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Jakobskreuzkraut wird zur „gelben Gefahr“

Brekendorf Jakobskreuzkraut wird zur „gelben Gefahr“

Das Jakobskreuzkraut wird zur „gelben Gefahr“. Unmittelbar hinter Brekendorf in Richtung Lottorf breitet sich die giftige Pflanze immer mehr aus. Anwohnerin Angelika Einerhand hat jetzt einen offenen Brief an Umweltminister Robert Habeck geschrieben, in dem sie den Missstand anprangert.

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Was zuviel ist, ist zuviel: Die Brekendorfer Landwirtin Angelika Einerhand vor der Problemwiese. Sie sieht sich als Natur- und Pflanzenfreundin. Dass aber die Stiftung Naturschutz über Jahre die ausufernde Vermehrung des Jakobskreuzkrautes hinnimmt, empört sie.

Quelle: Birgit Johann

Brekendorf. Sattes Gelb soweit das Auge blicken kann – solche Eindrücke kennt man hierzulande hauptsächlich zur Zeit der Rapsblüte im Mai. Unmittelbar hinter Brekendorf in Richtung Lottorf gibt es allerdings ein etwa 18 Hektar großes Areal, das seit Jahren regelmäßig ab Ende Juli als leuchtend gelbes Blütenmeer entflammt. Der Farbton ist wärmer als der der Rapspflanze, denn auf diesem Gelände, einer Extensivfläche, wird natürlich nicht der Kreuzblütler kultiviert. Unglaubliche Massen des Jakobskreuzkrauts (JKK) sind es vielmehr, die hier ins Auge stechen. Senecio jacobaea darf sich auf diesem Feld offenbar uneingeschränkt vermehren.

 Jahr für Jahr sehen dies mit wachsender Sorge die Brekendorfer Angelika und Axel Einerhand, Eigentümer des in der Nähe liegenden Hofes Grevensberg. Das Jakobskreuzkraut, für Pferde und Rinder nachgewiesenermaßen giftig, kann Wiesenmaht unbrauchbar machen. Auf beiden Seiten der Kreisstraße habe es sich mittlerweile auf einer Länge von 900 Metern ausgebreitet, schreibt die botanisch bewanderte Brekendorferin. Auch auf ihren Flächen fänden sich immer mehr Exemplare der Pflanze.

 Das Stück Land mit der „gelben Gefahr” ist Eigentum der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Dass diese sich gegenüber den benachbarten Landwirten, Pferdehaltern und Imkern nicht verantwortlich zu sehen scheint, empört die Brekendorferin. „Man bräuchte inzwischen Hundertschaften, um das Kraut zu entfernen”, ist sie überzeugt, und an den Umweltminister appelliert sie daher, in diesem Falle ausnahmsweise Pflanzenschutzmittel einsetzen zu lassen.

 Aus dem Ministerium hat sie aber lediglich die Rückmeldung erhalten, dass sich die Stiftung Naturschutz des JKK-Problems landesweit löblich schnell angenommen habe. Dort hat man in diesem Jahr ein von Aiko Huckauf geleitetes Kompetenzzentrum eingerichtet und einen Zehn-Punkte-Plan gegen das JKK entwickelt. Intensives und mehrgleisiges Forschen sowie die Berücksichtigung fremder Untersuchungsergebnisse bilden seinen Inhalt, keinesfalls aber der Einsatz der Giftspritze. Dies lässt sich mit der Extensiv-Bewirtschaftung nicht vereinbaren.

 Gegenüber den KN räumt Huckauf jedoch sofort ein: „Ja, bei Lottorf handelt es sich um eine Problemfläche.” Da das buckelige und teilweise moorige Gelände aber unbefahrbar sei, könne man es leider nicht maschinell mähen. Da vom und am JKK mindestens 170 Insektenarten leben, konzentriere sich die Stiftung nun auf biologische Methoden zur Beseitigung des Krauts. Zu den JKK-Gegenspielern gehören die Schmetterlingsart Blutbär, dessen Raupen die Blätter der Pflanze fressen, und der Flohkäfer, dessen Larven in ihrem Wurzelbereich leben und sie zum Absterben bringen. In Oregon/USA habe man mit dem Einsatz der beiden Insektenarten gute Erfolge erzielt.

 Die Einerhands werden sich also noch in Geduld üben müssen. „Blinder Aktionismus bringt nichts”, betont Huckauf. Das weiß auch Angelika Einherhand, die genauso wie er bedauert, dass irrtümlich immer wieder das dem JKK ähnelnde Johanniskraut oder der Rainfarn herausgerissen werden. Laut Huckauf kommt und geht das JKK wie andere Wildkräuter in Wellen. „Nur wo wir es dulden, werden wir auch die Entwicklung der Antagonisten kennen lernen.“

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