderen Neuling: dem bürgerlichen Mitglied Jürgen Baasch von der SPD, seit 2008 Bürgermeister. „Er ist mit seinen Aufgaben gewachsen und macht seine Sache wirklich gut“, sagt der Architekt anerkennend. Leider sei Baasch aber in der falschen Partei.

Als die FDP bei der Wahl 2003 (wie auch 2013) nur ein Mandat erkämpft und damit keinen Fraktionsstatus bekommen, wird Jandke kooptiertes Mitglied der CDU-Fraktion. Seine „gelebte Eigenständigkeit“ wird dort allerdings nicht sonderlich geschätzt. Das schwarz-gelbe Zweckbündnis zerbricht.

Die wichtigsten Meilensteine in seiner Amtszeit als Gemeindevertreter? Dazu gehören nach Überzeugung Jandkes die Ortsumgehung („wegweisend“) und der Beschluss zum Bau eines Verbrauchermarktes auf dem alten Gärtnereigelände („dafür bin ich viel gescholten worden“). Was den Haushalt 2016 betrifft, ist er sich mit seinem Nachfolger Thorsten Wilke einig: „Die Steuererhöhungen waren ein Fehler.“ Als einziger Gemeindevertreter stimmte Jandke im Dezember gegen das Drehen an der Abgabenschraube.

Jandkes Ehefrau Anke war in den 1970-er Jahren mehrfache Deutsche Meisterin im Rollschnelllauf. Er selbst, einst Fußballer, steht vor allem für Ausdauer – und für Fleiß. Der erste gemeinsame Urlaub mit der ganzen Familie liegt erst wenige Jahre zurück.

Nachdem der 61-Jährige nun auch beruflich ein paar Gänge heruntergeschaltet hat und die Partnerschaft im Architekturbüro Hochfeldt und Partner seinem ältesten Sohn Karsten (35) übertrug, hat er mehr Zeit für sein Hobby: die Jagd. Was wünscht er Thorsten Wilke, seinem Nachfolger in der Gemeindevertretung? „Visionen und dass er mit Weitblick die Ziele der FDP weiterverfolgt.“ Als da wären? Wilke – verheiratet, Vater zweier Töchter, Büroleiter von Sozialministerin Kristin Alheit, FDP-Ortsvorsitzender – nennt als Beispiel die Wirtschaftsförderung, die Schaffung neuer Gewerbeflächen und die Ortskern-Belebung. Auch Soziales liegt ihm am Herzen, insbesondere ein ausreichendes und an den Elternwünschen orientiertes Angebot an Kita- und Krippenplätzen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3