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Spannende Welt der Worte

Literatur-Nacht Spannende Welt der Worte

Jazz-Lyrik, Plattdeutsches, Frauen-Leseabend, Krimi-Hörspiel oder Künstlerhaus-Gespräch? Die Qual der Wahl hatten am Sonnabend die Besucher der Langen Nacht der Literatur in Eckernförde. Insgesamt 13 Veranstaltungen an verschiedenen Orten der Innenstadt lockten zu literarischen Kostproben.

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Live-Hörspiel im Museum: Die Gruppe Unisono mit (v.l.) Gerhard Breier, Claudia Unzen, Jürgen Todt, Petra Moritz, Rachel Unzen inszeniert einen Krimi.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Und trotz regnerisch-stürmischen Wetters machten sich viele auf den Weg, um einzutauchen in die Welt der Worte und Buchstaben.

 Peter Hertel hat sich für den Bus entschieden. Doch nicht für irgendeinen. Die Linie 3 des Stadtverkehrs verwandelt sich bereits am Nachmittag zur rollenden Lyrik-Lesung. „Eine neue Erfahrung“, findet der Besucher aus Bremen. „Und eine tolle Idee.“ An der Haltestelle Bahnhof steigen Silvia-Luise Wöhlk, Oluf Castagne und Martin Klimach-Dreger mit ein. Sie haben Gedichte aus eigener Feder mitgebracht. Manches wortspielerisch wie Castagnes „Keine Zeit“. Das passt zum eng getakteten Bus-Plan. Doch diesmal nehmen sie sich viele, die Zeit. „Manche Fahrgäste legen sogar eine Runde drauf, um mehr mitzubekommen“, freut sich Wöhlk.

 Drauflegen, das geht am Abend im Museum nicht mehr. „Wegen Überfüllung geschlossen“, steht auf der Eingangstür. Im großen Saal haben 70 gebannte Zuhörer Platz genommen, die dem Täter auf die Spur kommen wollen. Vorne lesen lebhaft die Protagonisten, gespielt von der Gruppe Unisono aus Claudia Unzen, Petra Moritz, Jürgen Todt und Gerhard Breier. Umgeben von Requisiten und Einspielungen der Geräuschemacherin Rachel Unzen, entwerfen sie ein illustres Krimi-Szenario als Live-Hörspiel mit vielen Anspielungen an bekannte Autoren und Figuren.

 Wer den anderen Literatur-Versuchungen widerstanden hat, landet im Künstlerhaus. Hier ist es ruhiger, nahezu andächtig. Der beleuchtete Engel vom Rundsilo schickt seinen Schein durchs Fenster, während die Lyrikerinnen Doris Runge und Heide Jahnke im konzentrierten Halbdunkel sich mit dem Publikum auf eine poetische Reise zum Herbst-Thema „Vergänglichkeit und Innehalten“ begeben. „Gedichte sind ein Entgegenstemmen gegen die Vergänglichkeit, der Versuch, etwas festzuhalten“, sagt Jahnke, bevor sie ihr Gedicht „Novembersonne“ liest. Denn etwas ist anders, „draußen schwanken die Bäume“.

 Auch Doris Runge, die Meisterin der mit knappen Strichen pointierten lyrischen Bilder, hat keine Scheu, den Tod beim Namen zu nennen. Da sind Federn im Eis gefroren, sitzt das „Tödlein“ auf der Gartenbank, stellt sich die Frage, wie lange schon die Seele in filzigen Winterstiefeln wohnt. Doch an diesem von der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft arrangierten Abend wird auch eines klar: Aus dem Bewusstsein, endlich zu sein, entsteht die Kraft zum Leben.

 Um Leid und Leben geht es wenig später auch im Ostsee-Info-Center (OIC). Hier lässt Rezitator Wolfgang Berger schwarze Dichter aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts zu Wort kommen. Jazz-Lyrik, die den Schmerz der Unterdrückten, aber auch den Rausch des Jazz und der Liebe beschwört. Dazu singt mit sanfter Stimme Beatrice Asare-Lartey, begleitet von den JazzRomances. Ein Höhepunkt: Das vertonte Gedicht „Strange Fruit“ von Abel Meeropol, das aus der Trauer über das Foto eines in den USA an einem Baum erhängten Farbigen entstand.

 Viele Facetten beleuchtet die Literatur-Nacht, und viele nehmen sie wahr. „Überrascht und erfreut“ ist am Ende die Kulturbeauftragte Andrea Stephan über den guten Besuch. Nächsten Sonnabend folgt in der Reihe „Vier lange Nächte“ die Sparte Musik.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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