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Hungern für den guten Zweck

Gettorf Hungern für den guten Zweck

Einen Tag lang ohne warme Mahlzeit, Salat, Obst und Süßigkeiten auskommen? Allein der Gedanke fällt schwer, 24 Stunden komplett aufs Essen zu verzichten. Anlässlich des Welthungertages am Freitag, 16. Oktober, rufen Andreas Kobzik aus Gettorf und sein Sohn León dazu auf, einen Tag lang dieses Experiment zu wagen.

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Möchten am Welthungertag mit ihrem Förderverein das Bewusstsein für die Not schärfen: Andreas Kobzik (links) und Sohn León setzen auf Selbsterfahrung.

Quelle: Jan Torben Budde

Gettorf. Warum? Keine Diät, kein Fasten. „Es geht darum, auf Nahrung zu verzichten und den Gegenwert für den guten Zweck zu spenden“, erklärt der 52-jährige Betriebswirt. Denn weltweit hungern knapp 800 Millionen Menschen. Einer Illusion geben sich Vater und Sohn nicht hin: Dass sich nach einem Tag ohne Essen noch niemand in deren Leid hineinversetzen kann, ist ihnen schon klar. Doch ein freiwilliger Selbstversuch schadet nach ihrer Einschätzung keinesfalls. Zur Verdeutlichung zitieren sie gern den chinesischen Philosophen Konfuzius: „Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere. Lass mich tun und ich verstehe.“ Ihre Idee: Durch eigene Erfahrung wächst das Mitgefühl.

Um hungernden Menschen in armen Ländern sowie Krisen- und Katastrophengebieten zu helfen und das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, haben Andreas und León Kobzik im vergangenen Jahr den Förderverein Welthungertag gegründet und beim Kieler Amtsgericht eintragen lassen. Die Mitglieder stammen aus dem Bundesgebiet und sogar aus England. „Die Spenden kommen zu hundert Prozent an“, versichert der Gettorfer, der gemeinsam mit seinem Sohn den Vorstand bildet. In diesem Jahr sind zu gleichen Teilen die Johanniter, die im Südsudan helfen, und das Tariro-Projekt in Simbabwe die Begünstigten.

Für Spendenprojekt und Verein hat León Kobzik, der in Kiel Multimedia Production studiert, eine Internetplattform (www.welthungertag.de) entwickelt. Unter dem Stichwort „Hunger gegen Hunger“ gibt es eine virtuelle Speisekarte. Dort sind in verschiedenen Rubriken Lebensmittel aufgelistet, die der Besucher der Seite in einen Warenkorb legen kann. Fisch kostet drei Euro, Pizza 2,50 Euro und Schokolade 1,10 Euro. Wer seinen Tagesbedarf zusammengestellt hat, kann die Summe am Ende mit einem Mausklick spenden – per Rechnung, Überweisung oder über das Online-Bezahlsystem Paypal. Die Spende erhält der Verein, der das Geld dann an besagte Hilfsorganisationen weiterleitet. Andreas Kobzik: „Das funktioniert natürlich nicht nur am Welthungertag, sondern auch sonst.“ Zudem dürfe jeder Unterstützer selbst entscheiden, ob er einen kompletten Tag aufs Essen verzichtet oder nur auf gewisse Mahlzeiten oder Snacks.

Vater und Sohn haben im vergangenen Jahr am 16. Oktober den ganzen Tag nichts gegessen, nur Wasser und Tee getrunken. „Man sollte das aber nur tun, wenn es die Gesundheit zulässt“, warnt Andreas Kobzik. Bei ihm meldete sich der Hunger vor dem Einschlafen. „Tee trinken hilft“, so der Gettorfer, „gerade in dieser Jahreszeit empfiehlt sich etwas Warmes.“ Sohn León überfiel mittags ein Hungergefühl – da saß der 24-Jährige mit Studienkollegen in der Mensa. „Für einen Tag ist das machbar, man kippt nicht gleich um“, sagt der Kieler schmunzelnd. Einige seiner Bekannten fanden die Idee so gut, dass sie mitmachten. „So wird einem bewusst, was man an Lebensmitteln verbraucht“, sagt Andreas Kobzik.

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