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Überraschungen in der Ostsee

Eckernförde Überraschungen in der Ostsee

Graue Wolken bedecken den Himmel. Doch die elf Kinder und jungen Erwachsenen, die sich Montag zum Keschern am Ostsee-Info-Center (OIC) eingefunden haben, sind fest entschlossen.

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Auf Expedition im Flachwasser der Ostsee: Bjarne (8) und Ole (10) bringen ihren Schiebekescher mit dem Fang an Land.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. „Hose bis zu den Knien hochkrempeln“, empfiehlt Biologin Petra Toetz, die Leiterin der OIC-Aktion. „Und oben warm anziehen.“ Dann geht’s ab ins Flachwasser der Ostsee auf Entdeckungstour nach Lebewesen, die dem Badegast in der Regel gar nicht auffallen.

Am Strand liegen große Schiebenetze bereit und mehrere Wasserbehälter für die Ausbeute. Während die Kinder begeistert zu den großen Keschern greifen und durchs Wasser stapfen, beobachten Eltern von Land aus die Aktion. „Die Kinder wollten hier schon immer mal mitmachen“, erzählt Beate von der Gathen. „Letzte Woche waren sie bereits beim ,Gestalten in weichem Stein’ dabei.“ Das Wetter schreckte die Familie aus Kosel nicht. Ebenso wenig wie Sigrid Herfurth und ihren Sohn. „Für die Kinder ist das Keschern eine tolle Sache“, sagt die Gettorferin. „Bjarne war schon vergangenes Jahr mit und hat viel davon erzählt.“

Die ersten Jungforscher schleppen ihre Netze an den Strand. Harmlose Ohrenquallen und Seegras finden sich darin. Doch wer den Fang unter die Lupe nimmt, entdeckt andere Lebewesen. „Ich hab’ einen Krebs“, ruft Lara (7). Zwischen den Seegrashalmen strampelt eine Strandkrabbe. Auch zwei junge Plattfische landen in den Wasserboxen und eine Seenadel. Biologin Toetz nutzt die Gelegenheit, die Unterschiede zu erläutern. „Beides sind Fische“, erklärt sie den Kindern. „Aber an ihre Lebensräume haben sie sich speziell angepasst.“ Die dünne, wenige Zentimeter lange Seenadel lebt gut versteckt zwischen den Halmen der Seegraswiesen. Der Plattfisch dagegen hält sich auf dem Meeresboden auf und ist durch seine flache Form und die Farbe kaum vom Sand zu unterscheiden.

„Auflandiger Wind spricht eigentlich für viele Tiere“, sagt Toetz, während der Wind durch ihre Haare fährt. Noch ist die Ausbeute vor allem an Garnelen gering. Doch die Biologien weiß, wo etwas zu finden ist. Mit Handsieben gehen die Kinder zwischen die Steine der Mole und durchkämmen die Ritzen – mit Erfolg. Der Fang spaddelt wenig später in den Wasserbehältern. Auch hier spielt das Thema Lebensraum eine Rolle: Die dunkle Steingarnele lebt in den Steinritzen, die helle Sandgarnele auf dem Sandboden.

„Und was ist das?“, fragt die Schweizer Urlauberin Judith Lädrach, die ein Chitin-Skelett hochhält. „Der abgestreifte Panzer einer Strandkrabbe“, klärt die Biologin auf. In ihrem ersten Lebensjahr häuten sich die kleinen Kneifer oft. Das Flachwasser der Ostsee birgt so manche Überraschung.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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