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„Die teuerste Gemeinde im Umkreis“

Gettorf „Die teuerste Gemeinde im Umkreis“

Dicke Luft im Gettorfer Sozialausschuss: Die geplante Gebührenerhöhung in den Kindertagesstätten der Gemeinde sorgt für Zündstoff bei Eltern und Kommunalpolitikern. Am Montagabend entwickelte sich daher im Rathaus eine emotionale Debatte.

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Indianische Totempfahle malen Lia (6), Christopher (5) und Mia (4, von links) aus der Kindertagesstätte Am Sportplatz. Unterdessen nimmt die politische Debatte über Gebührenerhöhungen für kommunale Kitas in Gettorf Fahrt auf.

Quelle: Jan Torben Budde

Gettorf. Die Bedarfsberechnung der Verwaltung – entstanden in Absprache mit dem fraktionsübergreifenden Kita-Arbeitskreis – sieht einen Anstieg der Elternbeiträge von bis zu 26 Prozent vor. Kostproben: Nach den Plänen erhöht sich die Gebühr bei einer fünfstündigen Betreuung für Kinder über drei Jahren (Ü3) um 35 Euro auf 170 Euro pro Monat – für U3-Kinder werden für den gleichen Zeitraum künftig 290 Euro statt 245 Euro fällig. Geben Finanzausschuss und Gemeindevertretung grünes Licht, gelten die Änderungen ab 1. September.

 Zähneknirschend verfolgten Gettorfer Mütter die Beratungen – und sagten dem Ausschuss ihre Meinung. „Ich bin erschrocken“, ärgerte sich Jana Maring aus dem Kita-Beirat. Eine Erhöhung sei mit Blick auf den Haushalt zwar nachvollziehbar, doch eine Steigerung bis zu 26 Prozent auf einen Schlag fand die Mutter happig. Ihre Mitstreiterinnen applaudierten. Bodil Maria Busch (Grüne) warb für Verständnis. Zumal die Gemeinde den Löwenanteil des kommunalen Kita-Defizites trage. Jörg Neubauer vom Amt bezifferte es mit rund einer Million Euro. Laut Schätzung übernimmt die Gemeinde etwa die Hälfte und das Land 20 Prozent, der Elternanteil liegt bei etwa 28 Prozent. Nach seinen Angaben wurden die Kita-Gebühren seit drei Jahren nicht erhöht. Angestrebt werde, wie auch in anderen Wohld-Gemeinden, zumindest einen 30-prozentigen Elternanteil zu erreichen.

 Im Kita-Bereich verzeichnet Gettorf steigende Personal- und Sachkosten, weil die Kinderzahl aufgrund von Baugebieten zunimmt (wir berichteten). Die Verwaltung rechnet mit Gesamtkosten von rund zwei Millionen Euro. Tagespflege, Naturgruppe, Sozialstaffel und Versicherungen gehen ins Geld: „Ich habe kein schlechtes Gewissen“, sagte Ausschussvorsitzender Gerhard Witte (SPD) mit Blick auf die neuen Sätze. Sein Fraktionskollege Tim Selzer stimmte unterdessen gegen die Erhöhung: „Wir sind die teuerste Gemeinde im Umkreis.“ Ihm schwebte eine schrittweise Anhebung vor. „Unsere Kosten steigen aber immer weiter“, entgegnete Bodil Maria Busch, „wir haben ein Riesenproblem, wenn wir die Gebühren jetzt nicht erhöhen.“ Es gehe darum, den Haushalt auszugleichen. Ebenso wenig erfreue die Bürger ein Anstieg der Steuern. Kritik am Beschluss kam von der FDP. „Wichtig wäre es nicht nur gewesen, die Eltern an der Entscheidungsfindung zu beteiligen. Es hätte auch einer größeren Transparenz bei der Gesamtkostenkalkulation bedurft“, teilte Vorsitzender Thorsten Wilke mit.

 Ein weiteres Thema im Ausschuss war die sogenannte Aktivachse am neuen Gettorfer Sportzentrum. Landschaftsarchitekt Johannes Kahl präsentierte im Saal drei Modelle, die in einem Workshop mit Bürgern entstanden waren. Es gibt viele Ideen zur Gestaltung des 120 Meter langen Streifens: unter anderem Grillplatz, Grünflächen, eine Bühne für Konzerte, Fitnessgeräte, Bäume, ein Wasserspiel oder eine Tanzfläche. Wittes Vorschlag, die Modelle im Rathaus auszustellen, um weitere Anregungen zu sammeln, stieß auf Zustimmung. Noch in diesem Jahr solle die Entscheidung für ein Modell fallen.

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