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Heimatmuseum macht Schule

Gettorf Heimatmuseum macht Schule

Mit Schiefertafel und Griffel, aber ohne Kopfnuss: Schulunterricht wie zu früheren Zeiten erlebten jetzt Mitglieder des DRK-Ortsvereins Felm und des Kegelclubs Achtein im Gettorfer Heimatmuseum.

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Schulunterricht wie vor 100 Jahren: Christine Strüfing (69) mit ihren „Schülern“ aus Felm im nachgebauten Klassenraum des Gettorfer Heimatmuseums.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf. Als Lehrerin fungierte Christine Strüfing aus Kiel. Die 69-Jährige leitete von 1987 bis zu ihrer Pensionierung 2007 die Dorfschule in Felm.

Christine Strüfing liebt Kinder. Aber eigene Kinder blieben ihr verwehrt. Deshalb entschied sie sich nach ihrem Abitur und einer beruflichen Stippvisite in der freien Wirtschaft für den Lehrerberuf. Sie wollte jedoch nicht an einer großen städtischen Schule, sondern an einer kleinen ländlichen Schule unterrichten. Warum? „Dort gibt es eine ganz andere emotionale Bindung als in der Stadt“, sagt die pensionierte Pädagogin, deren Schullaufbahn 1952 als Erstklässlerin in Laboe begann.

Noch gut erinnert sich Strüfing an ihren Lehrer. „Er war sehr streng, und wenn er mich beim Schwatzen erwischte, gab es mit dem Zeigestock was auf die Finger.“ Strafen waren früher an der Tagesordnung. Schon kleinste Vergehen wurden sanktioniert. Nachsitzen auf der Schlingelbank, in der Ecke stehen, Schläge mit dem Zeigestock, auf Erbsen knien – die Kinder hatten nichts zu lachen. „Besonders erniedrigend war es, wenn ein Schüler die Eselsmaske aufsetzen musste“, berichtete die überzeugte Prügelstrafen-Gegnerin ihren Zuhörern, die auf uralten Schulbänken saßen.

Die historischen Möbel und andere Schulutensilien aus früheren Zeiten hat die Kielerin in den vergangenen 25 bis 30 Jahren in ganz Schleswig-Holstein zusammengetragen. Im kleinen, aber feinen Gettorfer Heimatmuseum kann dies alles besichtigt werden, und auf Wunsch gibt es für Gruppen auch Führungen. Zu den Sammlerstücken gehören alte Fibeln („die werden heute sehr, sehr teuer gehandelt“), Schul- und Liederbücher, Lesekästen, Ranzen, Zirkel, Brottaschen und auch alte Kartenständer. Im Museums-Klassenzimmer hängt zum Beispiel eine Schleswig-Holstein-Karte aus den frühen 50er Jahren mit dem Spruch „Op ewig ungedeelt“. Und auf der Tafel steht in deutscher Schrift: „Frühling lässt sein blaues Band...“ Christine Strüfing demonstrierte am Beispiel des Buchstabens i, wie früher das Schreiben unterrichtet wurde: „Rauf, runter, rauf, Pünktchen obendrauf.“

Im Heimatmuseum können die Besucher auch etwas über die alte Küsterschule in der Kirchstraße erfahren. Das in den 70er Jahren abgerissene Gebäude wurde noch bis kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs für Unterrichtszwecke genutzt. Nach einem Bauplan von 1836 erstellte Jürgen Kuntze aus Neumünster ein Modell, das im Museum ausgestellt ist. bki

Führungen durch das Museum-Klassenzimmer: Tel. 0431/549931.

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Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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