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Das Wilde und die Wildheit zulassen?

Green Screen Das Wilde und die Wildheit zulassen?

Startschuss für Green Screen. Eingeleitet wurde das Naturfilmfestival mit einer Podiumsdiskussion zu einem hochemotionalen Thema: „Die Rückkehr der Wölfe“. Über 400 Zuhörer in der Eckernförder Stadthalle erlebten beunruhigte Schafzüchter, moderate Jäger und einen fast philosophischen Umweltminister.

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Sesshaft sind Wölfe im Land noch nicht wieder.

Quelle: dpa/Carsten Rehder

Eckernförde. Drei Stunden vor Diskussionsbeginn sitzt Antje Eismann schon in ihrem Auto. Die Schafhalterin aus Eiderstedt will dabei sein, wenn über das Thema geredet wird, das ihr schlaflose Nächte bereitet. „Eines meiner 1000 Mutterschafe wurde gerissen“, sagt die 60-Jährige. „Ich habe unglaubliche Angst, dass das noch einmal passiert. Und dass meine Schafe in die Priele getrieben werden und ertrinken.“ Auf dem Podium sitzt Janine Bruser vom Landesverband der Schaf- und Ziegenzüchter und stellt klar: „Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen – den Wolf oder das Schaf. Beides geht nicht.“

Das sehen die übrigen Teilnehmer anders. Für Landesumweltminister Robert Habeck ist der Wolf „im Grundsatz willkommen“. Eine Bedrohung sei „im untersten Wahrscheinlichkeitsbereich“. Und wenn es zu Schäden komme, zahle sein Ministerium. „80000 Euro haben wir im letzten Jahr dafür ausgegeben – auch für Zweifelsfälle“, berichtet Habeck. „Wir sind sehr großzügig, aber Gefühle und Emotionen kann man nicht mit Geld aufwiegen.“

Schafexpertin Bruser fordert jedoch ein besseres Meldesystem und neue Lösungsansätze. Beispielsweise könne man versuchen, die Wölfe mit Geräuschen von der Schafherde fernzuhalten. „Schutzhunde sind unrealistisch. Die verbellen zwar die Wölfe, aber welcher Nachbar hält das aus?“, fragt sie. Dass jedoch schon viel geschehen sei, betonen die anderen Teilnehmer vom Jäger bis zum Biologen. Ein gutes Wolfsmanagement sei bereits auf den Weg gebracht worden. Unter anderem mit Aufklärungsseminaren im Wildpark Eekholt, mit Wolfsbetreuern und mit einem Monitoring. Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky: „Ich wünsche dem Land nicht nur durchlaufende, sondern auch sesshafte Wölfe.“ Und Zoologe Peter Borkenhagen sagt aufmunternd: „Wer einen Wolf sieht, sollte sich freuen.“ Etwas nachdenklich gibt Umweltminister Habeck aber zu: „Ich habe unterschätzt, was für Gefühle der Wolf auslöst, dass er solche Emotionen und archaischen Ängste wecken kann. Es geht vor allem darum, das Wilde und die Wildheit in unserem zivilisatorischen Raum wieder zuzulassen. Das ist wohl nicht so leicht.“ Wenig später ist Schafhalterin Antje Eismann wieder auf dem Weg nach St. Peter-Ording. Angst hat sie immer noch.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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