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Mal kritisch, mal humorvoll

Lange Nacht der Kunst Mal kritisch, mal humorvoll

Nach Literatur, Musik, Theater & Tanz nun die Kunst: In der letzten Langen Nacht der vierteiligen Reihe, veranstaltet von der Stadt Eckernförde, öffneten Kunst- und Kulturschaffende am Sonnabend ihre Ateliers, Werkstatträume und Galerien.

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Die Big Band Magic 25 mit Frontsängerin Hanne Pries sorgt für Stimmung im „Carls“ auf der Carlshöhe.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Viele überraschten an ungewöhnlichen Orten – wie beispielsweise der Kunst- und Kulturverein in der Bürgerbegegnungsstätte. Dort gab es Schachteln zu sehen, und zwar in jeder Größe und in jedem Fall mit überraschendem Inhalt – mal humorvoll, mal kritisch und zum Nachdenken anregend. So zum Beispiel die Packung mit dreierlei Schaumküssen und einem Foto von Martin Luther-King, dem farbigen amerikanischen Bürgerrechtler, der 1968 ermordet wurde. Ob schwarz, kaffeefarben oder weiß, innen schmeckten sie alle gleich. Guten Appetit – so einfach kann die Darstellung des Kampfes um Gleichberechtigung sein.

 Auch der Inhalt eines Zirkelkastens aus den 1950er Jahren ließ den Betrachter innehalten: Dort hinein hat Vereinsmitglied Christine Röthlin aus Holtsee die Menge an Medikamenten gesteckt, die den 27 Schülern einer Grundschule derzeit täglich verabreicht wird. „Zur Beruhigung für die verhaltensauffälligen Kinder“, so Röthlin.

 Wer den Anspruch hatte, an diesem Abend alle Stationen der Langen Nacht zu besuchen, sah sich eines Besseren belehrt. Allein 15 Kunstveranstaltungen waren zu bereisen, und wer den Weg zur Carlshöhe fand, der sah sich mit weiteren Atelieröffnungen konfrontiert, die die Besuchsmöglichkeiten gleich mindestens verdoppelten. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb der Ansturm auf die dortigen Ateliers magerer ausfiel als erwartet.

 Für Peter-Harry Benzner und seine Besucher in dessen Druckwerkstatt war das kein Problem. Etwas mehr Ruhe ließen ihn und seine Besucherin Christiane Lucas produktiv werden und sich Kaltnadelradierungen zuwenden. Mit spitzer Nadel bearbeiteten sie Acrylglas, sie für ein Frauenporträt, er für die Komposition einer Industrielandschaft. „Für mich ist es wichtig, die Prozesse handwerklicher Technik zu probieren“, so Benzner. „Es ist reizvoll, sich durch etwas hindurcharbeiten zu müssen, auch wenn es zunächst mühsam erscheint.“

 Langfristig angelegt ist auch das Projekt des Künstlers Fognin, mit bürgerlichem Namen Markus Feuerstack. Er lädt seine Besucher ein, sich mit einem Gedicht in seine Kunst einzubringen. Dafür macht er ein Foto, das anschließend als Vorlage für einen Holzschnitt dient. Dieser und das Gedicht werden dann künstlerisch um- und zu einem Ganzen zusammengesetzt. „Das wird noch etwas dauern“, so Fognin, der sich freute, dass doch einige Besucher mutig genug waren, um sich auf das Experiment einzulassen.

 Bequem zurücklehnen konnten sich hingegen die Besucher im „Carls“ ein Haus weiter beim Auftritt von Magic 25. Weiße Anzüge und schwarze Hemden prägten die 25 Musiker auf der Bühne und vermittelten ein wenig Saturday-Night-Feeling. Die Big Band begeisterte die etwa 150 Besucher, die es allerdings aufgrund der Sitzordnung schwer hatten, spontan aufzustehen und ein Tänzchen zu wagen. Nur ein paar ganz Mutige trauten sich in das Feld zwischen Band und Publikum auf das Parkett. Hanne Pries als eine von drei Frontfrauen stimmte Street Life an, Wolfgang Sponholz als Joe-Cocker-Imitator dagegen Summer in the City. Zum Abschluss gab es You never can say Goodbye, und um 24 Uhr endete die Lange Nacht – bis zur Fortsetzung im nächsten Jahr.

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