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Abschiebung im Morgengrauen

Flüchtlinge Abschiebung im Morgengrauen

Es ist eisig, dunkel und menschenleer in einer Nebenstraße in Eckernförde. Jörn Petersen hat vergeblich an der Haustür des hell getünchten Altbaus Sturm geklingelt. Jetzt strafft der Leiter des Ausländeramts sich und klopft mit der Faust an die Tür. Es ist 6 Uhr, eine Abschiebung beginnt.

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Die Ausländerbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde schiebt einen 25 Jahre alten Albaner ab. Doch zunächst steht ihr Leiter Jörn Petersen vor verschlossener Tür.

Quelle: Hans-Jürgen Jensen

Eckernförde. "Der Vollzug der Ausreise gestaltet sich nach wie vor als schwierig", hat Landrat Rolf-Oliver Schwemer im Kreistag gesagt. Was das heißen kann, erleben Jörn Petersen, sein Kollege Thorsten Ollermann, zwei Polizeibeamte, eine Dolmetscherin aus Kiel und ein Notarzt aus Hamburg an diesem Dienstag im Morgengrauen in Eckernförde. Es ist die erste Abschiebung in diesem Jahr. Und der 25 Jahre alte Albaner wehrt sich.

Plötzlich zückt er ein Messer

Plötzlich hat der Mann ein Klappmesser in der Hand, droht, sich die Ader aufzuschneiden. Das sah gefährlicher aus als es war, wird später der Arzt sagen. Aber zunächst wird es hektisch. Petersen spricht auf dem Vater des Mannes ein: "Überzeugen Sie ihn, dass er das Messer weglegen soll. Das Messer muss weg." Nach und nach entspannt sich die Lage, der Mann gibt das Messer ab, der Arzt gibt ihm eine Beruhigungstablette.

Gegen 7.10 Uhr steigt der Albaner ins Polizeifahrzeug, das ihn zum Hamburger Flughafen bringt. Für Petersen war es "die vierte oder fünfte Abschiebung". Und die erste mit einem Messer im Spiel: "Eine unschöne Geschichte. Da mussten wir durch. Wir sind die Vollzugsbehörde."

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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