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Mehr Väterlichkeit in der Kita

Männerpower in Holtsee Mehr Väterlichkeit in der Kita

Basteln, beim Essen helfen und auch Lieder singen. Im Kindergarten Holtsee ist das nicht nur für acht Frauen, sondern auch für Marco Lemke (42), Kay Neumann (39) und Marcel Walterscheid (38) Arbeitsalltag.

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Mit den Erziehern Marcel Walterscheid (von links), Marco Lemke und Kay Neumann arbeiten im Kindergarten Holtsee gleich drei Männer in einem klassischen Frauenberuf.

Quelle: Rainer Krüger

Holtsee. Mit gleich drei Erziehern ist die Einrichtung die Kindertagesstätte (Kita) mit der wohl größten pädagogischen Manpower im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Zudem ist Lemke mit Sicherheit der einzige Kita-Leiter im Amt Hüttener Berge. Als Mann in einem typischen Frauenberuf sieht er sich auch im Interesse der Kinder an einem guten Platz. „Mit der Arbeit im Kindergarten unterstützen wir die Familien. Das bedeutet, dass es bei uns neben Mütterlichkeit auch Väterlichkeit geben sollte“, sagt Lemke.

 Seit 1. September ist ein Erziehertrio im Kindergarten beisammen. Zuvor waren dort nur der Gettorfer Lemke und der Habyer Neumann im Betreuungseinsatz. Walterscheid kam ins Team, weil sich die Kita erweitert. In ihr gibt es eine neue Krippengruppe für Kinder unter drei Jahre. Für die Jüngsten wird augenblicklich noch angebaut. „Wegen der Erweiterung wurden zwei Stellen geschaffen. Unter den elf Bewerbungen waren zwei von Männern“, berichtet Lemke. Das lag aber wohl prozentual immer noch über der Erzieherquote im Kreis.

 Für die Kreisverwaltung hat Christina Mönke – Fachdienstleiterin für Kinder, Jugend und Sport – die 180 Kindergärten im Kreis im Blick. „Nach einer Stichprobenauswertung liegt der Anteil der Erzieher bei acht Prozent. Holtsee ist in dieser Hinsicht schon etwas Besonderes“, stellt sie fest. In dieser Kita gibt es vier Gruppen: die neue Krippengruppe der Hasen mit sieben Kindern, die altersgemischten neun „Mäuse“, die 18 Mädchen und Jungen der Spatzen-Regelgruppe und die 17 Wichtel der Waldgruppe. Die Eltern stehen zu den drei Erziehern. „Als Mutter von zwei Söhnen finde ich es wichtig, dass es weibliche und männliche Einflüsse gibt“, sagt Cornelia Helwig (37). Sohn Jonas (4) ist noch in der Kita, sein älterer Bruder Philip (6) ist im September in die Schule gekommen. „Gerade Jungen brauchen männliche Vorbilder, an den sie sich orientieren können“, findet die Holtseerin. Der Vorteil daran: „Wenn die Erzieher mal einen Pfiff machen, sind die Jungen auch schneller still“, findet sie. Helwig ist auch Schriftführerin des Trägervereins Elterninitiative Kindergarten.

 Auch Marcel Walterscheid war früher aufgefallen, dass es in der Kita seines heute neunjährigen Sohns Maurice keine Erzieher gab. Diese Lücke kann der ehemalige Zeitsoldat heute selbst schließen. Nach einer dreijährigen Erzieherausbildung an der Bundeswehrfachschule in Hamburg fing er – dank mehreren Praktika bei Lemke & Co. – in Holtsee an. Der Hauptgrund, warum nach Lemkes Ansicht Männer den Berufsweg zum Erzieher scheuen: „Es gibt viele Teilzeitstellen. Im klassischen Rollenverständnis mit dem Mann als Hauptverdiener reicht der Verdienst nicht, um eine Familie zu ernähren.“ Neumann hat durch zweistündige Tagespflege im Anschluss an die Kitaöffnungszeit von 7 bis 14 Uhr eine Möglichkeit gefunden, sowohl das Kita-Angebot als auch die eigenen Einnahmen zu verbessern.

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