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„Blind Dates“ der besonderen Art

Rieseby „Blind Dates“ der besonderen Art

„Menue Kontrovers“ heißt das interkulturelle Projekt der Kieler Künstlerin Susanne Kollmann. Hinter dem Titel verbergen sich Blind Dates, bei denen Einheimische und Flüchtlinge bei gutem Essen ungezwungen ins Gespräch kommen. Auch der „Riesby Krog“ in Rieseby beteiligte sich an der Aktion.

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Sylke Willig (links) sowie Ghalia und Ahmad Alloush unterhalten sich und genießen ein syrisches Menü.

Quelle: Jan Torben Budde

Rieseby. Ein Blind Date in einem Restaurant ist aufregend. Einander fremde Menschen verabreden sich zum Essen. Doch an diesem Abend steht nicht der Wunsch nach einer Liebesbeziehung – wie sonst meist üblich – im Vordergrund. Es geht es den Austausch von Erfahrungen, Erinnerungen und Geschichten zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Kann eine kulinarische Perspektive den Blick auf Syrien verändern? Dieser Frage geht die Kieler Künstlerin Susanne Kollmann mit ihrem interkulturellen Projekt „Menue Kontrovers“ nach. Ihre Idee: „Blind Dates“ bei einem syrischen Menü und Kerzenschein in fünf Restaurants der Landeshauptstadt und in Rieseby sollen Aufschluss geben.

 Sonnabendabend, „Riesby Krog“. „Es war schon aufregend“, verrät Sylke Willig. Das Blind Date ist für die 48-Jährige eine neue Erfahrung. Für das syrische Ehepaar Ahmad (28) und Ghalia Alloush (26) war die Verabredung zum Essen mit einer Fremden ebenfalls eine Premiere. Doch nach Minztee, Falafel, Linsensuppe und einer angeregten Unterhaltung auf Englisch ist das Lampenfieber schnell vorüber. Im Herbst strandeten die Flüchtlinge in Deutschland, sind nun bei einer Familie in Rieseby untergebracht. Er fühle sich hier willkommen, sagt der IT-Fachmann – und vor allem sicherer als in seinem Heimatland. Bei der arabisch-türkischen Süßspeise Knafeh erfährt Sylke Willig, die in der Migrationsberatung des Kreises Schleswig-Flensburg arbeitet, einiges über das Leben in Syrien vor und während des Bürgerkrieges. „Ich finde die Idee wunderbar, Menschen auf diese Art kennen zu lernen“, sagt die Riesebyerin. Unterdessen freuen sich Ahmad und Ghalia Alloush fernab der Heimat darüber, ein Gericht wie Lammgulasch mit Aprikosen und Gewürzreis zu genießen.

 Gern stellte sich Maria von Randow der Herausforderung, Speisen aus einer anderen Kultur zuzubereiten. „Es ist mir wichtig, immer wieder deutliche Zeichen zu setzen für Freundlichkeit, Verständnis und das Kennenlernen von Neuem“, sagt die Köchin, die einige Zutaten in Hamburg besorgte, wo syrische Freunde leben. Gleich drei Tische sind an diesem Abend für Blind Dates reserviert. Immer wieder betont sie: „Es ist kein Event.“ Sie betrachte das „Menue Kontrovers“ ihrer Bekannten Susanne Kollmann als eine „außergewöhnliche Kunstform im praktischen Leben“.

 Werden Fremde zu Freunden? „Man sollte sich ein Bild von den Menschen machen, was am besten im persönlichen Gespräch gelingt“, sagt Susanne Kollmann. Das interkulturelle Projekt, wofür die Künstlerin, Journalistin und Historikerin etwa ein Jahr Interviews mit Syrern führte, ist übrigens noch vom 3. bis einschließlich 5. Dezember, jeweils 15 bis 18 Uhr (am Sonnabend mit Finissage ab 18 Uhr) in der Galerie Kunstraum B an der Wilhelminenstraße in Kiel zu sehen. bud

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