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Hündin Ayla kann sogar würfeln

Gettorf Hündin Ayla kann sogar würfeln

Mit liebevollem Wesen, Geduld und Gewedel schafft Ayla etwas, woran selbst besonders empathische Menschen scheitern: Die Hundedame bringt Traurige zum Lachen und holt Einsame aus der Isolation. Als Therapeutin auf vier Pfoten leistet sie in der Gettorfer Seniorenwohnanlage am Park Unglaubliches.

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Ein starkes Team: Ergotherapeutin Teresa Nogueira (46) und ihre Hündin Ayla.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf. Okay, Ayla ist bestechlich. Die Vertreterin der englischen Hunderasse Cavalier-King-Charles-Spaniel wittert sofort, wenn einer der Heimbewohner ein Leckerli in der Tasche hat. Doch ansonsten hat sie einen Charakter, von dem sich so mancher Zweibeiner ein paar Scheiben abschneiden könnte. Sie ist anpassungsfähig, intelligent und mit einer großen Frustrationstoleranz und unerschütterlichen Gelassenheit gesegnet.

 Ihr größter Vorzug aber ist, dass sie nicht bewertet. „Sie nimmt Menschen so, wie sie sind“, sagt Teresa Nogueira. Die 46-Jährige arbeitet seit 2007 als Ergotherapeutin und Leiterin der sozialen Betreuung in der Pflegeeinrichtung, die von der Brücke Rendsburg-Eckernförde betrieben wird. „Schon immer wollte ich mit einem Therapie-Begleithund arbeiten“ sagt sie. Mit Ayla hat sie sich jetzt diesen Wunsch erfüllt. Ein Jahr lang dauerte die Ausbildung in Kiel, die die Kronshagenerin und ihre quirlige Hundedame im September mit Erfolg beendeten. „Ayla erleichtert mir die Arbeit ungemein“, lobt Teresa Nogueira ihre erst eineinhalb Jahre alte vierbeinige Kollegin. Sie habe eine Mittlerfunktion und sei sozusagen ein Türöffner. „Wenn ich ein Zimmer betrete und den Hund dabei habe, muss ich gar nicht viel sagen“, schildert die Ergotherapeutin. Gerade bei ängstlichen und verschlossenen Menschen oder solchen mit Hör- oder Sprachproblemen sei die nonverbale Kommunikation mit einem Hund von großer therapeutischer Bedeutung. Die Therapie mit Tieren führe nachweislich zu einer Antriebssteigerung, zu einer Schmerzlinderung, einer Blutdruck-Normalisierung und einer deutlichen Verbesserung des eigenen Körpergefühls. Allein schon das Kuscheln mit Ayla sei für viele Heimbewohner eine Bereicherung.

 Auch bei Karl-Heinz Hippmann holt sich die Hündin regelmäßig Streicheleinheiten (und Leckerlis!) ab. Der 87-Jährige, der früher in Düsseldorf als Speditionskaufmann arbeitete, musste im Mai nach 65 Ehejahren Abschied von seiner Frau nehmen. „Herr Hippmann hat sich hier aufopferungsvoll um sie gekümmert“, sagt Teresa Nogueira. Die Ergotherapeutin ist froh, dass er trotz des schweren Schicksalsschlages nicht seine Lebensfreude verloren hat. Und daran ist Ayla nicht ganz unschuldig. „Sie tut mir gut“, sagt der Rheinländer, der neben Ayla noch einen anderen Hund in sein Herz geschlossen hat: Charly, den Cockerspaniel seiner Tochter. Beide bekommen ihn oft besuchen.

 Hunde gehen in dem erst vor wenigen Jahren neu gebauten Heim ein und aus. So werden dort zum Beispiel die Besuchshunde des Hospizvereins Dänischer Wohld ausgebildet. An vier Tagen in der Woche kommen ehrenamtliche Teams mit ihren Hunden zu den Bewohnern. Ayla hat sogar eine Fünf-Tage-Woche. Überwiegend wird sie für Einzelbesuche eingesetzt, aber sie ist auch dabei, wenn sich vormittags die Denksport- oder die Spielegruppen treffen. Beim Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielen übernimmt Ayla gern mal das Würfeln. Auch das hat sie in der Therapiehunde-Ausbildung gelernt.

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Ein Artikel von
Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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