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„Alles wird in eine Ecke geschoben“

Altenholz „Alles wird in eine Ecke geschoben“

Schon eine Viertelstunde vor Beginn der Einwohnerversammlung in Altenholz wurde der Platz knapp: Etwa 130 Besucher kamen zur Sitzung am Mittwochabend. Erneut gab es eine hitzige Debatte zum Thema Flüchtlinge – mit Meinungen, die teils meilenweit auseinanderlagen.

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Der Andrang bei der Einwohnerversammlung im Ratssaal war sehr groß. Allerdings verließ ein erheblicher Teil der Besucher die Sitzung, nachdem die Diskussion über das Thema Flüchtlinge beendet war. Danach wurden weitere Themen der nächsten Gemeindevertretung vorgestellt.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Altenholz. Die Unruhe über die Zuwanderer zeigte sich auch in Zwischenrufen und Missmutsäußerungen. Wie schon am Montag im Bauausschuss ging es um die Pläne der Gemeinde, Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen.

 „Alles wird in eine Ecke geschoben“, beklagte sich eine Anwohnerin der Danziger Straße, an deren Ende voraussichtlich die Modulbauten kommen. In der Straße gibt es bereits zwei Wohnblocks, in denen die Gemeinde Flüchtlinge und Asylbewerber unterbringt. Immerhin: „Der Sportplatz bleibt“, versprach Bürgermeister Carlo Ehrich (SPD).

 Kritiker sprachen aber auch von „kulturfremden Menschen, die in weiten Teilen der Bevölkerung Ängste auslösen“. Wie die Integration gelingen solle? Auch freiwillige Helfer seien kritisch geworden, hieß es. „Das sind Moslems, die sind aggressiver und streitsüchtiger“, sagte einer – und bekam für seine Aussagen einigen Applaus. Ob das alles rechtskonform sei, was die Gemeinde plane, wollte ein anderer wissen, der auch von der Fürsorgepflicht gegenüber steuerzahlenden Bürgern sprach. „Hier geschieht nichts Rechtswidriges“, sagte der Bürgermeister.

 Er empfahl, sich mit Fluchtursachen zu beschäftigen und kritisierte, dass Flüchtlingen so viele Ängste entgegengebracht werden: „Die sind noch nicht mal hier, keiner weiß, wie sie sich verhalten werden.“ Auch andere wandten sich gegen Vorverurteilungen. „Sollen wir rund um Europa einen Zaun bauen?“, fragte einer, der weitere Ertrinkende im Mittelmeer befürchtet. „Es ist eine schwere Aufgabe, ich bin nicht blauäugig“, sagte Pastor Dirk Große. Doch es gebe nur den Weg der Begegnung. „Was nicht geht: Menschen im Vorwege zu kriminalisieren.“

 Angst entstehe durch Unwissenheit, räumte ein Besucher ein – sie sei nicht mit Fremdenfeindlichkeit gleichzusetzen. Doch die Politik überfahre ihre Bürger mit den Ansiedlungen: „Ich würde mir wünschen, dass Sie als Gemeinde an Kreis und Land melden, dass es so nicht geht.“ Bürgervorsteher Wolfgang Weiß (SPD) erklärte, dass es diese Rückmeldungen bereits gebe. Er wies aber auch darauf hin, dass „wir schon bemüht sind, die Infos früh an die Bürger ranzubringen“. Altenholz bietet vorbildliche vier Einwohnerversammlungen pro Jahr an; hinzu kommen Fragestunden in allen Ausschusssitzungen sowie in der Gemeindevertretung. Öffentliche Sitzungsunterlagen sind eine Woche im Internet einsehbar. In Eckernförde wurde jüngst kritisiert, dass es sogar einzelne Jahre ohne Einwohnerversammlung gab.

 Die Gemeinden stehen vor schwierigen Gratwanderungen, hatte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) gerade am Beispiel von Suchsdorf erklärt: Geht man früh in die Öffentlichkeit, „machen wir die Leute wild. Kommen wir erst mit fertigen Plänen, gibt es erst recht Probleme.“ Und Bürgermeister Ehrich machte in Altenholz die Erfahrung: „Immer wenn ich etwas gesagt habe, hatte ich am Tag darauf ein volles Rathaus.“

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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Suchsdorf
Foto: Überbordendes Interesse: Infoveranstaltung zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle Suchsdorf.

1200 Kieler drängten sich in der Sporthalle in Suchsdorf: Sie wollten sich über Pläne der umstrittenen Flüchtlingsunterkunft informieren, ihre Sorgen vor allem um die Sicherheit von Frauen und Kindern loswerden. Nach zwei Stunden waren nicht alle Vorbehalte vom Tisch, sich aber alle auf der Sachebene begegnet.

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