18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Brandschutz jenseits der Hörgrenze

Holtseer Wehr im Probelauf Brandschutz jenseits der Hörgrenze

Auch hörgeschädigte Kinder müssen in einem Notfall schnell reagieren und das Richtige tun. Damit sie darauf vorbereitet werden, hat das Landesförderzentrum Hören und Sprache jetzt die Feuerwehr Holtsee besucht. Das Gelernte könnte Vorbild für mehr sein.

Voriger Artikel
Wenn die Ostseewellen drohen
Nächster Artikel
Die schnellste „Flitzwurst“

Da er sich vor ihnen angezogen hat, macht Feuerwehrmann Hannes Benn den hörgeschädigten Kindern auch in voller Atemschutzmontur keine Angst. Johannes Debbert (links neben ihm) traut sich sogar, die Helmlampe zu bedienen.

Quelle: Rainer I. Krüger

Holtsee. Es brennt im Haus. Rauch liegt in der Luft. Aus dem Qualm tritt ein Feuerwehrmann mit Atemschutz. Schon viele Kinder haben sich in solchen Fällen so vor Nothelfern unter der Maske erschreckt, dass sie sich vor lauter Angst versteckt haben. Weil diese Situation für Mädchen und Jungen mit Hörschäden noch bedrohlicher ist, hat das Landesförderzentrum Hören und Sprache seinen Vater-Kind-Tag am vergangenen Sonntag ins Holtseer Feuerwehrhaus verlegt.

Kinder aus 15 Familien lassen sich nach Angaben der in Holtsee wohnenden Zentrumsmitarbeiterin Hildegard Voshaar rund um den Brandschutz informieren. Damit sie sehen, dass hinter der Maske ein Mensch steckt, zieht sich Feuerwehrmann Hannes Benn Kleidungsstück für Kleidungsstück vor den Kindern an. Das Konzept geht auf. Auch als er in voller Montur ist, trauen sich aus Felix Popp (3) aus Osterby und Finn Lukas Feldhusen (3) aus Todenbüttel ihn anzufassen und setzen sogar den Helm auf. Der taube Johannes Debbert (13) mit Down-Syndrom aus Westerrönfeld geht noch weiter und schaltet die Helmlampe an und aus. Stiefvater Markus Haase lächelt. „Johannes ist ein großer Feuerwehrfan“, sagt er.

Brandschutz für Hörgeschädigte als Regelfall?

Doch nicht nur für die Kinder gibt es interessante Erlebnisse. Als Feuerwehrbrandschutzexperten informieren Kerstin Fahr aus Holzbunge und Michael Möller aus Holtsee über Rauchmelder in Wohnungen. Die gibt es nämlich auch mit Zusatzteilen für Hörbehinderte – also mit Lichtblitzen und Vibrationsalarm im Bett. Hörgerätefachmann André Gericke aus Meldorf verrät die entscheidende Ergänzung. „Die Brandmelder werden auf Antrag von der Krankenkasse gezahlt“, sagt er. „Das habe ich so nicht gewusst“, sagt Sandra Popp, die Mutter von Felix. Sie will sich mit der Kasse in Verbindung setzten.

Voshaar hingegen will sehen, ob so eine Brandschutzaufklärung für hörgeschädigte Kinder zur regelmäßigen Einrichtung werden kann. „Das hier ist ein guter Probelauf“, findet sie. Bedarf für eine Wiederholung sieht sie bei gut 890 hörbehinderten Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein genug.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3