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Salz in der Luft

Gitte Hænning in Eckernförde Salz in der Luft

Warum zieht sie den Mantel nicht aus, und warum singt sie so oft mit dem Rücken zum Publikum? Gitte Hænning ist am Mittwochabend in der Eckernförder Stadthalle zu Gast, und mehr als 500 Zuhörer genießen ihre Lieder. Aber die Zuschauer sehen sie im ersten Teil des Abends meist nur von hinten.

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Gitte sang bei ihrem Konzert in Eckernförde auch gefühlvolle leise Lieder.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Vielleicht möchte sie die Musik in den Vordergrund stellen, sich selbst in den Hintergrund. Dabei ist Gitte, wie sie ihre Fans ganz einfach immer noch nennen, ungemein präsent. Sie startet mit „Lampenfieber“, und sollte sie welches gehabt haben, ist es ihr nicht anzumerken. „Heute Abend gibt es andere Musik als die alten Hits“, kündigt sie an, und bis auf ein paar längst ganz anders als früher interpretierte Stücke soll sie Recht behalten. „Mein Vater war ein Liedermacher“, erzählt sie, und von ihm übernommen hat sie die Liebe zu einem alten schwedischen Lied, das sie mitgebracht hat.

 Gefühlvoll singt sie, die am 29. Juni 70 Jahre alt wird, danach „Mein Liebster, besitze mich“, das Lied einer jungen Frau, die der Wunsch nach dem ersten Liebhaber fast verzehrt. Verliebt zu sein, das sei leicht, sagt sie. Liebe jedoch, das sei Arbeit. „Aufwärts“ erzählt davon. Und ihre Liebeserklärung an die See, von der sie stammt, ist ihr Lied „Salz in der Luft“. „Mehr brauche ich nicht“, sagt sie, da könne man genügsam sein.

 Zeit, ihre „Spielkameraden“, wie sie sie bezeichnet, vorzustellen: Oliver Potratz am Bass und Benedikt Reidenbach an der Gitarre. Mit von der Partie ist Thomas Alkier, einer der besten Schlagzeuger Europas. Und schließlich Friedemann Matzeit am Klavier und vor allem – genial – am Saxofon. Sie haben sich gefunden, ihre Harmonie gefunden, und gemeinsam mit Gitte zeigen sie nach der Pause, was sie können. Da bleibt vielen Besuchern der Stadthalle die Luft weg. Mit Interpretationen von „Sentimental journey“, „Lover Man, oh, where can you be?“ und dem anschließenden Swing-Madley reiht sich die dänische Sängerin bei den ganz Großen der Swing- und Jazzgeschichte ein.

 Melodien von Benny Goodman, Duke Ellington und Charlie Parker bringt die Band zu Gehör, und Gittes Stimme fasziniert mit weichem Tembre und kraftvollem Ausdruck. Das ist internationale Spitzenklasse.

 Garniert wird der Abend mit kleinen Anekdoten. So die Geschichte mit Ray Charles, der im Rahmen der Einführungsgala des Farbfernsehens 1968 (!) vergaß, wann Ruhe herrschen musste und dem ein unbedarfter Aufnahmeleiter den Flügel zuklappte. Oder die von der Begegnung mit Marlene Dietrich, auf dessen Knien sie Platz nehmen durfte und sich zunächst nicht traute. Sie selbst erzählte gern die Geschichte der großen Dame und des kleinen Mädchens. „Ich gebe zu, ich wollte ein bisschen angeben“, schmunzelt sie heute. „Irgendwann glaubte ich aber selbst nicht mehr daran, bis nun vor einigen Jahren ein Foto auftauchte, das es bestätigte.“

 „Nimm doch den von der Bundesbahn“, leitet sie singend aus dem Off die erste der Zugaben ein, und die Fan wissen, nun kommt: „Ich will einen Cowboy als Mann“. Stimmt, aber Gitte ist schlau genug, sich selbst damit auf die Schippe zu nehmen –ein gelungener Spagat zwischen Schlager und ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Swing und Jazz.

 Mit „I’ ll sing the song for you“ beendet sie ihren Auftritt und gibt jedem im Saal das Gefühl, dieses letzte Lied war ausschließlich für ihn. Dank dafür!

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