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Jungen Menschen Antworten geben

Rechtsextremismus Jungen Menschen Antworten geben

„Bewegt sich die Gesellschaft gegen Rechts?“ lautet die etwas irritierende Überschrift der Veranstaltung der Eckernförder SPD am Donnerstagabend in der Peter-Ustinov-Schule (PUS).

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Tobias von Pein, Jonas Kramer und Serpil Midyatli forderten zur stärkeren Auseinandersetzung mit dem Thema Rechtsextremismus auf.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Geht es darum, dass sich die Gesellschaft nach Rechts begibt, oder geht es darum, gegen rechts vorzugehen? Die PUS ist ein bewusst gewählter Ort, denn die Bildungseinrichtung zählt zu den Schulen, die sich das Ziel „Ohne Rassismus“ und „Mit Courage“ auf die Fahnen geschrieben haben. Eine konkrete Antwort auf die eingangs gestellte Frage bleiben die Beteiligten schuldig, Ansätze bekommen die Teilnehmer jedoch mit.

 Jonas Kramer, Ortsvereinsvorsitzender der SPD, hat zwei kompetente Gesprächspartner an seiner Seite: Serpil Midyatli, stellvertretende SPD Landtagsfraktionsvorsitzende, und Tobias von Pein, Sprecher des Bereiches Rechtsextremismus in der SPD Landtagsfraktion. Wie ist es zu erklären, dass sich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit derzeit vor allem gegen Muslime richtet? Warum werden die Themen Asyl, Flucht, Zuwanderung, Islam und Politikverdrossenheit oftmals falsch zusammengebracht? Und vor allem: Was können Demokraten der Angst und Unzufriedenheit in der Bevölkerung entgegensetzen?

 Die 1975 in Kiel geborene Politikerin Midyatli kann von eigenen Erfahrungen berichten. „Zunächst war ich das Gastarbeiterkind, später ,Kanake’, und seit dem 11. September 2001 Muslime. Das war ich zwar schon immer, doch vor dem Attentat in New York spielte das keine Rolle“, berichtet sie. Diskriminierung hat sie ein Leben lang begleitet. Von Pein hat sein Interesse für Politik mit 16 Jahren entdeckt. Bei einem Fußballspiel stieß er auf eine Gruppe Nazis und deren Parolen. Für ihn ein Anlass zu handeln.

 Doch was habe sich verändert, will Kramer wissen. „Der Rechtsextremismus ist sichtbarer geworden“, so von Pein. Im Osten mehr als im Westen, obwohl dort zahlenmäßig weniger Flüchtlinge untergekommen seien. Vielleicht gerade deshalb: Je weniger Flüchtlinge, je größer die Unsicherheit vor dem „Fremden“. „Mehr Flüchtlinge bedeuten auch mehr Integration“, so von Pein. Was tun bei ausländerfeindlichen Parolen? „Auf dem Schulhof, am Küchentisch, am Arbeitsplatz, überall dort, wo mit unreflektierten Äußerungen um sich geworfen wird, dagegen halten“, empfiehlt Midyatli. Die Diskussion nicht scheuen, auch wenn es unbequem ist.

 Frappierend sei, so Besucher Klaus Witzig, wie viele Menschen sich politisch nicht mehr vertreten fühlten. Da sei auch die SPD eine Ursache, ihre Anhänger fühlen sich nicht mehr gehört. Anke Göttsch: „Viele vermissen die versprochene soziale Gerechtigkeit. Die ist nicht bei ihnen angekommen. Diese Menschen müssen an die Hand genommen werden.“ Schule und Vereine hätten da eine wichtige Funktion, sind sich die Diskussionsteilnehmer einig. Und: Das Fach Wipo (Wirtschaft/Politik) sollte landesweit gefördert, der Schwerpunkt von Wirtschaft auf Politik verlagert werden. Dem stimmt Schulleiter Dirk Söhren zu: „In der globalisierten Welt ist viel Identität verloren gegangen. Unsere Aufgabe ist es, jungen Menschen Antworten zu geben.“

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