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Kritischer Pilzbefall bei Eschen

Hüttener Forst Kritischer Pilzbefall bei Eschen

Ein winziger Pilz bedroht die Eschen im Hüttener Forst. Hymenoscyphus pseudoalbidus kam aus dem Nordosten Europas nach Deutschland und hat seit 2007 einen großen Teil unserer Eschen dahingerafft. Förster Thomas Kahn aus Hütten: „Ich freue mich über jede Esche, die noch kein Zeichen hat.“

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Ist unten am Stamm bereits abgestorbenes Gewebe, ist die Esche verloren. Durch die Erkrankung an Hymenoscyphus pseudoalbidus gelangen weitere schädliche Pilze in das Holz und zersetzen es.

Quelle: Birgit Johann

Fleckeby/Hütten. Der winzige Pilz trägt den wissenschaftlichen Namen Hymenoscyphus albidus – Weißes Stängelbecherchen. Er ernährt sich von Falllaub, und seine Art gehöre bei uns schon seit der Eiszeit zum Ökosystem, sagt Förster Thomas Kahn aus Hütten. Allerdings hat der zwei bis sieben Millimeter große Schlauchpilz einen Doppelgänger, der nur mit molekulargenetischen Methoden von ihm zu unterscheiden ist, leider aber ein völlig anderes Verhalten an den Tag legt: Hymenoscyphus pseudoalbidus, oder auch Chalara fraxinea, kam aus dem Nordosten Europas nach Deutschland und hat seit 2007 einen großen Teil unserer Eschen dahingerafft.

 „Ich freue mich über jede, die noch kein Zeichen hat.“ Als Revierförster über 1200 Hektar Flächen Landeswald zwischen Fleckeby an der Großen Breite und Sehestedt am Nord-Ostsee-Kanal hat Kahn seit einigen Jahren die zeitaufwendige und unerfreuliche Aufgabe, sorgfältig nach kranken Eschen zu suchen. Müssen sie gefällt werden, markiert er sie mit einem pinken Strich. Denn er ist dazu verpflichtet, die totgeweihten Edellaubbäume ausfindig zu machen, bevor ihr festes und elastisches Holz wertlos wird. Selbst die Landesforsten sind eben nicht nur Ökosystem sondern auch Wirtschaftsbetrieb.

 Und Erholungswälder für den Menschen. Dies ist der zweite Grund, warum die von dem weißen Schlauchpilz heimgesuchten Eschen akribisch untersucht werden müssen. Anders als die heimische Art des Stängelbecherchens liebt der laut Forschungsstand ursprünglich aus Japan stammende Chalara frische Eschenblätter und wandert über sie mit seinem Myzel in die Leitungsbahnen des Baums. Erst stirbt das Grün ab, dann kleinere Äste, die Krone wird licht. Zwar versucht der Baum zunächst, mit verstärktem, pulkartigem Astwachstum dagegenzuhalten, wird dabei aber immer schwächer. Seine Wurzel bekommt nur noch ungenügend Nährstoffe und kann ihrerseits nicht mehr den Baum mit Wasser versorgen. Das Holz stirbt ab, was zuerst am Stammfuß zu sehen ist. Und irgendwann kippt der Riese einfach um – der Alptraum jedes Försters.

 Vor allem an den Wegen heißt es darum, rechtzeitig zu handeln. Langjährig erfahren in seinem Beruf, kann Kahn den Zustand der Eschen an ihren Kronen erkennen. In der Fleckebyer Gemarkung Appeljord zeigt er auf einige erkrankte, 30 Jahre und gut 30 Meter hohe Exemplare. „Ist die Krone zu 50 Prozent ausgedünnt, wird es kritisch.“ Gefällt werden muss der Baum, wenn am Stammfuß besagte Nekrosen auftauchen, was Kahn mit einem Messer testet. Denn dann haben auch schon andere Pilze die geschwächte Esche besiedelt und sie ist auf dem Weg zum Totholz.

 Die düstere Bilanz lautet, dass heute bei uns die meisten dieser Bäume erkrankt sind. In Sehestedt betreut Kahn ein Areal, dass nach seinen Worten sogar inzwischen 90 Prozent tote Eschen aufweist. Der geschätzte Gesamtanteil dieser Baumart in seinem Revier beträgt 15 Prozent. Immer wieder aber entdeckt er direkt neben infizierten auch kerngesunde Vertreter. Offenbar sind sie immun gegen den Pilzbefall. Dass die Esche ausstirbt, will Kahn deshalb nicht so schnell glauben: „Man muss abwarten.“ Auch Ulmen, einst wegen einer über den Ulmensplintkäfer übertragenen Krankheit bei uns fast verschwunden, könne man ja jetzt erfreulicherweise wieder in unserer Landschaft beobachten.

 Die Esche (Fraxinus excelsior), aus der germanischen Mythologie als Weltenbaum bekannt, ist eine zweihäusige Baumart. Es gibt also weibliche und männliche Eschen. Sie können 120 Jahre alt und 40 Meter hoch werden, womit sie zu unseren höchsten Laubbäumen zählen. Ihr festes Holz ist elastisch und gut für Möbel und Werkzeugstiele geeignet. Anders als die Buche verträgt die Esche auch feuchtere Standorte. Allerdings ist sie hier nach Beobachtungen des Försters Thomas Kahn deutlich stärker gefährdet, an Hymenoscyphus pseudoalbidus zu erkranken. Auf jüngere Eschen wirkt sich die Infektion oft schneller verheerend aus als auf ältere.

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