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Für ein paar Stunden Sorgen vergessen

Interkulturelle Weihnachtsfeier Für ein paar Stunden Sorgen vergessen

„Damals kamen 20 bis 25 Leuten zusammen“, erinnert sich Norbert Koch an die erste Weihnachtsfeier des Flüchtlingsbeirats vor zwei Jahren. Seitdem ist die Zahl der Asylbewerber exorbitant gestiegen. Zur interkulturellen Weihnachtsfeier kamen rund 200 Menschen ins evangelische Gemeindehaus am Pastorengang in Gettorf.

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Interkulturelle Begegnung: Ambesajur (rechts) und Tesfu (links) aus Eritrea mit (von rechts) Piet (12), Nickels (11), Eva (11) und Merle (12) aus der 6g der Isarnwohld-Schule und Lehrerin Ina Gronberg. Die Kinder hatten für die Flüchtlingsweihnachtsfeier Geschenke gepackt.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf. Krieg, Terror und Verfolgung, die Strapazen der Flucht: Für die Flüchtlinge war die Weihnachtsfeier eine willkommene Gelegenheit, gemeinsam mit ihren Paten mal für ein paar Stunden das ganze Elend zu vergessen. Flüchtlingsbeirats-Vorsitzender Christian-Albrecht Schnarke erklärte auf Englisch, ins Arabische übersetzt von Ammar Khalfah aus Syrien, wie sich Christen auf Weihnachten vorbereiten und warum in den Straßen und Häusern in diesen Wochen so viele Lichter und Kerzen brennen. Aber die besinnliche Stimmung, zu der unter anderem auch die Bläser vom Jugendrotkreuzorchester Eckernförde unter Leitung von Torsten Plaß beitrugen, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ehrenamt aufgrund der stark gestiegenen Zahl der zugewiesenen Asylbewerber mittlerweile an seine Grenzen stößt. Der Flüchtlingsbeirat mit seinen rund 80 Mitgliedern braucht dringend Verstärkung. „In die neue Sammelunterkunft in Ruckforde sind jetzt die ersten neun Flüchtlinge eingezogen, aber wir haben noch keine Paten für sie gefunden“, berichtete Helga Weber, die sich selbst als Patin engagiert und sich um den 24-jährigen Dennis aus Russland kümmert. Auch wer nur wenig Zeit habe und vielleicht nur kleine Aufgaben übernehmen könne, sei willkommen.

 Die steigenden Flüchtlingszahlen machen sich auch bei der Tafel bemerkbar. Im September hatte Sprecherin Barbara Neusüß Vertreter des Amtes und der Gemeinde in die Ausgabestelle auf dem Bauhof eingeladen, um auf die Raumnot aufmerksam zu machen. Neusüß hatte vorgeschlagen, einen Durchbruch zum Nachbarraum der Ausgabe zu schaffen und den Eingangsbereich zu überdachen, damit die Tafel-Nutzer geschützt sind. „Leider hat sich bisher noch nichts getan“, berichtete die Tafel-Sprecherin.

 Auf der interkulturellen Weihnachtsfeier wurden Sorgen jedoch für ein paar Stunde ausgeblendet. Erwachsene wie Kinder freuten sich über kleine Präsente, zum Beispiel der 13-jährige Amir aus dem Iran, der mit seinen Eltern Enaz und Milad erst seit drei Monaten in Gettorf lebt und sich bereits gut auf Deutsch verständigen kann. „Ich gehe in die Klasse 7g der Isarnwohld-Schule und spiele gern Fußball und Basketball“, erzählte er. Mit am Tisch saß Pastorin Christa Loose-Stolten, zugleich Vorsitzende der Kirchengemeinderats. Von diesem Gremium ging vor drei Jahren die Initiative für die Gründung des Flüchtlingsbeirats aus. Es sei spannend, neue Menschen und deren Schicksale kennenzulernen, sagte die Pastorin. „Diese Menschen haben genau wir wir das Bedürfnis nach Frieden, nach Zuneigung und nach Heimat.“ Sie empfahl, offen auf die Flüchtlinge zuzugehen und mit ihnen zu sprechen. Auf diese Weise ließen sich am besten eventuelle Sorgen oder Vorurteile abbauen. Dies funktioniert offenbar auch umgekehrt. In einem Glaubenskurs von Christa Loose-Stolten sitzen einmal wöchentlich mehrere junge Männer aus dem Iran, um etwas über den christlichen Glauben zu erfahren. Die Pastorin nennt sie liebevoll „meine Jungs“.

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Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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