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Für diese Jobs muss man geboren sein

Hotels in Strande Für diese Jobs muss man geboren sein

Hochsaison, freie Gästebetten sind auch in Strande jetzt rar. An Ferienwochenenden muss im Hotel trotzdem alles wie am Schnürchen laufen. Da reisen die meisten Gäste an oder ab. Und es häufen sich auch noch Empfänge und Feiern. Ein Blick hinter die Hotelkulissen im Sommer.

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Joey Thürlings ist Küchenchef im Strandhotel. Er hat frieche Pfifferlinge eingekauft. Heute gibt es zwei spannende Menüvarianten mit den Edelpilzen.

Quelle: Cornelia Müller

Strande. Sonnabendmorgen 8.15 Uhr. Noch trudeln wenige Frühstücksgäste im Restaurant des Hotels Acqua Strande ein. Die meisten wollen ausschlafen. Da ist Angelika Bahnsen, die Frühstücksdame des Hauses, schon seit vier Stunden im Einsatz. Für den Aufbau des üppigen Büfetts hat das Servicepersonal am Abend schon vieles vorbereitet. Doch die Speisen und Getränke am Morgen liebevoll herzurichten, braucht noch mehr Zeit. Das ist ihre Aufgabe. Also ist um 4.30 Uhr Dienstbeginn für die Frau, die beim Frühstück alles im Griff hat. Die dafür sorgt, dass Spiegel- und Rühreier immer frisch nachgelegt werden, dass der riesige Brötchenkorb nie leer ist und Aufschnitt, Käse, Lachs, Gemüse, Obst selbst Morgenmuffeln den Mund wässrig machen. „Hätte ich nicht selbst eine Woche den Frühstücksdienst gemacht, hätte auch ich kaum geglaubt, wie viel Arbeit dahinter steckt“, unterstreicht Hotelchef Heiner Beckemeyer, als er gegen 8.30 Uhr nach dem Rechten schaut.

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Um diese Zeit ist auch Hausdame Kathleen Körber schon seit zweieinhalb Stunden auf den Beinen. Ihre Crew von vier Zimmermädchen hat längst losgelegt. „Wenn die Ersten frühstücken, sind wir alle auf Trab“, sagt sie. An einigen der 19 Zimmertüren hängt allerdings das rote Schild – ein Stoppsignal, dass Zimmermädchen Halina Gzikowska bei der Zeiteinteilung hilft. „So weiß ich, dass ich stören würde. Ist das andere Schild zu sehen, darf ich hinein und aufräumen. Damit helfen uns die Gäste“, bestätigt sie. Lüften, Betten abziehen oder Betten machen, Bad blitzsauber putzen, Staubsaugen, Handtücher wechseln – all das geht ihr schnell und supergründlich von der Hand. „Im Durchschnitt braucht ein Zimmermädchen hier 25 Minuten pro Zimmer“, weiß Kathleen Körber aus Erfahrung. „Für die Suiten benötigen wir fast eine Stunde. Unser Job ist körperlich hart, aber ich liebe ihn. Fürs gründliche Aufräumen muss man geboren sein. Ebenso für die absolute Diskretion, die dazu gehört.“

Suiten werden in einer Stunde gereinigt

Kein Wunder, dass das Team bei voller Belegung des Hotels gehobener Klasse längst nicht alle Zimmer während des Frühstücks schafft. Das dauert am Wochenende von 7 bis 10.30 Uhr. Die meisten Gäste freuen sich erst nach 9 Uhr auf Kaffee. So wird ein Teil der Räume dann auf Vordermann gebracht, wenn die Bewohner zum Spaziergang oder Strand aufbrechen. Körber: „Vorrang haben Zimmer, die neu belegt werden. Reisen Gäste vor 15 Uhr an, freuen sie sich, wenn sie den Schlüssel schon vor der offiziellen Zeit bekommen.“ Halina Gzikowska lächelt und hat indessen eines der „Muschelzimmer“, die eine Terrasse mit Strandkorb haben, picobello hergerichtet. Der Raum wird neu belegt.

Szenenwechsel. Im Strandhotel ein paar Schritte weiter, das mit 29 Zimmern für Gäste und dem Restaurant Riva aufwartet und ebenfalls der gehobene Klasse angehört, sind um 10.30 Uhr schon Küchenchef Joey Thürlings und Sous-Chefin Karolin Naatz mit Mannschaft mitten in der Vorbereitung für das Mittagsgeschäft. Im Restaurant sind die Tafeln für die besonderen Tagesangebote, die nicht auf der Karte stehen, bereits platziert. Ein Teil der Frühstücksgäste genießt einen Cappuccino als Frühstücksabschluss, während die ersten Gäste eines Geburtstagsempfangs eintreffen. Ein spannendes Pfifferlingmenü steht heute als Saisonspezial auf der Zusatzkarte: Ein Hauptgang ist Lammkrone mit Pfifferlingsrisotto und Ruccolasalat. Thürlings macht sich ans Putzen der zarten Pilze.

Mitarbeiter müssen supergut organisiert sein

„Alles muss parat liegen, wenn die ersten Bestellungen kommen“, sagt er. Und Hotelier Lasse Lange ergänzt: „In der Hochsaison am Wochenende würden wir untergehen, wenn die Mitarbeiter nicht supergut organisiert wären.“ Die stellvertretende Küchenchefin schneidet nebenbei in Windeseile Zuckerschoten in winzige Abschnitte. Küchenhilfe Fynn Bohnhoff wäscht ungeschälte Kartoffeln mit der Bürste. „Das werden Rosmarinkartoffeln“, erläutert er, als er sie halbiert sorgfältig in Eisenpfannen setzt. Zwei andere Kollegen schleudern gewaschene Salatblätter, schneiden Rumpsteak zu, bereiten das Dorschfilet vom Kutter vor.

Neben dem Küchenchef und der Sous-Chefin hat das Riva drei weitere Köche, einen Frühstückskoch, zwei Azubis, zwei Spüler. Auch heute morgen, als lediglich fünf aus der Mannschaft konzentriert am Werk sind, ist es eng – und heiß. „Stimmt. Vorgestern hatten wir 43 Grad“, bestätigt Karolin Naatz. Und dabei lächelt sie, als wäre das ein Privileg. „Küche ist kreativ und zugleich Knochenjob hinter den Kulissen“, räumt der Chef ein. „Auch dafür muss man geboren sein.“ Das versierte junge Team, das in der Hochsaison vor kulinarischen Ideen sprüht, ist es offensichtlich.

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Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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