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Im Zeichen der grünen Filmrolle

Greenscreen Festival Im Zeichen der grünen Filmrolle

Eine Stadt sieht grün: zumindest für vier Tage. Bis zum 18. September geht in Eckernförde das zehnte Internationale Naturfilmfestival „Green Screen“ über die Bühne.

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Christina Karlizcek-Jorglund bei den Dreharbeiten in Neuseeland: Die 38-Jährige Kamerafrau wartet darauf, dass das Seelöwenbaby und dessen Mutter aufwachen.

Quelle: Christina Karliczek Skoglund

Eckernförde. Bereits am Eingang zur Stadthalle wird klar, dass diese halbe Woche nichts Alltägliches für die Stadt am Meer ist. Aus runden Hecken blicken Straußenköpfe Richtung Promenade und Straße. Blumen und exotische Pflanzen säumen den grünen Teppich, der in das Gebäude führt. Menschen in grünen Poloshirts laufen geschäftig rein und wieder raus, tragen mal Flyer, mal Stühle, mal Fotoapparate. Ein Plakat mit typischen Kino-Lettern prangt über der Szenerie: „Internationales Filmfestival – Green Screen“.

 Auf das Festival in Eckernförde fiebern nicht nur Filmemacher und Zuschauer hin, sondern auch über hundert ehrenamtliche Helfer. Selbst in der Mittagsruhe, nachdem die Schulklassen da waren und bevor die Gäste der 14-Uhr-Vorstellung kommen, gibt es reichlich zu tun. Susanne Stender (62) kümmert sich um die Fragen am Info-Tisch im Foyer der Stadthalle, die mit 442 Plätzen die größte Spielstätte und oft erster Anlaufpunkt für die Gäste ist. Seit fünf Jahren hilft Susanne Stender bei der Organisation mit. „Zur Festivalzeit ist man eine halbe Woche lang nur zum Schlafen zu Hause, aber ich möchte gerne etwas für meine Stadt tun“, sagt die Eckernförderin, während sie Festivalzeitungen und Jute-Beutel mit „Green-Screen“-Aufschrift auf den Tischen sortiert. Passend zur Mittagszeit kommt Kollegin Heidi Broecker mit Obst, Kuchen und belegten Broten. Sie gehört zu den Helfern der ersten Stunde, die sich von der Festivalidee begeistern ließen. Die Euphorie hält bis heute an. „Wenn es endlich losgeht, ist es toll“, sagt die 65-Jährige. Stender stimmt zu: „Der Charme vom Green Screen ist das Anpacken.“

 „Eckernförde ist zu dieser Zeit wie elektrisiert, das überträgt sich auf alle, die beteiligt sind“, sagt Ulrike Lafrenz vom Festivalvorstand. Das spürten auch die Filmemacher. „Das ist eine klasse, kleine Stadt. Man trifft sich immer an der Promenade oder woanders wieder“, sagt Christina Karlizcek-Jorglund, der der Austausch unter Kollegen wichtig ist. Die Organisation trage dazu bei, dass das Ambiente familiär bleibe. „Es gibt Filmerabende und sie sorgen dafür, dass irgendeine Bar immer noch etwas länger geöffnet hat“, sagt Karlizcek lachend. Die 38-Jährige Kamerafrau ist zum neunten Mal angereist. Der zweite Teil der Filmtrilogie „Wildes Neuseeland“, bei dem sie hinter der Kamera stand, wurde am gestrigen Eröffnungsabend gezeigt.

 Für die Aufnahmen ist sie mit ihrer damals drei Monate alten Tochter nach Neuseeland gezogen. „Es war einfacher, als ständig auf Drehreise zu gehen. Mein Mann hat sich Elternzeit genommen und die Kleine betreut“, erzählt sie. Naturfilme produzieren sei ein hartes Brot, sagt die Frau, die früher in der Werbebranche tätig war. Oft seien die Tage länger als zehn Stunden, Arbeit und Einkommen sind unregelmäßig.

 Wer noch einen Film beim „Green Screen“ anschauen möchte, kann das am besten in der Stadthalle tun, weil dort die meisten Sitzplätze vorhanden sind. Kleinere Spielstätten, wie die Galerie 66 mit 70 Sitzen oder das Ostsee Info-Center mit 50 Plätzen, sind schnell ausverkauft, sagt Uli Himstedt (69) aus dem Vorverkaufscenter. Besonders rasch war „Der Hundeprofi unterwegs“ , der von Tiertrainer Martin Rütter handelt, ausverkauft, berichtet er. Aber auch regionale Themen wie „Elbvertiefung – Was riskieren wir“ würden vom Publikum gut angenommen. Den passionierten Segler interessieren Filme, die sich mit der Verschmutzung der Meere befassen. Deswegen wird er sich den Film „Shipping Pollution“ ansehen. „Wir leben in einer Wohlstandsumgebung, in der eigentlich alles gut scheint“, sagt der 69-Jährige. Aber auch unsere Gesellschaft müsse aufpassen, was sie kaufe, besonders in Bezug auf Mikroplastik. Während der Festivalzeit genießt der Helfer es besonders, mit den Filmemachern ins Gespräch zu kommen und mehr über die Hintergründe der Arbeiten zu erfahren.

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