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Kein leichter Weg zurück zur Natur

Osdorf Kein leichter Weg zurück zur Natur

Landwirt Matthias Hammerich aus Osdorf nimmt am Förderprogramm „Vertragsnaturschutz“ des Landes Schleswig-Holstein teil. Vertraglich hat er sich verpflichtet, sein Ackerland fünf Jahre lang nicht zu bebauen und stattdessen Wildpflanzen auszusäen. Doch das klingt leichter, als es ist.

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Einen Teich mitten auf der Weide (hinten rechts): Matthias Hammerich hat im Rahmen des Förderprogramms „Vertragsnaturschutz“ für Wildgänse eine Brutmöglichkeit geschaffen.

Quelle: Anne Steinmetz

Osdorf. Der Löwenzahn leuchtet gelb in der Sonne. Einige Pflanzen sind bereits verblüht und haben sich in Pusteblumen verwandelt. Daneben wachsen Brennnesseln, Disteln und Sauerampfer. In einiger Entfernung jagt ein Hasenpärchen über die Wiese.

 „Bis vor fünf Jahren habe ich hier noch Mais und Getreide angebaut“, erzählt Matthias Hammerich. Der Landwirt aus Osdorf zeigt auf die Wiese und erzählt von den Tieren, die sich dort zuweilen tummeln: „Im Sommer gibt es unzählige Schmetterlinge, außerdem Rebhühner, Fasane und sogar Damwild.“ Tiere, die er vorher nur selten gesehen habe, lebten jetzt direkt vor seiner Haustür, sagt er.

 Der Landwirt nimmt am Förderprogramm „Vertragsnaturschutz“ des Landes Schleswig-Holstein teil. Vertraglich hat er sich verpflichtet, sein Ackerland fünf Jahre lang nicht zu bebauen und stattdessen Wildpflanzen auszusäen. Rund 650 Euro pro Hektar und Jahr gibt es im Gegenzug dafür. Hammerich betreibt eigentlich konventionelle Landwirtschaft, er hat eine Bullenmast, baut Mais an und hält Mutterkühe. An dem Förderprogramm hat er zunächst vor allem aus finanziellen Gründen teilgenommen, nachdem der Getreidepreis mal wieder gefallen war. „So viel Geld muss man erst mal erwirtschaften“, sagt er. Einen Beitrag zum Naturschutz hat er aber auch gerne geleistet.

 Ziel des Förderprogramms, das von der Landgesellschaft Schleswig-Holstein betreut wird, ist es, verschiedenen Tierarten einen Lebensraum zu geben. Besonders Feldvögel wie Ackerlerchen oder Rebhühner sollen so wieder stärker in Schleswig-Holstein angesiedelt werden.

 Denn wie jüngst der Artenschutzreport des Bundesamts für Naturschutz deutlich gemacht hat, ist jede dritte Art in Deutschland gefährdet. Grund dafür sei unter anderem die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Flächen. Auch der Nabu Schleswig-Holstein mahnt anlässlich des gestrigen Tages der biologischen Vielfalt den dramatischen Rückgang der Feldvögel an und macht die Landwirtschaft dafür mit verantwortlich.

 Die Landesregierung versucht, über den Vertragsnaturschutz dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Bereits seit den 80er Jahren gibt es für Bauern die Möglichkeit, ihrem Weideland eine naturnahe Struktur zurückzugeben. Auch für dieses Programm hat Matthias Hammerich einen Vertrag mit der Landgesellschaft abgeschlossen, vor etwa zehn Jahren schon. Dieser besagt, dass nur drei Kühe und ihre Kälber auf einem Hektar Weideland stehen dürfen, außerdem darf das Land nicht gedüngt und nicht gespritzt werden. Renaturierungsmaßnahmen auf den Weideflächen gehören auch dazu.

 „Wir haben hier vor einigen Jahren einen Teich gebaut, später dann noch eine Insel in die Mitte gesetzt“, sagt Matthias Hammerich. Er steht auf seiner Weide und schaut auf das Wasser. Gerne komme er hierher sagt er, es sei schön, die Kühe hier grasen zu sehen. Auf der Insel brüten inzwischen Wildgänse, völlig geschützt vor Raubtieren.

 „Ich halte solche Förderprogramme für sinnvoll“, sagt Nabu-Sprecher Ingo Ludwichowski. Ihm reichen sie allerdings nicht weit genug: „So lange die Intensivierung der Landwirtschaft weiter vorangetrieben wird, ist das nur Kosmetik.“

 Auch Matthias Hammerich sieht Probleme bei den Förderprogrammen, vor allem bei den „Ackerlebensräumen“. Das untersagt ihm, während der fünfjährigen Vertragsdauer, in das Pflanzenwachstum auf dem Acker einzugreifen. Disteln wurden so zu einem Problem: „Im Sommer sind die weißen Samen überall durch die Luft geflogen.“ Ärger mit den Nachbarn habe es deswegen gegeben. Und auch sein Verpächter war mit dem Wildwuchs auf dem Acker nicht einverstanden. Hammerich hat den Vertrag für die Begrünung seiner Äcker deshalb nicht verlängert und auf einigen schon wieder Mais gesät. Wegen der vielen Tiere auf seinen Wiesen tut ihm das sehr leid.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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