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Fast 90 und fit wie Turnschuh

Heinz Groß aus Gettorf Fast 90 und fit wie Turnschuh

Seinen ersten 100-Meter-Lauf nach Stoppuhr legte er 1936 zurück. Barfuß. Auch heute noch, 80 Jahre später, ist Heinz Groß begeisterter Leichtathlet. Im Oktober wird er 90. Dann möchte er sportlich „ein wenig kürzer treten“. Aber so richtig glauben mag man das dem agilen Gettorfer nicht.

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Eine ruhige Kugel schieben? Von wegen! Heinz Groß ist seit 80 Jahren begeisterter Leichtathlet.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf. Groß erinnert sich noch gut an das Olympiajahr 1936. Damals führte ihn die Kinderlandverschickung in die deutsche Reichshauptstadt. „Von den Spielen habe ich jedoch nichts mitbekommen“, sagt er. Wieder zurück in Gettorf, durfte der damals Neunjährige nahe der Turnhalle an der Kirchhofsallee erstmals einen 100-Meter-Lauf nach Stoppuhr bewältigen. An die genaue Zeit kann sich Groß zwar nicht mehr erinnern. Doch er weiß noch ganz genau, dass er auf nackten Sohlen lief. „Ich wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf“, erzählt er, „für Turnschuhe war kein Geld vorhanden.“

 Körperlich und geistig fit – und das mit fast 90 Jahren. „Ich bedanke mich jeden Abend beim lieben Gott, dass er es so gut mit mir meint“, sagt der Gettorfer. Doch als junger Mensch musste er erfahren, wie grausam das Leben sein kann. Erst Flakhelfer, dann Ostfront und schließlich fünfeinhalb Jahre russische Kriegsgefangenschaft unter unmenschlichen Bedingungen – „man hat mir die Jugend gestohlen“, sagt Heinz Groß rückblickend. Aber es liegt keine Bitterkeit in seiner Stimme. „Der Sport“, da ist er sich ganz sicher, „hat mir damals das Leben gerettet.“

 Fußball, Handball und – seine Lieblingssportart – die Leichtathletik: Der frühere Vermessungstechniker beim Landwirtschaftsministerium ist schon sein ganzes Leben lang in Bewegung. Den acht Kilometer langen Weg zu seiner Dienststelle in Kiel bewältigte er bis zu seiner Pensionierung stets zu Fuß – „bei jedem Wetter“, wie er versichert. In seinen besten Zeiten lief er die 100 Meter in 11,7 Sekunden. Mit 58 wurde er in Hamburg norddeutscher Vizemeister im 400-Meter-Lauf (51,6 Sekunden), und als 85-Jähriger (!) erfüllte er locker die Bedingungen für das Leichtathletik-Mehrkampfabzeichen in Gold in der Gruppe M 75. Respekt!

 Auch heute noch steht Heinz Groß jeden Morgen um 7 Uhr auf und bestreitet zunächst ein umfangreiches Frühsport-Programm: 500 Schläge an seinem Rudergerät, 50 Liegestützen, 50 Kniebeugen („mit Gewichten“) und zur Auflockerung fünf Tänze. „Die Musik dazu habe ich im Ohr“, sagt der 1,65-Meter-Mann, der schon über Jahrzehnte hinweg sein Wohlfühlgewicht hält. „Es sind 63 Kilo“, verrät das älteste Ehrenmitglied des Gettorfer Turnvereins (GTV).

 Einmal die Woche trainiert der drahtige Senior, dem man sein hohes Alter nicht ansieht, auf der Sportanlage am Sander Weg. 50-Meter-Sprint, Kugelstoßen, Weitsprung aus dem Stand. Für das Zeitungsfoto müssen einige Übungen mehrfach wiederholt werden. Heinz Groß macht das nichts aus. So schnell lässt er sich nicht aus der Puste bringen. „Um erfolgreich zu sein, muss man die Treppe nehmen, nicht den Lift“, sagt er mit fester Stimme.

 Früher, 1936, barfuß gelaufen. Und heute? Heinz Groß schaut sich in einer Trainingspause um. In der Abendsonne leuchtet das satte Grün der Kunstrasenplätze. Für Millionen ließ die Gemeinde ein neues Sportzentrum errichten. Für den fast 90-Jährigen ist dies „eine gute Investition für die Jugend und in die Zukunft“.

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Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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