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Vorm Verfall gerettet

Gettorf Vorm Verfall gerettet

Die Alliierten flogen Luftangriffe auf deutsche Städte: Beim Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg mussten auch die Gettorfer Feuerwehrleute ausrücken, um Brände in Kiel, Hamburg oder Lübeck zu löschen. Das historische Feuerwehrauto der Marke Daimler-Benz aus dem Jahr 1942, erwarb der Oldtimer-Fan Jürgen Messer.

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Hat sich einen Traum erfüllt: Oldtimer-Fan Jürgen Messer hat ein historisches Löschfahrzeug, mit dem die Gettorfer Feuerwehr ab 1942 im Einsatz war, erworben und wieder in Schuss gebracht.

Quelle: Jan Torben Budde

Gettorf. „Bevor sie losfuhren, hielten sie noch eben beim Bäcker“, erinnert sich Jürgen Messer, der damals ein kleiner Junge war, „sie waren ja mitunter zwei oder drei Tage im Einsatz.“ Außer den rußverschmutzten Gesichtern der erschöpften Feuerwehrleute („Sie sprachen kaum über das Erlebte“) ist dem Oldtimer-Fan besonders ein Löschfahrzeug in Erinnerung geblieben: Vor gut vier Jahren erwarb der Gettorfer das Feuerwehrauto der Marke Daimler-Benz Typ L 1500 S (Ausführung F), Baujahr 1942, um die – nach seinen Worten – „Ruine“ gemeinsam mit Sohn Carsten und Bekannten wieder in Schuss zu bringen. Es war ihm ein Herzensanliegen. „Nach vier Jahren erfolgte die erfolgreiche TÜV-Abnahme, und die Jungfernfahrt verlief ohne Probleme“, bilanziert der 82-jährige Hobbyschrauber stolz.

Über Kaufpreis und Höhe seiner Investitionen schweigt der Tierarzt im Ruhestand. Für ihn ist entscheidend: „Das Fahrzeug ist ein Stück Gettorfer Geschichte, das ich gern für die Nachwelt erhalten wollte.“ Nach seinen Recherchen lag der Listenpreis für das Feuerwehrauto damals bei 10415,95 Reichsmark. Seines Wissens wurde das Fahrzeug bei den Angriffen nicht beschädigt. „Noch bis 1967, also 25 Jahre lang, hat es zuverlässig seinen Dienst versehen“, so Messer. Dann sei das Löschfahrzeug an die Gemeinde Neudorf-Bornstein abgegeben worden, wo es bis zum Sommer 1979 im Einsatz war. Danach gelangte das Fahrzeug in Privatbesitz. „Er ließ das alte Feuerwehrauto jahrelang unter freiem Himmel stehen, sodass insbesondere der Aufbau zu verrotten begann“, sagt Messer kopfschüttelnd, „beim Anblick dieser Ruine, die ich noch aus Kriegstagen kannte, kamen mir fast die Tränen.“

Umso mehr Elan, Kraft und Herzblut steckte der Gettorfer in die Restaurierung des Oldies mit 60 PS-Benzin-Maschine und gerade einmal 16000 Kilometern auf dem Tacho. Er überholte den originalen Motor und die Elektrik, brachte den Holzaufbau in Ordnung und lackierte das Schmuckstück wieder in Wehrmachtsgrau. „Damals im Krieg war das die Originalfarbe“, so Messer. Zwischendurch erstrahlte das Feuerwehrauto allerdings zeitweise auch in Rot. Er hat Fotos davon. Im Fahrzeug befindet sich noch allerhand Zubehör von damals – darunter Helme, Äxte, Leitern, Schläuche, Atemschutzgeräte und Kanister. „Das alte Blaulicht war nicht mehr vorhanden“, berichtet Messer. Er entdeckte Ersatz auf einem Flohmarkt. Sogar ein Martinshorn gibt es noch. Unterdessen lässt ein Blick auf die Holzbänke im Feuerwehrauto erahnen, dass stundenlange Fahrten zu den Einsätzen kein Vergnügen waren.

Gern unternimmt Messer mit Sohn Carsten mitunter Spritztouren über Land – wenn es draußen trocken ist, damit das Schmuckstück nicht nass wird. Strahlend schaut er auf das restaurierte Auto: „Damit ist ein Stück alter Geschichte Gettorfs vor dem Verfall gerettet worden.“

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