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Englisch ist der Burner

Strande Englisch ist der Burner

Englisch lernen ist in Strande ein Kinderspiel. Nach neun Monaten mit der Amerikanerin Sandra Castello als zusätzliche Kraft in der Kita Strander Möwe zieht Leiterin Birgitt Knudsen Bilanz. „Wir machen im neuen Kindergartenjahr weiter mit der Zweisprachigkeit.“

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Englisch mit Sandra (hinten): Die Kinder der Kita Strander Möwe baden mit der jungen Pädagogin aus San Francisco quasi in der Sprache. Englisch ist für sie längst Alltag geworden. Sie haben Spaß, mit Sandra zu singen und jetzt auch selbst auszuprobieren, wie man Englisch spricht. Für sie ist es ein Spiel.

Quelle: Cornelia Müller

Strande.  Junglehrerin Sandra aus San Francisco spricht mit den Kindern nur Englisch, obwohl sie selbst zweisprachig aufgewachsen ist. Doch anfangs waren einige Strander Eltern skeptisch. Würden ihre Schützlinge wirklich profitieren, wenn keine Vokabeln gepaukt werden? Sollten sie nicht erst gründlich Deutsch lernen? Würde eine Fremdsprache sie verwirren?

 Der Elternverein und das Team der Kita der Brücke Rendsburg-Eckernförde um Knudsen, die Kontakte zu dem aus Norddeutschland stammenden Deutsch-Prof. Volker Langbehn an der San Francisco State University hat, blieben dennoch am Ball. Mütter und Väter sowie DRK-Ortsverein hatten Geld und Spenden aufgebracht, um Sandra Castello ein Jahr lang freie Kost und Logis sowie ein gutes Taschengeld für ihre pädagogische Tätigkeit ab August 2014 zu ermöglichen. Die inzwischen 23-Jährige mit doppelter Staatsbürgerschaft hatte gerade ihren US-Bachelor-Abschluss in Deutsch in der Tasche und brachte zudem Erfahrung mit Kindergartenarbeit auf Deutsch für amerikanische Kinder mit. In Deutschland geboren war sie als Neunjährige mit dem Vater in die USA übergesiedelt und hatte ebenfalls „nebenbei“ im zweisprachigen Schulunterricht die neue Sprache gelernt.

 „Die Kinder waren nur am Anfang zurückhaltend“, berichtet sie. „Aber die Neugier überwog, sie wollten mich ja gern verstehen. Sie wünschten sich schnell, dass ich ihnen vorlese, mit ihnen singe, mit ihnen turne, obwohl sie anfangs kein Wort verstanden. Sie freuen sich auf mich. Inzwischen benutzen sie gern selbst englische Wörter. Dabei können sie genau unterscheiden, was welche Sprache ist.“

 „Das übertrifft meine Erwartungen“, bestätigt Kita-Leiterin Knudsen. „Auch für uns war der Beginn gewöhnungsbedürftig. Wir waren unsicher, ob wir 50 Kinder in zwei Gruppen so einem Sprachbad so einfach überlassen können. Hinzu kommt, dass sich die Kindergartenarbeit in den USA von unserer unterscheidet. Für Sandra war unser pädagogisches Konzept fremd.“ „Stimmt“, sagt Sandra. „Auch wenn beides westliche Kulturen sind, hat sich schnell gezeigt, dass Europäer anders ticken als Amerikaner. Die Kinder aber sind gleich: offen, neugierig, aufnahmebereit. Das ist eine tolle Brücke und macht Freude. So bin auch ich in etwas Neues hineingewachsen.“

 Das hatten Langbehn und der Kieler Sprachwissenschaftler und Anglist Prof. Henning Wode, der den natürlichen Zweitsprachenerwerb wissenschaftlich begleitet, vorausgesagt. „Wenn man Zweisprachigkeit in der Schule nahtlos fortsetzt, sind Kinder im Englischen bald perfekt wie Muttersprachler“, sagt Wode. Bei der Strander Möwe geht es so nahtlos weiter: Fürs nächste Kindergartenjahr stehen zwei Bewerberinnen aus den USA und aus Südengland auf der Matte. Der Weg ist jetzt über den Bundesfreiwilligendienst geebnet. Bleibt nur noch abzuwarten, ob auch die Fortsetzung in der Schule für Strandes Kinder klappt.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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