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Jeder Arbeitstag war ein Geschenk

Leiterin der Jungmannschule Jeder Arbeitstag war ein Geschenk

Das eigene Abitur hat sie mit einer Drei vor dem Komma absolviert. Und eigentlich wollte Jutta Johannsen auch lieber Architektin als Lehrerin werden. 22 Jahre lang war die gebürtige und bekennende Kielerin Leiterin der Eckernförder Jungmannschule. Mit Erreichen der Altersgrenze wird Jutta Johannsen in der kommenden Woche in den Ruhestand verabschiedet.

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Knapp 22 Jahre leitete Jutta Johannsen die Jungmannschule in Eckernförde. Ende kommender Woche beginnt für sie die Zeit des Ruhestands, die mit einer Reise nach Neuseeland eingeleitet wird.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Dass sie den Traumberuf nicht ergreifen durfte, weil es die Eltern so wünschten, hat sie längst abgehakt. „Es macht bis heute Spaß“, sagt die 65-Jährige und deutet mit diesen wenigen Worten an, dass Lehrerin möglicherweise doch der Traumberuf war oder zumindest geworden ist. Absehbar war das nicht unbedingt. Das Abi an der Kieler Ricarda-Huch-Schule hat sie ohne große Anstrengungen absolviert. Das Theaterspiel, Rudern als Leistungssport und politische Diskussionen waren ihr Ende der 60er Jahre sehr viel wichtiger als das Lernen. Das änderte sich erst mit Beginn des Studiums für Kunsterziehung auf Lehramt in Braunschweig. „Da ging nichts mehr unter einer Eins“, erinnert sie sich nur allzu gern an diese Zeit. Das erklärt auch, dass sie bereits nach neun Semestern ihr Examen schaffte und daran anschließend sofort ein Referendariat in Kiel bekam. Für die erste verbeamtete Stelle zog sie nach Heide. Allerdings nur für ein Jahr. Jutta Johannsen kehrte nach Kiel zurück, heiratete und bekam drei Kinder. Gemeinsam zog es die Familie für fünf Jahre ins finnische Helsinki. „Es war eine wirklich schöne Zeit“, sagt sie rückblickend.

 Nach der Rückkehr stieg sie in Teilzeit in Kronshagen wieder in den Beruf ein. Nach einem Jahr als Referentin im Bildungsministerium bewarb sie sich 1994 auf die Schulleiterstelle in Eckernförde und wurde genommen – mit gerade mal 44 Jahren. „Es war die richtige Entscheidung“, ist sie heute überzeugt. Dazu habe ganz wesentlich das aus 75 Lehrkräften bestehende Kollegium beigetragen. Jutta Johannsens klar definiertes Ziel, die Schule gut zu führen und eine optimale Arbeit zu leisten, sieht sie selbst als erfüllt an: „Ich hatte einfach Lust dazu. Für mich war es ein Geschenk, jeden Tag zur Arbeit gehen zu dürfen.“ Dass die Jungmannschule im Lande seit Jahren ein hohes Ansehen genießt, erfüllt die scheidende Leiterin mit erkennbarer Zufriedenheit. Und so fällt der Abschied nicht so schwer, wie erwartet. In wenigen Wochen will sie mit einer guten Freundin bei einem Urlaub in Neuseeland Abstand gewinnen. Und danach? Das Engagement für das Künstlerhaus in Eckernförde möchte sie fortsetzen. Und auch in anderen Bereichen des kulturpolitischen Lebens im Lande will sie sich weiterhin einbringen.

 Die Frage nach einen unvergesslichen Erlebnis während ihrer langen Dienstzeit ist schnell beantwortet: Bei einem Abi-Ball bedankten sich die Schüler mit einer sehr großen Torte für die tolle Betreuung. „Als ein Schüler dieser Torte entstieg und mich zum Tanz aufforderte, war der Wunsch, dass sich der Boden auftut, sehr groß“, erinnert sich Jutta Johannsen herzhaft lachend an diesen Moment zurück.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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