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Kabinettstückchen mit der Laubsäge

Eckernförde Kabinettstückchen mit der Laubsäge

Die Objekte von Peter F. Piening verblüffen. An der Wand wirken sie dreidimensional wie ein Papiertheater und einige von ihnen sind sogar begehbar. Das Museum Eckernförde widmet dem Ahrensburger Künstler jetzt eine Sonderausstellung, die Sonntag, 22. Mai, eröffnet wird und bis 24. Juli läuft.

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Manche Objekte von Peter F. Piening sind sogar begehbar: So wie diese Gartenlaube, in der der Betrachter Platz nehmen und eine Vielfalt dreidimensional erscheinender Szenen auf sich wirken lassen kann.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Lauschig ist es in der Laube, die mitten in einem der Ausstellungsräume steht. An der Decke prangt der Sternenhimmel, davor sieht man Anton Bruckner ein kleines Konzert dirigieren, darüber sitzen zwitschernde Vögel. Biedermeier-Stimmung kommt auf. Doch beim genaueren Hinsehen bricht Pienings Laubenobjekt das Klischee. Da steht, liebevoll wie alle Motive mit der Laubsäge aus Sperrholz ausgesägt: „Gib’ Karies keine Chance!“. Da erscheint ein Hund mit Jägerhut, verharrt ein Tango-Paar in leidenschaftlicher Pose, himmeln zwei Teddybären den Mond an. „Werbung, Kunst, Kitsch – ich finde überall meine Anregungen“, sagt der Künstler. Die Ernsthaftigkeit der Kunst holt Piening mit seiner Collage auf den Erdboden zurück und würzt sie mit eine Prise hintersinnigem Witz.

 „Der Stand der Dinge“, heißt die Ausstellung, die auch für die neue Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske etwas Besonderes ist. Es ist ihre erste Präsentation in Eckernförde. Sie kennt Piening noch aus ihrer vorherigen Tätigkeit auf dem Museumsberg in Flensburg. „Bitte nicht berühren, heißt es sonst bei Ausstellungen, hier kann man in Kunstwerke sogar hineingehen“, ist auch Bieske von den filigranen Holzobjekten fasziniert. 1993 erhielt Piening für seine Werke den Landesschaupreis des Bundesverbands Bildender Künstler (BBK).

 Auch im zweiten Raum steht so ein Hinein-geh-Objekt. Äußerlich unscheinbar, offenbart die „Laterne“ im Inneren ein farbenfrohes Kaleidoskop unserer Welt. Wie in einer Mini-Kathedrale sind die Wände über und über mit farbigen Durchsichtbildern geschmückt. Doch keine Heiligen-Ikonen leuchten hier, sondern Charly Chaplin, die Beatles, eine griechische Göttin, Donald Duck oder ein Akt. Auch hier löst Piening scheinbar Vertrautes auf, überrascht und konfrontiert den Betrachter augenzwinkernd mit neuen Assoziationen.

 An der Wand hängen Bilder mit verschiedenen Ebenen, die im Licht- und Schattenspiel dreidimensional wirken. Banale Dinge, wie ein „preisgekrönten Foxterrier“ oder eine Binde-Anleitung für eine Fliege (Titel: „Eine Fliege machen“) versetzt der Künstler in neue Zusammenhänge, spielt mit Ornament, Rahmen und Zitaten. Nichts ist so, wie es zu sein scheint. Für Eckernförde hat Piening eigens vier Objekt-Bilder mit dem Wappentier Eichhörnchen kreiert – zwei links- zwei rechtsherum springend.

 Zur Ausstellungseröffnung am internationalen Museumstag gibt Museumsleiterin Bieske eine Einführung. Der Künstler wird anwesend sein. Statt eines Museumsblattes ist diesmal ein mehrseitiger Flyer mit einem Piening-Interview erschienen, der für zwei Euro erhältlich ist.

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Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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