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Im Einzelhandel fehlen die Azubis

Eckernförde Im Einzelhandel fehlen die Azubis

Die Zahlen, die Teamleiter Per Hendrik Hansen nennt, machen nicht unbedingt Mut. Waren es in 2015 noch 35 Auszubildende, die im Bereich des Einzelhandels am Berufsbildungszentrum (BBZ) als Neulinge in Eckernförde unterrichtet wurden, so begannen in diesem Jahr nur noch 20 zumeist junge Leute ihre Lehrzeit.

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Nicht unbedingt der typische Azubi: Lena Mai (38) absolviert im Schuhhaus Krohn eine dreijährige Ausbildung zur Fachverkäuferin.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Mark Andreas Latz, Leiter der kaufmännischen Abteilung am BBZ, vermag die Probleme nicht zu leugnen: „Wir durchschreiten derzeit ein Tal“, sagt er. Um aus diesem Tal herauszukommen, wird der Dialog mit den Geschäftsleuten vor Ort gesucht. Gemeinsames Ziel ist es, der sinkenden Ausbildungsbereitschaft entgegenzuwirken.

 Mehr als 70 Betriebe im Bereich des örtlichen Einzelhandels könnten ausbilden. Doch längst nicht alle tun es. Das hat unterschiedliche Gründe. Zum einen wird in einzelnen Branchen wie dem Lebensmittelbereich weniger als in der Vergangenheit ausgebildet, zum anderen möchten Jugendliche nach dem Hauptschulabschluss gern weiterführende Schulen besuchen und erst mit höherer Qualifizierung ins Berufsleben einsteigen, und mitunter mangelt es Bewerbern schlicht an guten schulischen Zensuren und sozialer Kompetenz, sodass die Ausbilder dankend abwinken.

 Martin Krohn kennt diese Probleme, sagt aber selbst: „Ich bin sehr zufrieden.“ Der Inhaber eines Schuhhauses in Eckernförde lobt seine drei Auszubildenden allesamt in höchsten Tönen. Eine von ihnen ist Lena Mai, 38 Jahre alt, zweifache Mutter und somit nicht unbedingt der Typ Azubi, wie man ihn sich landläufig vorstellt. Dass sie als angehende Einzelhandelskauffrau im dritten Ausbildungsjahr noch regelmäßig die Schulbank drückt, ist schon ein wenig ungewöhnlich. Die meisten ihrer Klassenkameraden sind deutlich jünger und vielfach auch nicht so engagiert. Steen-Oliver Kuhn kennt das Problem. Er unterrichtet am BBZ. „Wir können den jungen Menschen vieles mitgeben“, betont er. Viele seien zu Beginn ihrer Ausbildung minderjährig, würden noch bei den Eltern wohnen und wüssten mitunter auch nicht so recht, ob der gewählte Beruf letztlich auch wirklich der richtige sei. Da gelte es oftmals nicht nur als Lehrer, sondern auch als Berater und Vertrauter zu agieren. „Wir versuchen, die jungen Leute einzeln mitzunehmen“, umreißt Mark Andreas Latz das gemeinsame Ziel.

 Das Problem des Nachwuchsmangels im Einzelhandel hat aber auch noch weitere Gründe. So seien, da sind sich die Lehrkräfte am BBZ einig, andere Berufe deutlich gefragter. Bei jungen Männern vor allem der des Mechatronikers, bei jungen Frauen kaufmännische Berufe oder welche im Gesundheitswesen. Dass im Lebensmittelsektor weniger ausgebildet wird, sei deutlich feststellen, wissen die Lehrkräfte. Mitunter seien gerade bei Discountern nur noch ein bis zwei Vollzeitkräfte tätig. Zur Verstärkung des Teams würden aus Kostengründen 450-Euro-Kräfte beschäftigt. Und in kleinen, Eigentümer geführten Unternehmen, wo es durchaus Bereitschaft zur Ausbildung gibt, fehle sehr oft die Berechtigung dafür.

 Nach einem ersten Gespräch mit Vertretern des Einzelhandels und des Wirtschaftskreises möchten die BBZ-Vertreter den Austausch gern fortsetzen. Nicht zuletzt auch, um die schulische Ausbildung für den Einzelhandel am Standort Eckernförde langfristig zu sichern. Der Wirtschaftskreis will diese Bemühungen unterstützen. Möglicherweise mit einer Initiative unter dem Motto „Eckernförde bildet aus!“, wie Martin Krohn vorschlug. Damit würden die mittelständischen Betriebe ein echtes Zeichen setzen.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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