2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Büffeln im fernen Afrika

Zur Schule in Kenia Büffeln im fernen Afrika

Für den Kieler Ernst-Barlach-Schüler Dominik Harken beginnt nächste Woche wieder der Unterricht. Doch dafür muss er nach Afrika reisen. Seine Schule liegt in Kenia.

Voriger Artikel
Widerstand gegen Kiesabbau wächst
Nächster Artikel
Aktivregion verteilt Fördergelder

Dominik Harken (links) und seine Mitschüler besuchen mit ihren Lehrern wie hier auch eine große Musikmesse mit kenianischen Stars. Natürlich tragen alle Schüler Uniform wie früher im Großbritannien. Ab und zu muss die ganze Mannschaft zum Appell antreten.

Quelle: privat/Dominik

Strande. 6.15 Uhr: 5900 Meter dem Himmel näher, die Sonne steigt gleißend empor. Dominik Harken aus Strande raubt es fast den Atem. Kein Wunder. Auf dem Uhuru Peak des Kilimandscharo in Tansania, dem höchsten Berg Afrikas, ist die Luft extrem dünn.Für den gut trainierten 16-Jährigen reicht der Sauerstoff gerade noch aus. So darf der er den majestätischen Anblick fast 30 Minuten genießen.

Dominiks Augen strahlen, als er in Strande auf dem iPad stolz die Fotos von dem besonderen Fünf-Tage-Trip auf eigene Faust mit Bergführer zeigt. „Mein Bergsteiger-Traum hat sich erfüllt“, schwärmt er. Drei Tage noch, dann sind seine Ferien vorbei und er sitzt wieder im Flugzeug nach Ostafrika. Montag beginnt der Unterricht an der Brookhurst International School in Kenias Hauptstadt Nairobi wieder. In die elfte Klasse geht der Schüler des Kieler Ernst-Barlach-Gymnasiums dort. Er ist der einzige und erste Weiße, der in dem 2012 gegründeten privaten Internat mit 80 Schülerinnen und Schülern lebt – nicht im Rahmen eines Austauschs, sondern auf eigene Initiative.

„Ein halbes Jahr nur“, sagt er. „Ich mache im Sommer die mittlere Reife nach Cambridge-Standard. Aber am liebsten würde ich bis zum Abi bleiben. Die meisten Kenianer sind teils extrem arm. Das Leben dort bietet kaum Sicherheiten. Aber die Leute sind so herzlich, sie strahlen, nehmen immer Anteil. Ich fühle mich voll aufgenommen. Das Handy stelle ich meist ab. Ich will ganz dort sein.“

Hier sehen Sie Fotos des Kieler Ernst-Barlach-Schüler Dominik Harken in Kenia.

Zur Bildergalerie

Wie kommt ein Strander auf eine Schule in Nairobi, die in Europa keiner kennt? Dominik blinzelt seiner Mutter zu. Seine Eltern sind Lehrer. Vor 25 Jahren entdeckte das abenteuerlustige Paar Kenia durch ihre Schule in Kappeln. Die betrieb zeitweise einen kurzen Austausch mit einer afrikanischen Schule. Danach arbeiteten beide fünf Jahre in Athen an der deutschen Schule, bevor sie wieder in Deutschland unterrichteten. Dort wuchsen Dominik und seine Schwester auf. „Seitdem wollen wir immer ins Ausland“, berichtet er. Die Eltern haben Verständnis und waren glücklich, als sich der Sohn für Afrika interessierte. „Da haben wir im Internet gesucht, wo ich zur Schule gehen könnte und wo das Schulgeld für uns bezahlbar ist.“

Zwei Terms von je drei Monaten darf Dominik vorerst im Schulinternat bleiben, in dem Englisch gesprochen werden muss. „Ein Zuckerschlecken ist das nicht“, stellt er klar. Mündliche Noten gibt es zwar nicht. Aber ständig werden Klausuren geschrieben. Täglich bis 16 Uhr wird gebüffelt, dazu öfter auch am Wochenende und abends. „Zum Abschluss des Terms haben wir bis zu drei Klausuren jeden Tag. Wir motivieren uns gegenseitig, die Lehrer sind nett. Und wir spielen Fußball, Rugby, Basketball zum Ausgleich und haben viel Spaß.“

Außerdem joggt Dominik hier auf einer Höhe von 2000 Metern viel. „Ich wollte topfit für den Kili sein, mein großes Ziel“, verrät er. Klettern und Bergsteigen in den Alpen sind schon lange seine Leidenschaft. Doch einen 6000er zu besteigen, und das ohne Gruppe und in Rekordzeit, ist eine extreme körperliche Herausforderung. So wurde sein tansanischer Mitwanderer bei 5600 Metern auch höhenkrank. Doch er hat geduldig auf Dominik und den Bergführer gewartet, als sie nach über 24 Stunden auf den Beinen überglücklich vom der letzten harten Etappe zurückkehrten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3