17 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Fesselnde Bühnenkunst und Witz

Lange Nacht des Theaters Fesselnde Bühnenkunst und Witz

Von trübem November keine Spur in Eckernförde: Die vier langen Kulturnächte der Stadt endeten am Sonnabend mit einem schillernden Theaterreigen, der Direktheit, Witz und Esprit mit Feinsinnigkeit zur Fülle vereint hat.

Voriger Artikel
Konfis backen für "Brot für die Welt"
Nächster Artikel
Wie sicher sind Radfahrer?

Die Eckernförder Flamenco-Gruppe Los Balticos mit La Mona reißt das Publikum mit feuriger Show mit. Selbst auf dem Flur harren diejenigen aus, die im engen Zuschauerraum keinen Platz finden, und lauschen dem Staccato der Tanzschuhe zur Live-Musik.

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Zu den acht Veranstaltungen kamen auch viele Gäste aus Kiel und Umland.

 Lichtes kommt oft im dunklen Kämmerlein zur Welt. Und so öffnet die 16-Jährige Joanna Nell Freund fast verborgen auf der Carlshöhe ihr Schatzkästlein schon am Nachmittag. Schattentheater entfaltet sich darin mit Witz. Die Tochter der Familie Rahier/Freund, die ihr Theater-Figuren-Museum heute bis in die Nacht geöffnet hat, fing schon als Kind Feuer am Schattenspiel. Das bestätigt sie bescheiden, aber die Augen sprühen Begeisterung. Jetzt zeigt sie ihr Szenenprogramm mit Musik: Nilpferd, Vogel Strauß, Maus wagen Zirkusnummern. Bruchlandung und Purzelbäume auf bedenklich nachgiebigem Seil sind programmiert. Das ist Komik in Schwarz und Weiß live, eine wohltuende Pause von gewohnten computeranimierten Comics. Die Gelenkfiguren hat Joanna Nell selbst entworfen. Inspiriert haben sie Schattenspielerin Margrit Fuglsang und der Australier Richard Bradshaw.

 Kapitalistische Krassheit bringt eine Hamburger Theatertruppe kraftvoll auf die schwarze Bühne in der Medien-und Kulturwerkstatt Das Haus. Unter Regie von Bernhard und Gunda Weber, die selbst spielen und singen, verdichtet sich Berthold Brechts und Kurt Weills Dreigroschenoper zum Guckkastenspiel. Das rührt mehr auf als opulente Aufführungen. Zwei Stunden atemloser Spannung, die befreiende Lacher erlaubt, produzieren die sechs Mimen und Sänger im rot ausgeleuchteten Ambiente. Schärfer könnte nur Schwarz-Weiß das Rotlichtmilieu zeichnen, in dem Gangster Mackie Messer (Thomas Keidel) und Abzocker Peachum (Bernhard Weber), der aus Bettelei Kapital schlägt, einander ausbeuten und ausliefern. Enthemmt, luderhaft, mitreißend mimen Claudia Goldbach die Lucy und Suntje Feier die Polly sowie Hure Jenny. So große Klasse auf kleiner Bühne fesselt.

 Einen rot-schwarzen Rausch garantieren auch Los Balticos: Flamencotanz und dazu Sängerin La Mona mit Gitarristen. Die furiose Aufführung reißt selbst die mit, die wegen des Andrangs nur auf dem Flur der Bürgerbegegnungsstätte dem Staccato der Schuhe lauschen können. Ausgelassen tobt auch das Kieler Comedy-Duo Die Drei lustige 2 alias Robert Becker und Lutz Karkowski in der Galerie 66. Beifallsstürme gibt es für entfesselte Gesangsnummern der ausgebildeten Musical-Mimen. Auch schauspielerisch haben die beiden es drauf. Im Carls stehen mit Claudia Piehls Mutterglück das hochbetagte Awo-Musiktheater-Ensemble und die Zeitgeister auf der Bühne. Das Stück aus der Feder der Regisseurin haben sie in Kiel uraufgeführt. Authentisch leuchten sie auch in Eckernförde familiäre Beziehungsgeflechte aus. Doppelten Applaus gibt es dafür, dass das Stück spontan mit ins Programm gekommen ist.

Im Interview: Andrea Stephan

Kulturbeauftragte der Stadt Eckernförde und Initiatorin der Reihe "Vier Lange Nächte"

Wie lautet Ihre Kurzbilanz der vier langen Kulturnächte 2016?

Wir hatten erneut mehr Besucher als im Vorjahr. Ich habe zwar nicht alle gezählt, aber jede Aufführung am letzten Sonnabend und in der Nacht der Musik war gut besucht bis überfüllt. Das gilt auch für die Lesungen davor. Die Nacht der Kunst hatte ebenso Zuspruch. Das Konzept kommt so gut an, dass wir jetzt auch Besucher aus Kiel und Umgebung haben. Besonders freue ich mich, dass sich jetzt Künstler aus ganz Deutschland um einen Auftritt im November bewerben.

Wie kam es zu der Idee, den November zum Kulturschwerpunkt zu machen?

Uwe Beitz, damaliger Leiter des Museums, und ich hatten überlegt, wann man in Eckernförde ein neues größeres Kulturevent platzieren kann. Im November gab es vor fünf Jahren noch wenige Veranstaltungen. Dass daraus gleich vier Sonnabende wurden, war nicht geplant. Es war aber den Versuch wert, wie wir gleich im ersten Jahr merkten. 2013 fand die Reihe erstmals statt. Heute ist sie auf 53 Veranstaltungen angewachsen.

Warum sind einige Veranstaltungen für Besucher kostenlos?

Die Stadt kann einige Auftritte sponsern. Einige Künstler treten von sich aus gegen Spende auf. Andere Veranstalter wie das Carls planen ihre Events heute so, dass sie wir sie in Kulturabende einbinden können. Anders ließe sich das Projekt gar nicht realisieren. 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3