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Solawi verbindet Kunden und Erzeuger

Solidarische Landwirtschaft Solawi verbindet Kunden und Erzeuger

Permanenter Preisdruck zwingt viele Landwirte, immer intensiver und mehr zu produzieren. Mit allen problematischen Folgen für die Umwelt. Ein Teufelskreis, zu dem es Alternativen gibt. Solawi ist eine davon. Die Solidarische Landwirtschaft verbindet Kunden und Erzeuger.

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Der Ernte-Anteil kommt: Anja Rolf (rechts) liefert ihn mit dem Kombi am Depot Hof Rossee bei Eckernförde an. Tim Lemke und Katrin Meißner freuen sich auf frischen Salat, Gemüse, Milchprodukte und Brot.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde/Schinkel. Sie ermöglicht bäuerlichen Betrieben ein planbares Auskommen und nachhaltiges Wirtschaften, im Gegenzug erhalten die Abnehmer ihren Ernteanteil an frischen Lebensmitteln aus der Region von hoher Qualität. Seit Oktober funktioniert so auch die Solawi Schinkeler Höfe – eine von über 100 bundesweit. Ein kollektives Aufbegehren gegen die Macht der Agrarindustrie.

Anja Rolf fährt mit dem Kombi vor. Im Kofferraum stapeln sich Kisten mit Gemüse, Salat, Milchprodukten, Fleisch und Brot. Am Depot Hof Rossee bei Eckernförde, einem von fünf der Solawi Schinkeler Höfe, warten schon die Abnehmer. Jeder packt mit an, bis alles ausgeladen ist. Wie ein kleiner Wochenmarkt wirken die aufgereihten Schätze von Höfen und Bäckerei. Sechs Anteil-Nehmer teilen sich das Depot. „Ein Ernte-Anteil reicht für zwei Personen oder eine kleine Familie“, erläutert Anja Rolf. Unterdessen werden die Lebensmittel aufgeteilt. „Kann ich meinen Sellerie schon nehmen?“, fragt Tim Lemke. „Und wie war das bei Euch mit den Eiern?“ „Könnt Ihr haben“, lautet die Antwort. Unkompliziert geht es hier zu. Quark wird in mitgebrachte Schälchen aufgeteilt. Verpackungsmüll fällt nicht an.

Kein Abfall, kurze Wege – das ist nur ein Vorteil der Solawi. Die Mitglieder wissen vor allem die Qualität der Lebensmittel „direkt vom Hof“ zu schätzen. „Alles ist Bioland, total frisch und aus der Region“, freut sich Michael Lehmann von der Kommune Hof Rossee. Und Lemke ist es wichtig, wieder näher dran zu sein am Lebensmittel. Denn das liegt hier nicht anonym im Regal. „Wir wissen genau, wo die Ware herkommt, die Wertschätzung für die einzelnen Produkte ist gewachsen“, sagt er. Entsprechend wird auch bei der weiteren Verarbeitung möglichst alles verwertet. Nicht sofort Nutzbares lässt sich einkochen. Für Lemke ist die Solawi aber auch Teil eines Solidargedankens für den Erhalt von bäuerlicher Landwirtschaft. „Den wollen wir unterstützen. Denn kleine Bioerzeuger investieren viel Arbeit, bekommen aber relativ wenig Geld dafür.“

Die Abnehmer stehen in einem ständigen Dialog mit den beteiligten Betrieben. Mengen und Art der Produkte können so – in bestimmten Grenzen – beeinflusst werden. Zudem gibt es jede Woche Rundbriefe von den Höfen, die über Aktualitäten und Neuerungen informieren. „Es ist ein starkes Wir-Gefühl entstanden“, sagt Lemke. „Ein ganz großer Gemeinschaftsgedanke.“ Michael Lehmann begrüßt in diesem Zusammenhang auch gemeinsame, freiwillige Ernteaktionen. Die machen nicht nur Spaß. „Man bekommt auch das Gefühl: Das sind unsere Kartoffeln oder unsere Rote Bete.“

Nach einer Gründungsversammlung im September, auf der sich die Betriebe vorgestellt hatten, wurde die Solawi Schinkeler Höfe ins Leben gerufen. Inzwischen sind hier 50 Abnehmer zusammengeschlossen, deren Ernteanteile für insgesamt gut 100 Personen ausreichen. Ab 1. Juli beginnt ein neues Wirtschaftsjahr, für das wieder neue Abnehmer aufgenommen werden. Trotz vieler Nachfragen will sich die Solawi maßvoll zunächst auf bis zu 110 Abnehmer erweitern. Hier soll Gemeinschaft entstehen können. Auch Logistik und Depots müssen „gesund wachsen“, so Lemke. Ein weiterer Ausbau ist aber geplant.

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Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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