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Der Delfin ist Dauergast

Wal-Woche Eckernförde Der Delfin ist Dauergast

Der Delfin ist kein verirrter Gast mehr in der Ostsee. „Seit 1990 wissen wir, dass Delfine dauerhaft da sind“, sagt Carl Christian Kinze. Mit seinem Vortrag über die Wal-Vielfalt in der Ostsee eröffnete der dänische Wissenschaftler am Sonnabend im Ostsee-Info-Center (OIC) die erste Eckernförder Wal-Woche.

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Seit 1990 werden Delfine regelmäßig in der Ostsee gesichtet. Dieses Exemplar sprang im Februar in der Flensburger Förde fotogen aus dem Wasser.

Quelle: Benjamin Nolte

Eckernförde. Dass der Schweinswal in dem Meer vor unserer Haustür heimisch ist, das ist allgemein bekannt. Doch viel mehr Walspezies sind in Vergangenheit und Gegenwart in der Ostsee gesichtet worden. „25 von 90 Arten wurden mindestens einmal in der Ostsee festgestellt“, sagte Kinze im gut besuchten Vortragsraum des OIC. Inzwischen erleichtert die Digitalisierung von früheren Meldungen und Zeitungsberichten die Einordnung. Der Wal-Forscher, der lange Zeit am Zoologischen Museum in Kopenhagen tätig war, zog Rückschlüsse aus historischen Daten auf das heutig Vorkommen von Walen in der Ostsee.

 Zweimal sind sogar Blauwale über das Skagerrak in das Binnenmeer gelangt.Diese mächtigen Riesen der Weltmeere sind so groß wie 2000 Schweinswale zusammen. Vor allem im Kattegat werden immer wieder Wale gesichtet, 24 Arten waren es bislang. Je östlicher umso weniger Arten tauchen auf. Nur vier sind es noch im Bottnischen Meerbusen. Heimisch, so Kinze, seien in der Ostsee nur der Schweinswal und wenige Delphinarten. Bei den anderen Walen handelt es sich um Saison- und Dauergäste oder Irrgäste.

 Sogar Schwertwale zog es schon in die Ostsee. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine Herde kleiner Schwertwale, die normalerweise in ozeanischen und tropischen Gewässern zuhause sind, in der Kieler Förde und Eckernförder Bucht gesichtet. „Warum es sie in die Ostsee trieb, ist unbekannt“, sagte Kinze. Als gutes Revier schätzt der Walforscher die nördliche Ostsee für den weißen Belugawal ein. 1908 wurde ein Exemplar bei Memel erlegt, 2012 wurden ebenfalls Weißwale gesichtet. Kinze: „Leider sind es zu wenige, um eine Population aufzubauen.“ Finnwale schwammen im 19. Jahrhundert durch den dänischen Alsensund, auch 2003 war einer gemeldet worden.

 Heute zählen neben den Schweinswalen die Weißschnauzen-Delfine zu den häufigeren Arten in der Ostsee. Eventuell könnte es laut Kinze in Zukunft zu einer „Wachablösung“ durch den großen Tümmler und den gewöhnlichen Delphin kommen. Neu ist der Streifen-Delfin in der Ostsee aufgetaucht, der normalerweise weiter südlich vorkommt. Das, so der Wal-Forscher, sei auch ein Indikator für den Klimawandel. Denn die 15-Grad-Temperaturlinie im Meer verschiebt sich weiter nach Norden. Mit diesem Trend könnten auch kleinere Wale in die Ostsee gelangen. „Die Wal-Vielfalt schwankt allerdings“, konstatierte Kinze.

 Die Delfine Selfie und Delfi sorgten jüngst in der Kieler und Flensburger Förde für viel Aufmerksamkeit. In der Folge, so der Referent, gab es viele vermeintliche Delfin-Sichtungen, die sich als Schweinswale entpuppten. Im Unterschied zum Delfin besitzen diese eine stumpfe Schnauze und eine flachere Rückenflosse. Aber auch Schweinswal können aus dem Wasser springen und Boote begleiten.

 Dass vor 250 Jahren ein Buckelwal in der Eckernförder Bucht von Fischern erlegt wurde, war für den örtlichen Wal-Experten Andreas Pfander der Auslöser, die erste Wal-Woche im Ostseebad anzuregen. Zusammengestellt wurde das Programm gemeinsam von Ostsee-Info-Center, Museum und Alte Fischräucherei.

 Die Eckernförder Wal-Woche setzt sich heute mit einem preisgekrönten Meeresfilm über das Geheimnis der Buckelwale fort, der um 19 Uhr in der Alten Fischräucherei gezeigt wird. Am Dienstag folgt, ebenfalls um 19 Uhr in der Alten Fischräucherei, als Überraschung der Kult-Walfilm von 1956. Mittwoch spricht um 18 Uhr im Museum Andreas Pfander über „den Wal von Eckernförde“, der vor 250 Jahren in der Bucht erlegt wurde, mit anschließendem Spaziergang zum Ort des Geschehens. Donnerstag schließt sich der Themenabend „Schweinswale und Lärm“ an, zu dem um 19 Uhr im Ostsee-Info-Center Schweinswal-Forscher Andreas Ruser (Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung) berichtet. Dazu wird der Film Wale in der Lärmfalle gezeigt. Begleitend zur Wal-Woche präsentiert das Museum das berühmte Leihamer-Aquarell eines Eckernförder Buckelwals sowie historische Postkarten. Im Ostsee-Info-Center können Besucher spannende Aufgaben bei einer Wal-Rallye lösen. Der Eintritt zu den Vorträgen und Filmen ist frei, um Anmeldung wird unter Tel. 04351/726266 oder Mail: info@ostseeinfocenter.de gebeten.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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