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Stadt ist ihm zur Heimat geworden

Amtsjubiläum Stadt ist ihm zur Heimat geworden

Am 24. September 2006 wurde Jörg Sibbel als parteiloser Kandidat in Eckernförde zum Bürgermeister gewählt – und zieht nach zehn Jahren Bilanz.

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Seit zehn Jahren Bürgermeister von Eckernförde: Jörg Sibbel an seinem Schreibtisch in seinem Amtszimmer im Rathaus.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Vom Oberlippenbart hat er sich schon vor einigen Jahren auf Bitten seiner Frau Thekla getrennt. Dass die Kopfbehaarung ein klein wenig lichter geworden ist und Spuren von Grau erkennbar sind, liegt zum Teil wohl auch an der Bürde des Amtes. Seit nunmehr zehn Jahren ist Jörg Sibbel Bürgermeister von Eckernförde. Äußerlich hat er sich in dieser Zeit verändert. Die Begeisterung für seine Aufgabe ist hingegen geblieben: „Ich habe es keinen Tag bereut, hierher gewechselt zu sein. Ich fühle mich im Rathaus, aber auch im Privatleben sehr wohl“, sagt der 51-Jährige.

 Als parteiloser Kandidat wurde Jörg Sibbel auf Vorschlag der CDU am 24. September 2006 zum Bürgermeister von Eckernförde gewählt. Es war eine echte Überraschung, denn er gewann gegen Amtsinhaberin Susanne Jeske-Paasch (SPD) mit deutlichem Vorsprung. Zuvor war Sibbel, der in Lütjenwestedt aufwuchs und nach dem Abitur sowie einer Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten ein Studium der Verwaltungswissenschaften absolvierte, knapp fünf Jahre lang hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Osterrönfeld. Am 25. Mai 2014 wurde er mit Unterstützung von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, SSW und FDP für eine weitere Amtszeit von acht Jahren wiedergewählt. Dass er mit 85,7 Prozent exakt 20 Prozentpunkte mehr als bei der ersten Wahl bekam, hat ihn gefreut. Er wertet das als Zeichen einer erfolgreichen Arbeit.

 Dass es gelungen ist, in der Tradition seiner Vorgänger die Finanzen der Stadt zu ordnen, möchte Jörg Sibbel aber nicht für sich allein in Anspruch nehmen. Das sei ein gemeinsamer Erfolg von Politik und Verwaltung gewesen, sagt er. Man habe frühzeitig den Weg der Haushaltskonsolidierung eingeschlagen und in den Jahren 2009 und 2010 sehr enge Sparpakete geschnürt. Auch künftig bleibe die Entlastung der städtischen Finanzen eine ganz wesentliche Aufgabe. „Wir haben keinen Speck mehr auf den Rippen“, wählt er die bildliche Darstellung der Situation. Deshalb habe man auch für die Zukunft eine Prioritätenliste für Investitionen erarbeitet.

 Rückblickend ist Sibbel mit dem Erreichten zufrieden. Von 2007 bis 2012 habe man rund 29 Millionen Euro in die Infrastruktur und die Erneuerung der Stadt investiert und dafür mehr als 16 Millionen Euro an Fördergeldern einwerben können. Unter anderem habe man Schulen modernisiert und Mensen geschaffen, eine neue Hafenpromenade gestaltet und die Hafenspitze bebaut, die Bürgerbegegnungsstätte saniert, die Schaffung eines Räuchereimuseums unterstützt, das Projekt Nooröffnung und das Gewerbegebiet Nord vorangebracht und innerstädtische Straßen verkehrsberuhigt ausgebaut. Dass die Kinderbetreuung auf einem guten Stand sei und die Kennzahlen im touristischen Bereich enorm verbessert werden konnten, wertet der Bürgermeister ebenfalls als Erfolg. Dass man die große Herausforderung der Unterbringung von Flüchtlingen gemeistert habe, sei vor allem ein Verdienst der Mitarbeiter im Rathaus, aber ganz wesentlich auch des Genossenschaftlichen Wohnungsunternehmens (GWU).

 Durch die neuen politischen Umstände mit sieben verschiedenen Gruppierungen in der Ratsversammlung seien die Entscheidungsprozesse seit der jüngsten Kommunalwahl schwieriger geworden, räumt der Verwaltungschef ein. Dass es in Eckernförde keine Regierungspartei und keine Opposition mehr gebe, sondern bei Sachentscheidungen von Fall zu Fall geänderte Mehrheiten, bewertet er als durchaus positiv. Enttäuscht ist er jedoch darüber, dass es bislang nicht gelungen sei, ein kommerzielles Kino in der Stadt anzusiedeln.

 Bei der Frage nach dienstlichen Wünschen für die kommenden sechs Jahre seiner Amtszeit muss Jörg Sibbel etwas länger überlegen. Neben der mehrheitsfähigen Verständigung auf einen Kinostandort nennt er schließlich die zügige Realisierung des Projekts Nooröffnung, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auch in der Innenstadt sowie die Weiterentwicklung des Naturfilm-Festivals Green Screen.

 Auch wenn ein Ende seiner Amtszeit noch in weiter Ferne liegt, so weiß Jörg Sibbel schon jetzt, dass Eckernförde dauerhaft der Wohnsitz der Familie bleiben wird: „Die Stadt ist zu unserer Heimat geworden“, fügt er für sich und seine Frau an. Die beiden gemeinsamen Söhne (21 und 19 Jahre alt) sind inzwischen aus dem Eigenheim im Süden der Stadt ausgezogen. „Die Umstellung war für mich doch größer als erwartet“, bekennt Sibbel und unterstreicht damit, wie wichtig ihm die Familie ist.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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